Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Jubiläumsgewinnspiel "75 Jahre Frankenpost"WohnzimmerkunstBlitzerwarnerCoronavirus

Brennpunkte

Corona-Massentests: Streit über den «bayerischen Weg»

Die bayerische Landesregierung hat Corona-Tests für alle beschlossen. Ministerpräsident Söder sieht sein Land in einer Vorreiterrolle. Doch nicht alle Bundesländer wollen den bayerischen Weg mitgehen.



Abstrich für Coronatest
Ein Arzt nimmt in einer Hausarztpraxis einen Abstrich für einen Coronatest.   Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa » zu den Bildern

Die flächendeckenden Corona-Tests nach dem Vorbild Bayerns bleiben umstritten. Während Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) zumindest mittelfristig den «bayerischen Weg» einschlagen möchte, zeigt sich NRW-Regierungschef Armin Laschet (CDU) skeptisch.

«Wir machen, was wir für Nordrhein-Westfalen für richtig halten», sagte der Ministerpräsident. «Mir ist vor allem wichtig, dass wir es da, wo es brennt, verpflichtend machen», sagte Laschet unter Verweis auf die besonders betroffene Fleischindustrie.

Baden-Württemberg will weiter nur anlassbezogen auf das Virus testen. Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Sozialminister Manne Lucha (beide Grüne) begründeten dies mit den Kosten und auch damit, dass Tests für jedermann bei der derzeitigen Infektionslage nicht angebracht seien. Lucha erklärte, Baden-Württemberg halte am Grundprinzip fest, anlassbezogen zu testen. «Alles andere ist Fischen im Trüben mit einer Halbwertszeit von zwei Tagen. Dann ist die Aussage (eines Tests) schon wieder nichts wert», sagte Lucha.

Die bayerische Staatsregierung beschloss unterdessen die kostenlosen Corona-Tests für die gesamte Bevölkerung. Der Freistaat übernimmt die Kosten in all den Fällen, in denen nicht ohnehin die Krankenkassen in der Pflicht sind. Man stelle dafür aufs Jahr gerechnet 200 Millionen Euro bereit, sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der sein Land als Vorreiter sieht: «Ich glaube schon, dass das eine Wirkung hat weit über Bayern hinaus», sagte er der «Augsburger Allgemeinen» (Dienstag).

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte das Vorhaben massiv kritisiert und vor einem trügerischen Sicherheitsgefühl gewarnt. Der Berliner Regierungschef Müller zeigte sich hingegen offen: «Es geht. Und ich glaube, wir werden auch sehr bald diesen bayerischen Weg einschlagen», sagte er am Montagabend im Fernsehsender n-tv. «Wenn ein Bundesland anfängt und andere Bundesländer so wie wir eine Teststrategie haben, dann wird das eine Welle. Und die Tests werden günstiger, sie werden einfacher, es wird dann sowieso für viele Menschen ganz unproblematisch sein, sich testen lassen zu können.»

Die Tests in Bayern sind indes in erster Linie nur für die im Freistaat gemeldeten Einwohner gedacht. Es sei nicht gewollt, dass nun «sämtliche Bundesbürger nach Bayern reisen und sich hier testen lassen», sagte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) nach der Kabinettssitzung in München. Ausnahmen seien sicher denkbar, etwa wenn sich jemand aus beruflichen Gründen viel in Bayern aufhalte oder hier trotz Wohnortes in einem anderen Bundesland schon lange einen Arzt habe. Das neue Testkonzept greift im Freistaat ab 1. Juli.

Angesichts sinkender Infektionszahlen wurden vielerorts weitere Lockerungen beschlossen: Bei Kulturveranstaltungen in Bayern soll die Maskenpflicht fallen. In Hamburg sind ab Mittwoch unter Auflagen wieder Veranstaltungen mit bis zu 1000 Teilnehmern im Freien und 650 Teilnehmern in geschlossenen Räumen zulässig. In Hessen sollen die Schulen nach den Sommerferien zum gemeinsamen Präsenzunterricht zurückkehren. Das Abstandsgebot wegen der Corona-Pandemie gelte dann nicht mehr im Unterricht, kündigte der hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU) in Wiesbaden an. In Sachsen-Anhalt läuft zum Donnerstag das Kontaktverbot aus. Es wird laut Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) durch eine Empfehlung ersetzt, sich mit nicht mehr als zehn Personen aufzuhalten.

