Lade Login-Box.
Topthemen: 30 Jahre GrenzöffnungBilder vom WochenendeHofer Filmtage 2019VER Selb

Brennpunkte

Die erste demokratische Verfassung Deutschlands wird 100

Das heutige Grundgesetz wäre ohne sie wohl nicht denkbar: Die Weimarer Verfassung machte vor 100 Jahren ganz offiziell aus dem monarchischen Deutschen Reich eine parlamentarische Republik.



100 Jahre Weimarer Verfassung
Am 6. Februar 1919 tritt die Verfassungsgebende Deutsche Nationalversammlung in Weimar erstmalig zusammen, die Eröffnungsrede hält der Volksbeauftragte Friedrich Ebert.   Foto: dpa » zu den Bildern

100 Jahre nach Eröffnung der Nationalversammlung in Weimar haben führende Politiker die Bürger zu mehr Engagement für die Demokratie aufgerufen.

«Jede Generation muss wieder für Demokratie kämpfen», betonte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Ähnlich äußerte sich auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Mittwoch in Weimar, wo das Jubiläum mit einem Festakt, einem ökumenischen Gottesdienst und einem Bürgerfest gefeiert wurde.

Merkel und Steinmeier würdigten die Weimarer Verfassung als Grundlage für das heutige Grundgesetz. Der Bundespräsident beklagte, dass bisher zu sehr das Scheitern der Weimarer Republik gesehen wurde, deren Ablösung durch den Nationalsozialismus und nicht so sehr die Bedeutung als erste demokratische Republik.

Die Nationalversammlung war nach der Novemberrevolution 1918 und dem Sturz der Monarchie in Weimar am 6. Februar 1919 erstmals zusammengekommen, um eine Verfassung für die erste demokratische Republik auf deutschem Boden - die Weimarer Republik - auszuarbeiten.

In seiner Festrede mahnte Steinmeier, trotz des Grundgesetzes als beste aller Verfassungen gebe es keinen Grund, «dass wir uns zurücklehnen könnten», solange Parlamente als «Quatschbuden» verunglimpft, politisch Engagierte mit Worten oder gar mit Gewalt angegriffen würden und solange Menschen den Glauben an den Wert der Demokratie verlören.

Ein demokratischer Patriotismus brauche Symbole, die verbinden, erklärte Steinmeier. Eines sei die schwarz-rot-goldene Staatsflagge. Und es sei historisch geradezu absurd, wenn heute diese schwarz-rot-goldene Flagge am auffälligsten von denen geschwungen werde, «die einen neuen nationalistischen Hass entfachen wollten», so der Bundespräsident. Schwarz-Rot-Gold seien immer die Farben von Einigkeit und Recht und Freiheit gewesen. «Überlassen wir sie nicht den Verächtern der Freiheit», sagte er unter Beifall.

«Wir sollten die Weimarer Republik nicht länger nur von ihrem Ende her betrachten», erinnerte Steinmeier an deren Zerstörung durch die Nationalsozialisten. «Sie war mehr als nur die Vorgeschichte des Nationalsozialismus und sie war keine Einbahnstraße in die Barbarei.»

Damals seien wichtige Bürgerrechte wie das Wahlrecht für Frauen umgesetzt worden, sagte Merkel. Das heutige Grundgesetz, das in diesem Jahr 70 Jahre alt wird, sei auf der Grundlage der Weimarer Verfassung aufgebaut worden. Auch das heutige Europa sei als eine Lehre aus der Weimarer Republik und «der schrecklichen Periode des Nationalsozialismus und des Holocausts» entstanden.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) betonte, die Essenz der Weimarer Verfassung präge Deutschland heute noch und werde auch die Weichenstellungen der nächsten Jahrzehnte beeinflussen. Thüringens Landtagspräsidentin Birgit Diezel (CDU) hob die Bedeutung des Föderalismus für das heutige demokratische Deutschland hervor. Länder und Regionen blieben eine «Kraftquelle unserer Entwicklung», sagte sie.

In einem ökumenischen Gottesdienst mit mehreren hundert Menschen in der evangelischen Herderkirche - in die 1919 auch Abgeordnete der Nationalversammlung zum Gottesdienst kamen - kritisierte der Bischof des Bistums Erfurt, Ulrich Neymeyr, eine Verschärfung der Debattenkultur in den Parlamenten. «Im Herzen der Demokratie, in den Parlamenten, wird der Ton aggressiv und polemisch», sagte der katholische Geistliche. Ein demokratisches Miteinander sei mitunter mühsam, sagte die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Ilse Junkermann. Dazu gehöre auch fairer Streit.

