Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom WochenendeHofer Filmtage 2019EhrenamtskampagneVER Selb

Brennpunkte

Deutsches Atomprogramm mit Brasilien läuft weiter

Atomkraft in den Tropen: Deutsche Konzerne setzten große Hoffnungen in die Atomkooperation mit Brasilien. Doch vieles ging schief. Die Bundesregierung hält trotz des ungewissen Kurses des neuen rechten Präsidenten Bolsonaro an der Uran-Belieferung des Landes fest.



Atomkraftwerk Angra in Brasilien
Der Druckwasserreaktor Angra III entsteht derzeit in Angra dos Reis, rund 150 Kilometer südlich von Rio de Janeiro.   Foto: Helmut Reuther

Die deutsche Bundesregierung will das Atomprogramm mit Brasilien und die Belieferung mit Brennstäben auch unter dem rechten Präsidenten Jair Bolsonaro fortsetzen. 

«Weder aus außenpolitischer, noch aus energiepolitischer Sicht besteht eine Notwendigkeit, das Abkommen zu kündigen oder zu novellieren», heißt es in einer Antwort von Wirtschafts-Staatssekretär Ulrich Nußbaum an die Grünen-Fraktion, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Seit 2011 wurden demnach trotz des deutschen Atomausstiegs-Beschlusses 173,7 Tonnen angereichertes Uranhexafluorid und Brennstäbe mit insgesamt 10 Tonnen Uran nach Brasilien geliefert, wo zwei Reaktoren im Kernkraftwerk Angra betrieben werden. 

Bolsonaro tritt Anfang Januar sein Amt an. Er sieht US-Präsident Donald Trump als sein Vorbild, setzt auf einen nationalistischen Kurs und ist auf Konfrontationskurs zum sozialistischen Nachbarland Venezuela. Er hetzt gegen Andersdenkende und will das Gewaltproblem unter anderem mit einer stärkeren Bewaffnung der Bevölkerung lösen.

«Daheim aussteigen, aber eine Atomkraft-freundliche Außenpolitik betreiben - selbst bei einem rechtsextremen, rassistischen Präsidenten», kritisiert die Vorsitzende des Umweltausschusses im Deutschen Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl (Grüne). Die Regierung mache sich unglaubwürdig und schade der globalen Energiewende. «Das Atomabkommen muss endlich gekündigt werden», sagt Kotting-Uhl an die Adresse der großen Koalition von Union und SPD. 

Besondere Sorge bereite, dass Brasilien sich bisher weigere, ein Zusatzprotokoll zum Nuklearen Nichtverbreitungsvertrag zu unterzeichnen. «Im Rahmen des EU-Brasilianischen Dialogs über Nichtverbreitung und Abrüstung (8. November 2018) wurde die brasilianische Seite erneut aufgerufen, ein IAEO-Zusatzprotokoll abzuschließen», heißt es in der Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage der Grünen-Politiker Kotting-Uhl, Jürgen Trittin und Omid Nouripour. «Brasilien habe mitgeteilt, dass man diesen Schritt nicht plane.» Daran dürfte sich unter Bolsonaro nichts ändern - seine Regierung hat bereits angedroht, mehrere internationale Abkommen zu verlassen, womöglich auch den Pariser Klimavertrag.

Die Atompartnerschaft geht zurück auf eine Kooperation von Kanzler Helmut Schmidt (SPD) mit der damaligen brasilianischen Militärdiktatur in den 1970er Jahren. In der Anlage laufen Turbinen der ehemaligen Kraftwerk Union AG. Der noch im Bau befindliche, von Korruptionsaffären immer wieder im Zeitplan zurückgeworfene Reaktor Angra 3 wird nach dem Vorbild und mit der Technik des in Deutschland bereits abgeschalteten Atomkraftwerks Grafenrheinfeld gebaut.

