Lade Login-Box.
Corona Ticker
Topthemen: CoronavirusKommunalwahl 2020WohnzimmerkunstBlitzerwarnerHof-Galerie

Brennpunkte

Computerspiele: Experten warnen vor Suchtgefahr für Kinder

Computerspiele sind Teil der Jugendkultur. Aber können sie auch ungesund für Kinder sein? Manche Experten sehen die Sache deutlich anders als die Spielebranche.



Computerspiele
Betroffene haben mehr emotionale Probleme als unauffällige Spieler.   Foto: Georg Wendt

Im Umgang mit Computerspielen legen nach Hochrechnungen rund 465.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland ein auffälliges Verhalten bis hin zur Sucht an den Tag.

Das geht aus der Studie «Geld für Games» des Deutschen Zentrums für Suchtfragen (Hamburg) und der Krankenkasse DAK-Gesundheit hervor, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Für die Studie wurden tausend 12- bis 17-Jährige zu ihrem Spielverhalten befragt. Die Suchtexperten sehen bei rund 12 Prozent der Teilnehmer Anzeichen riskanten und bei rund 3 Prozent Anzeichen krankhaften Spielverhaltens.

Dazu wurden Kriterien abgefragt, die ein US-Diagnosehandbuch als maßgeblich für das Krankheitsbild Computerspielsucht aufführt. Dazu zählen Interessensverlust an früheren Hobbys, ständiges Denken ans Spielen, Entzugserscheinungen, Lügen über das Ausmaß des Spielverhaltens, Kontrollverlust bezüglich der Spieldauer und Gefährdung des eigenen Werdegangs. In der Gruppe der 465.000 Kinder und Jugendlichen sehen die Forscher mehr Ausgaben für Computerspiele, häufigeres Fehlen in der Schule und mehr emotionale Probleme als bei unauffälligen Spielern.

«Wenn mehr als 450.000 Jugendliche in Deutschland Gefahr laufen, die Kontrolle über das eigene Computerspielen zu verlieren, dann läuft etwas richtig schief», erklärte Marlene Mortler (CSU), Beauftragte der Bundesregierung für Drogenfragen.

Richtig ärgerlich sei, wenn Jugendliche in einigen Spielen «abgezockt» würden. Spielehersteller installierten «dubiose Mechanismen», um jungen Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen, darunter sogenannte Lootboxen. Das sind Überraschungskisten mit virtuellen Inhalten, die Spieler als Belohnung für erreichte Spielziele oder gegen Bezahlung erhalten. Mortler stuft das als Glücksspiel ein, das Jugendlichen in Deutschland nicht angeboten werden dürfte. «Da müssen die Aufsichtsbehörden einfach ran», ergänzte sie.

Der Branchenverband Game sieht die Spiele als festen Bestandteil der Jugendkultur und geht davon aus, dass weniger als ein Prozent aller Spielenden ein ungesundes Nutzungsverhalten entwickelten. Der Verband lehne ein Verbot von Lootboxen weiter ab, sagte Geschäftsführer Felix Falk. Entscheidende Unterschiede zu Glücksspielen würden in der Debatte übersehen. So enthielten diese Boxen immer einen vorher genannten Umfang an virtuellen Gegenständen und Zusatzinhalten, lediglich die exakten Inhalte seien nicht bekannt. «So wie auch bei Panini-Sammelbildern oder Überraschungseiern», sagte Falk. Der Spieler erhalte immer einen Gegenwert in Form virtueller Inhalte. Ein Verlust des eingesetzten Geldes ist deshalb nach Meinung der Branche ausgeschlossen.

Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass die Spieleindustrie die Aufmerksamkeit der Jugendlichen clever fessele und ihnen auch für vermeintlich kostenlose Spiele mehr und mehr Taschengeld entlocke, erklärte dagegen DAK-Vorstandschef Andreas Storm. Er forderte ein Verbot von Lootboxen. Nötig seien außerdem Warnhinweise für Spielzeiten und Ausgaben.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
05. 03. 2019
14:24 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Andreas Storm CSU Computerspiele DAK-Gesundheit Der Spieler Experten Gesundheitsgefahren und Gesundheitsrisiken Kinder- und Jugendkultur Marlene Mortler Spielebranche Spielehersteller Suchtexperten Suchtgefahr
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Online-Glücksspiele

05.03.2020

Suchtforscher gegen Zulassung von Online-Glücksspielen

Glücksspiele im Internet wie Online-Casinos sollen künftig erlaubt werden. Die Ministerpräsidenten der Länder wollen dafür bald den Weg frei machen. Es gibt aber Widerstand. » mehr

Gamer

16.09.2019

Experten sehen immer mehr Suchtanreize in der Gesellschaft

Nicht nur Alkohol und Nikotin können abhängig machen, sondern auch Computerspiele und Soziale Medien. Auf dem Deutschen Suchtkongress in Mainz diskutieren Experten über die aktuelle Lage. » mehr

Alkohol

16.02.2020

Grüne wollen härteren Kurs gegen Alkoholmissbrauch

Deutschland gehört mit einem Alkoholkonsum von 10,6 Liter pro Person zu den Hochkonsumländern. Die Grünen-Gesundheitspolitikerin Kirsten Kappert-Gonther sagt diesem Zustand den Kampf an - und nimmt dabei auch die Steuern... » mehr

Ermittlungsverfahren zu Kokain-Taxis in Berlin

21.10.2019

Bei Anruf Kokain frei Haus: Drogentaxis in Berlin

Statt beim Dealer im Park werden Drogen in Berlin immer öfter bequem und unauffällig vor die Haustür oder den Clubeingang geliefert. Partygänger finden das meist harmlos. Die Polizei nicht. » mehr

Kindertagesstätte

04.03.2020

Studie: Personalnot in Kitas

Sie sollen erziehen, fördern, integrieren und natürlich gut auf die ihnen anvertrauten Kinder aufpassen: Von Erziehern wird viel verlangt, was in der Praxis oft kaum einlösbar ist. Eine Befragung deutscher Kitaleiter off... » mehr

Rewe

20.02.2020

Pestizidrückstände: Weintrauben-Rückruf bei Rewe

Wieder müssen Lebensmittel wegen Gesundheitsgefahren zurückgerufen werden. Die Supermarktkette Rewe warnt vor Pestizidrückständen, der Gewürzhersteller Herrmann vor Salmonellen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

248A4044-2B49-4552-91F8-2619684F66FB Region

Aktion: Malen für Oma und Opa | 27.03.2020 Region
» 20 Bilder ansehen

Your-Stage-Festival 2020 in Hof

Your-Stage-Festival 2020 in Hof | 01.03.2020 Hof
» 115 Bilder ansehen

Workout in der Corona-Krise Lorenzreuth

Workout in der Corona-Krise | 26.03.2020 Lorenzreuth
» 10 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
05. 03. 2019
14:24 Uhr



^