Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: 54. Hofer Filmtage75 Jahre FrankenpostCoronavirusJubiläumsgewinnspielBlitzerwarner

Brennpunkte

Beirut hält den Atem an - Retter suchen nach Überlebendem

Die Explosion in Beirut zerstörte große Teile des Hafens und der umliegenden Gebiete, mindestens 190 Menschen starben. Ein Rettungsteam aus Chile hat jetzt Hinweise auf Lebenszeichen.



Nach der schweren Explosion in Beirut
Libanesische und chilenische Rettungskräfte suchen in den Trümmern eines eingestürzten Gebäudes, nachdem sie Signale erhalten haben, dass es einen Überlebenden geben könnte.   Foto: Hussein Malla/AP/dpa

Beirut hält den Atem an: Einen Monat nach der verheerenden Explosion in der libanesischen Hauptstadt geht die Suche nach einem möglichen Überlebenden unter einem eingestürzten Haus weiter.

Die Rettungskräfte wollen über drei Tunnel durch die Trümmer zu dem Opfer gelangen. Bislang könne weder bestätigt noch ausgeschlossen werden, dass dort noch ein Verschütteter sei, sagte der Leiter des chilenischen Rettungsteam «Topos» («Maulwürfe»), Francisco Lermanda, am Freitagabend.

Allerdings schwand die Hoffnung, je länger die fieberhafte Suche andauerte. Das chilenische Rettungsteams habe bei den letzten Tests mit den Ortungsgeräten am Nachmittag und am Abend nichts gehört, sagte der libanesische Ingenieur Riad al-Assad, der an den Rettungsarbeiten beteiligt ist, dem libanesischen Sender LBCI.

Seinen Angaben zufolge wollen die Retter am Samstagmorgen damit anfangen, zu einer weiteren Trümmerschicht vorzudringen. Das chilenische Rettungsteam habe 48 Stunden am Stück gearbeitet, sagte Al-Assad. «Wir sind alle todmüde und brauchen eine Pause.»

Mit einem Kran, Schaufeln und Händen räumten die chilenischen und libanesische Einsatzkräfte den ganzen Freitag über die Trümmer des Hauses weg. «Wir werden unsere Arbeit fortsetzen, bis wir die Präsenz einer Person bestätigen oder ausschließen können», sagte Lermanda.

Am Abend gedachte die Stadt mit einer Schweigeminute und Mahnwache der Opfer der Katastrophe. Viele Menschen hielten um 18.07 Ortszeit (17.07 MESZ) - dem Zeitpunkt der Detonation - für eine Minute inne. Autos stoppten. Im Hafen gaben Soldaten der Armee Salutschüsse ab. Geistliche verschiedener Religionen des multikonfessionellen Landes beteten im Beisein von Angehörigen für die Opfer. Glocken läuteten.

Lermanda zufolge hatte am Vortag zunächst der Suchhund «Flash» einen Geruch bemerkt, der auf einen Menschen unter den Trümmern hinweisen könnte. Mit Hilfe von Ortungsgeräten sei eine «sehr schwache Atmung» ausgemacht worden, «anfangs zwischen 18 und 20 Atemzügen pro Minute». Spezialisten zufolge liege die Person in etwa drei Meter Tiefe.

Der Suchhund «Flash» habe während einer Inspektionstour in dem Gebiet plötzlich angeschlagen und sei zu dem Gebäude gelaufen, sagte Eddy Bitar, Mitbegründer der libanesischen Initiative «Live Love Beirut», die die Rettungsarbeiten unterstützt. Viele Libanesen feierten das Tier in den sozialen Medien als Helden.

Aufnahmen eines Laserscanners von zwei verschütteten Räumen dämpften am Freitag jedoch die Hoffnung, nach dieser langen Zeit tatsächlich noch einen Überlebenden zu finden. «Alles, was wir sehen können, ist Schutt», sagte ein Experte dem libanesischen Sender LBCI. «Wenn jemand hier wäre, dann wäre das ziemlich klar.» Es handele sich dabei aber nur um ein vorläufiges Ergebnis.

