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Augsburger Wassermanagement und Montanregion nun Welterbe

Deutschland ist um zwei einzigartige Kulturschätze reicher. Bayern und Sachsen können sich über neue Welterbetitel freuen. Ein dritter - eigentlich aussichtsreicher - Antrag bei der Unesco scheiterte allerdings. Der Schuldige verteidigte sich.



Historische Augsburger Wasserwirtschaft
Augsburgs historische Wasserversorgung wurde als Unesco-Weltkulturerbe anerkannt.   Foto: Karl-Josef Hildenbrand » zu den Bildern

Mit dem historischen Wassermanagement-System in Augsburg (Bayern) und der Bergbauregion Erzgebirge hat Deutschland zwei neue Welterbestätten. Die Zahl der besonders schützenswerten Kultur- und Naturerbes in Deutschland stieg damit auf 46, wie die Deutsche Unesco-Kommission mitteilte.

Dagegen scheiterte der ursprünglich aussichtsreiche Antrag, den Donaulimes - eine ehemalige Militärgrenze - in Deutschland, Österreich, der Slowakei und Ungarn zum Weltkulturerbe zu erklären. Die deutsche Delegation sprach dennoch von einem großen Erfolg für Bayern und Sachsen gemeinsam mit Tschechien.

Augsburg, die Stadt zwischen den Flüssen Lech und Wertach, wurde als Zentrum des Wasserbaus und der Wasserkraft gewürdigt, in dem sich über acht Jahrhunderte beispielhaft entwickelt habe. Dort spiegelten sich Erfindergeist und Technikgeschichte, sagte die Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission, Maria Böhmer. «Noch lange bevor die Medizin belegen konnte, wie wichtig Hygiene für unsere Gesundheit ist, gab es in Augsburg seit 1545 eine strikte Trennung von Brauch- und Trinkwasser», sagte sie.

Wassertürme, Kanäle, Kraftwerke und Prachtbrunnen gehören zu dem Ensemble in Augsburg. Grundlage des Wassermanagement-Systems sei ein ausgeklügeltes und mehr als 200 Kilometer langes Kanalsystem. Die neue Welterbestätte umfasst nach Unesco-Angaben 22 Objekte, darunter auch Wasserwerke der frühen Neuzeit und Brunnen aus der Renaissance. Ein Eiskanal war dort für die Olympischen Spiele 1972 gebaut worden. Er dient heute Kanuten als Trainingsstätte.

Für die Montanregion Erzgebirge/Kru?nohorí, die in Silberfunden ihren Ursprung hatte, war die Verleihung des UN-Gütesiegels ein lang ersehnter Traum. Seit mehr als 20 Jahren gab es die Bemühungen. Delegierte sprachen von einem «Meisterwerk menschlicher Kreativität» und einer Anlage von universellem Wert. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) lobt das Projekt in Baku als Beispiel für internationale Zusammenarbeit. «Glück auf!», sagte er. Es ist die erste gemeinsame Welterbestätte von Deutschland und Tschechien.

Die Region bewarb sich auf sächsischer Seite mit 17, auf tschechischer Seite mit 5 Bestandteilen um den Titel. Die ausgewählten Denkmäler, Natur- und Kulturlandschaften repräsentieren als Zeugen einer 800-jährigen Geschichte die wichtigsten Bergbaugebiete und Epochen des sächsisch-böhmischen Erzbergbaus.

«Das sächsisch-böhmische Erzgebirge war seit dem 12. Jahrhundert Impulsgeber für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in Bergbauregionen auf dem gesamten Kontinent», sagte Böhmer von der Unesco. Bergleute hätten von dort ihr Handwerkswissen in die Welt getragen. Die 1765 im erzgebirgischen Freiberg gegründete Bergakademie ist die älteste noch bestehende Einrichtung ihrer Art.

Von einem «außerordentlichen Ereignis» für Deutschland und Tschechien sprach Jana Mrackova-Vildumetzova von der tschechischen Kreisverwaltung in Karlovy Vary (Karlsbad). Sie hoffe, dass Touristen die Region ab sofort nicht nur als idealen Wintersportort, sondern auch als Kulturlandschaft wahrnehmen würden, sagte sie der Agentur CTK.

Zur Entscheidung bei der diesjährigen Sitzung standen insgesamt 36 Anträge, darunter auch die alte römische Militärgrenze - der sogenannte Donaulimes. Der Antrag - und damit ein möglicher dritter Erfolg für Deutschland - scheiterte an Änderungswünschen Ungarns.

Die Regierung hatte kurz vor der Sitzung dem Unesco-Komitee zufolge einen Teil der Stätte im Norden von Budapest, den Statthalterpalast in der archäologisch erhaltenen römischen Stadt Aquincum, aus der Nominierung gestrichen. Der Weltdenkmalrat Icomos hält den Palast allerdings für besonders wichtig in der Bewerbung um den Titel. Der ungarische Delegierte sagte, dass jede Regierung das Recht auf Änderungen habe. Er bedauere, dass die anderen Staaten die Leidtragenden seien.

Für Österreich war es der zweite Rückschlag bei der Sitzung. Auch der Antrag, die Großglockner Hochalpenstraße in die Liste aufzunehmen, scheiterte zunächst. Die Antragsteller haben allerdings die Möglichkeit, ihre Dokumente zu überarbeiten und sich erneut um das Gütesiegel der UN-Kulturorganisation zu bewerben.

Die Sitzung des UN-Komitees ist in diesem Jahr in Baku, der Hauptstadt der autoritär regierten Ex-Sowjetrepublik Aserbaidschan am Kaspischen Meer. Sie dauert noch bis 10. Juli.

Aktuell stehen mehr als 1100 Kultur- und Naturstätten aus mehr 160 Ländern auf der Liste, darunter mehr als 40 in Deutschland. Mehrere Stätten hatten am Samstag das Gütesiegel als Welterbe erhalten, darunter in Indien die bei Touristen wegen ihrer Palastanlagen beliebte «rosarote Stadt» Jaipur, die Hauptstadt Rajasthans.

Allein am Samstag gab es 14 Neuaufnahmen, darunter auch Bagan in Myanmar, eine heilige Landschaft mit buddhistischer Kunst und Architektur. Am Vortag war auch die antike Ruinenstadt Babylon im Irak auf die Liste gekommen.

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dpa

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Veröffentlicht am:
06. 07. 2019
17:22 Uhr

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06. 07. 2019
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