In Nordrhein-Westfalen werden Maskenpflicht, Kontaktbeschränkungen und Abstandsgebote nach Laschets Einschätzung auch über den 15. Juli hinaus Bestand haben. Erst am Vortag hatte die Landesregierung in Düsseldorf die Maßnahmen um zwei weitere Wochen verlängert. Darüber hinaus sprach sich Laschet gegen Straßenfeiern zum traditionellen Karnevalsauftakt am 11.11. aus: «Draußen, Straßenkarneval, Infektionsübertragungszeit, Alkohol, Enge - das passt nicht in diese Zeit.»

© dpa-infocom, dpa:200630-99-612188/7

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
30. 06. 2020
18:29 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Alexander Lorz Armin Laschet Bundesgesundheitsminister CDU CSU Deutscher Bundesrat Deutscher Bundestag Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung Gesundheitsminister Jens Spahn Klaus Reinhardt Kultus- und Bildungsminister Markus Söder Melanie Huml Michael Müller Norbert Walter-Borjans Olaf Scholz SPD Sozialminister Winfried Kretschmann n-tv
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Corona-Test

29.06.2020

Streit um mehr Corona-Tests - NRW verlängert Beschränkungen

Wie viele Tests braucht es, damit die Gefahr unbemerkter Ansteckungen mit dem Coronavirus möglichst gering bleibt? Bayern setzt auf das Prinzip Masse für alle - und bleibt damit vorerst allein. » mehr

CSU-Chef Söder

31.05.2020

Söder: Kanzlerkandidatur wird im Januar entschieden

In der Union stehen um den Jahreswechsel zwei richtungsweisende Personalien an. Wer wird CDU-Chef und wer Kanzlerkandidat der Union? Die K-Frage wird wohl erst Anfang 2020 entschieden. » mehr

Biergarten in München

05.05.2020

Weitere Bundesländer lockern Beschränkungen

Schon zu Pfingsten könnten Kurzurlaube in Deutschland wieder möglich sein. Doch vielen machen die regionalen Lockerungen in der Corona-Krise auch Sorgen. Ein Vorwurf: Die Bundesregierung verliere die Kontrolle. » mehr

Koalitionsausschuss tagt im Kanzleramt

03.06.2020

Marathon-Verhandlung im Kanzleramt: Was hilft aus dem Tief?

Deutschlands Wirtschaft soll mit einem Konjunkturpaket von historischem Ausmaß aus dem Corona-Krisenmodus kommen - da kann es länger dauern, bis die Details feststehen. Die Wunschlisten auf allen Seiten sind lang und teu... » mehr

Streife

10.04.2020

«Ausnahme-Ostern» in der Corona-Krise

Der Gesundheitsminister stimmt die Bürger auf ein «Ausnahme-Ostern» ein. Während die Regierung zur Disziplin mahnt, drängen andere zu raschen Lockerungen von Einschränkungen. Wegen der Corona-Krise steigt Deutschlands Sc... » mehr

Kindertagesstätte

20.05.2020

Staat weitet Lohnersatz für Eltern wegen Kita-Notbetrieb aus

Der Betrieb an vielen Schulen und Kitas läuft noch mit angezogener Handbremse. Berufstätige Eltern stellt das weiterhin vor große Probleme. Die Bundesregierung reagiert nun und weitet die staatliche Lohnersatzzahlung in ... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Großeinsatz in Grafenwöhr Grafenwöhr

Großeinsatz auf Truppenübungsplatz | 01.07.2020 Grafenwöhr
» 5 Bilder ansehen

Konzert in der Filzfabrik

Konzert in der Hofer Filzfabrik | 20.06.2020 Hof
» 37 Bilder ansehen

20200516_143430

4. Bratwurstlauf 2020 |
» 17 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
30. 06. 2020
18:29 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.