Zu der Jubiläumsfeier waren auch Regierungschefs mehrerer Bundesländer und der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, gekommen. Die sonst von Touristen bevölkerte historische Altstadt und der Theaterplatz waren abgesperrt. Die Polizei war eigenen Angaben zufolge über mehrere Tage mit 1000 Beamten im Einsatz. Es sei aber alles friedlich verlaufen, sagte ein Polizeisprecher.

Hinter den Absperrungen drängelten sich Schaulustige, Merkel wurde von ihnen mit Beifall begrüßt. «Ich bin stolz, dass die Stadt so in aller Munde ist», sagte die Weimarerin Ingrid Menzel, die mit anderen auf die Kanzlerin wartete.

Die Weimarer Verfassung schrieb ein freies und gleiches Wahlrecht unabhängig von Geschlecht und Stand fest, sowie die Trennung von Staat und Kirche. Auch betriebliche Mitbestimmung, Schulpflicht, Gleichberechtigung von Mann und Frau waren dort verankert sowie eine Wirtschaftsordnung, die den Grundsätzen der Gerechtigkeit entsprach.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
06. 02. 2019
22:24 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Andreas Voßkuhle Birgit Diezel Bodo Ramelow Bundeskanzlerin Angela Merkel Bundesverfassungsgericht CDU Daniel Günther Demokratie Deutsches Reich Evangelische Kirche Frank-Walter Steinmeier Gottesdienste Grundgesetz Monarchie Parlamente und Volksvertretungen Polizei Republik Stephan Harbarth Wahlrecht Weimarer Republik Wolfgang Schäuble Ökumene
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Offizielle Feier

03.10.2019

Merkel fordert Bekenntnis zur Eigenverantwortung

Im Westen hätten die meisten Menschen die Wiedervereinigung als Zuschauer erlebt, sagt die Kanzlerin am Tag der Einheit. Den Osten habe dagegen «die Wucht der Einigung» getroffen. Eine Mahnung hat sie jedoch für alle Deu... » mehr

Grundgesetz

23.05.2019

Steinmeier ruft Bürger am Verfassungstag zum Einmischen auf

Deutschland feiert den 70. Jahrestag des Grundgesetzes. Und die Bürger feiern mit. Der Bundespräsident und die Spitzen des Staates diskutieren im Schloss Bellevue mit ihnen bei Kaffee und Kuchen über den Zustand des Land... » mehr

Frank-Walter Steinmeier

22.05.2019

Steinmeier: Grundgesetz muss stärker in die Köpfe der Bürger

Die Deutschen mögen ihr Grundgesetz. Das zeigen Umfragen. Doch was wissen sie darüber? Zum Verfassungsjubiläum zieht der Bundespräsident eine ernüchternde Bilanz. Sorgen bereiten ihm noch andere Entwicklungen. » mehr

Bundesrat

11.10.2019

Länder schicken mehrere Gesetzentwürfe in Bundestag

Oft muss der Bundesrat Gesetze aus dem Parlament abnicken. Diesmal ist es andersrum: Die Länder schicken einige Vorhaben in den Bundestag. Doch nicht in allem sind sie sich einig. » mehr

Abgewählt

13.11.2019

«Hat sich ausgehetzt» - Brandner verliert Ausschussvorsitz

Die Empörung im Bundestags-Rechtsausschuss über den Vorsitzenden Stephan Brandner hat sich von Woche zu Woche gesteigert. Die Aufforderung zum Rücktritt wies der AfD-Politiker zurück. Nun zog der Ausschuss Konsequenzen. ... » mehr

Kein Staatsgeld für den Staatsfeind NPD

20.07.2019

Bund und Länder wollen NPD von Staatsgeld abtrennen

Verboten wurde sie 2017 nicht, aber jetzt sollen der NPD die staatlichen Gelder gestrichen werden. Bund und Länder wollen die rechtsextreme Partei von der Parteienfinanzierung ausschließen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Dessous-Modenschau Frey

Dessous-Modenschau Frey | 15.11.2019 Marktredwitz
» 23 Bilder ansehen

Wunsiedel

20. Wunsiedler Kneipennacht | 09.11.2019 Wunsiedel
» 98 Bilder ansehen

Kickers Selb - FC Vorwärts Röslau

Kickers Selb - FC Vorwärts Röslau | 09.11.2019 Selb
» 5 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
06. 02. 2019
22:24 Uhr



^