Aus der von deutschen Konzernen erhofften Kooperation im großen Stil mit Milliardengeschäften wurde nicht viel - Brasilien setzt heute vor allem auf Wasserkraft. Der Angra-Komplex liegt 190 Kilometer südlich von Rio de Janeiro in einer erdbebengefährdeten Region am Meer. Für Angra 3 gab es 2010 eine Grundsatzzusage für eine deutsche Hermes-Exportkreditgarantie über 1,3 Milliarden Euro.

Nach Fukushima und dem deutschen Ausstiegsbeschluss kam es hierzu aber nicht. 2014 erklärte der damalige Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), es gebe keine finanzielle Unterstützung mehr für Atomkraftwerke im Ausland. «Dies gilt sowohl für Neubauten als auch Bestandsanlagen.» Davon unberührt ist bis heute die Unterstützung Brasiliens beim Betrieb bestehender Anlagen. «Ziel der Kooperation (...) ist es, durch technisch-wissenschaftliche Zusammenarbeit die nukleare Sicherheit zu verbessern», betont die Bundesregierung. 

Veröffentlicht am:
16. 12. 2018
10:59 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Atomenergie Atomprogramme Brennstäbe Deutsche Konzerne Deutsche Presseagentur Deutscher Bundestag Donald Trump Erdbebengefahr Große Koalition Grünen-Fraktion Helmut Schmidt Jürgen Trittin Klima-Abkommen Konzerne Kraftwerk Union Omid Nouripour Regierungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland SPD Sigmar Gabriel Sylvia Kotting-Uhl Tropen Verträge und Abkommen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Straße von Hormus

01.08.2019

Weiter Rufe nach europäischer Hormus-Mission

Außenminister Heiko Maas erteilt einer deutschen Beteiligung an einer US-geführten Militärmission am Persischen Golf eine Absage. Doch gänzlich vom Tisch ist ein Bundeswehreinsatz nicht. Und die Spannungen zwischen den U... » mehr

Boris Johnson

30.07.2019

USA setzen Deutschland bei Hormus-Mission unter Druck

Bisher hat die Bundesregierung sich in der Diskussion über einen Militäreinsatz in der Straße von Hormus zurückgehalten. Jetzt gibt es aber eine konkrete Bitte zur Beteiligung - die nach aller Wahrscheinlichkeit nicht er... » mehr

Küstenschutzboote

17.09.2019

Merkel will weiterhin keine Rüstungsgüter an Saudis liefern

Die Bombardierung einer saudischen Raffinerie hat die Verletzlichkeit der weltweiten Ölversorgung offenbart. Während Riad von der Staatengemeinschaft eine starke Reaktion erwartet, zeichnet sich in Deutschland ein Festha... » mehr

Braunkohle-Tagebau

20.09.2019

Koalition einigt sich auf CO2-Preis und Pendler-Entlastung

Rund 20 Stunden ringen Union und SPD um einen Plan, der die deutschen Klimaziele erfüllen soll. Parallel machen auch Tausende Demonstranten dafür mobil. Nun ist das Konzept da - nicht allen reicht das aber. » mehr

Straße von Hormus

31.07.2019

Deutschland beteiligt sich nicht an US-Mission im Golf

Die USA und Großbritannien beraten über einen Militäreinsatz zum Schutz von Öltankern in der Straße von Hormus. Aus Deutschland kommt eine klare Absage. Die Strategie der USA erscheint zu brenzlig. Aber eine europäische ... » mehr

Fu Guohao

14.08.2019

China verschärft in der Hongkong-Krise den Ton

Peking mahnt, die Ordnung in der Sonderverwaltungszone Hongkong müsse wiederhergestellt werden. Liegen auch militärische Optionen auf dem Tisch, wie US-Präsident Trump andeutet? » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Hofer Theaternacht

Hofer Theaternacht | 14.10.2019 Hof
» 22 Bilder ansehen

10. Hofer Steinparty

10. Hofer Steinparty | 12.10.2019 Hof
» 61 Bilder ansehen

ECDC Memmingen Indians - Selber Wölfe

ECDC Memmingen Indians - Selber Wölfe | 13.10.2019 Memmingen
» 33 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
16. 12. 2018
10:59 Uhr



^