«Wir hoffen auf ein Wunder», sagte eine Frau, die in der Nachbarschaft lebt und die Rettungsarbeiten verfolgte. Journalisten und andere Beobachter wurden am Freitag mehrfach gebeten, ihre Mobiltelefone auszuschalten, damit ein Ortungsgerät des chilenischen Rettungsteams nicht gestört wird.

Das einst dreistöckige Gebäude, in dessen Erdgeschoss eine Bar war, liegt nur wenige Hundert Meter vom Explosionsort im Hafen entfernt. Die oberen Etagen des Hauses sind größtenteils eingestürzt.

Bei der Explosionskatastrophe am 4. August waren mindestens 190 Menschen ums Leben gekommen und mehr als 6000 verletzt worden. Der Hafen und große Teile der umliegenden Wohngebiete wurden massiv zerstört. Bis zuletzt wurden nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums noch sieben Menschen vermisst.

© dpa-infocom, dpa:200904-99-427638/9

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
04. 09. 2020
21:30 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Al Jazeera CNN Deutsche Presseagentur Explosionen Facebook Häfen Katastrophenopfer MTV Rettungsarbeiten Tod und Trauer Tote Trümmerteile Tunnel Twitter Zerstörung Überlebende
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Nach der schweren Explosion in Beirut

06.09.2020

Beirut: Retter sehen keine Anzeichen für Überlebenden

Am Donnerstag entdeckte ein Suchhund Hinweise auf einen Überlebenden in Beirut - einen Monat nach der Explosion. Danach begann eine fieberhafte Suche. Doch am Ende gab es eine enttäuschende Nachricht. » mehr

Ort der Detonation

07.08.2020

Helfer bergen weitere Opfer in Beirut

Die Bergungsarbeiten in den Trümmern des Beiruter Hafens kommen nur langsam voran. Mittlerweile sind auch internationale Helfer im Einsatz. Doch die Hoffnung auf weitere Überlebende schwindet. » mehr

Zugunglück in Thailand

11.10.2020

Zug stößt in Thailand mit Bus zusammen - mindestens 17 Tote

Tödlicher Ende einer Busfahrt: Die Passagiere waren auf dem Weg zu einem Tempel für eine Zeremonie anlässlich des Endes der buddhistischen Fastenzeit und waren etwa zwei Stunden östlich der Hauptstadt Bangkok, als sich d... » mehr

Verschüttete geborgen

27.01.2020

Über 40 Tote nach Erdbeben in Osttürkei

Am Freitagabend bebt die Erde in der Osttürkei. Dem Beben folgten wohl mehr als 900 Nachbeben. Retter suchen trotz schwindender Hoffnung weiter nach Überlebenden. » mehr

Wieder Feuer im Hafen von Beirut

10.09.2020

Wieder Großfeuer im Hafen von Beirut

Die verheerende Explosion im Hafen von Beirut ist erst wenige Wochen her. Die Erinnerungen an die Katastrophe sind in der Stadt noch allgegenwärtig. Viele fliehen in Panik vor einem neuen Feuer. » mehr

Außenminister Maas besucht Beirut

12.08.2020

Maas besucht die Trümmer im Beiruter Hafen

Die verheerende Explosion in Beirut hat auch die deutsche Botschaft schwer getroffen. Außenminister Maas reist in die libanesische Hauptstadt, um den Mitarbeitern beizustehen. Von seinem Besuch geht aber auch eine politi... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Dachstuhlbrand in Helmbrechts Helmbrechts

Dachstuhlbrand in Helmbrechts | 24.10.2020 Helmbrechts
» 7 Bilder ansehen

Premierenfeier Theater Hof

Premierenfeier Theater Hof | 26.09.2020 Hof/Selb
» 14 Bilder ansehen

Selber Wölfe - Black Dragons Erfurt 3:2 n.P. Selb

Selber Wölfe - Black Dragons Erfurt 3:2 n.P. | 23.10.2020 Selb
» 47 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
04. 09. 2020
21:30 Uhr



^