Lade Login-Box.
Corona Ticker
Topthemen: CoronavirusKommunalwahl 2020WohnzimmerkunstBlitzerwarnerHof-Galerie

Brennpunkte

Durchfallrisiko: Molkereien nehmen Milch vom Markt

Es gibt nur eine belastete Probe, aber sie hat große Wirkung: Bundesweit werden Literpacks mit fettarmer Milch zurückgerufen. Für Verbraucher ist es der zweite Alarm binnen weniger Tage.



Warenrückruf
Das Deutsche Milchkontor (DMK) und das Unternehmen Fude + Serrahn haben den Artikel «Frische Fettarme Milch 1,5 % Fett» im Ein-Liter-Pack zurückgerufen.   Foto: Sebastian Gollnow/dpa » zu den Bildern

Sorgen erst wegen der Wurst, nun wegen der Milch: Der große Milchhändler Deutsches Milchkontor (DMK) und das Unternehmen Fude + Serrahn haben deutschlandweit bestimmte Packungen fettarmer Frischmilch vom Markt genommen.

In einer Probe seien Bakterien gefunden worden, die Durchfallerkrankungen auslösen können, teilte das DMK am Freitag in Bremen mit. Der Rückruf betreffe den Artikel «Frische Fettarme Milch 1,5 % Fett» im Ein-Liter-Pack. Alle Supermärkte hätten die Milch aus dem Handel genommen. Zu den Mengen des Rückrufs machten weder DMK noch die Lebensmittelhändler Angaben.

Die Ware stammte den Angaben nach aus der Molkerei Everswinkel (Kreis Warendorf in Nordrhein-Westfalen), das Werk hat die Kennung DE NW 508 EG. Die Ursache einer Verunreinigung mit dem Bakterium Aeromoas hydrophila/caviae sei gefunden und abgestellt worden, sagte der DMK-Sprecher. Nach seinen Angaben war eine defekte Dichtung schuld. Betroffen seien nur Milchpackungen mit bestimmten Mindesthaltbarkeitsdaten.

Das Bakterium Aeromonas hydrophila komme vor allem in Tieren vor, sagte die Göttinger Infektionsexpertin Anna Dudakova der Deutschen Presse-Agentur. «Er kann sich zum Beispiel in Ausscheidungen von Tieren finden.» Wer belastete Produkte verzehre, könne durchaus Beschwerden bekommen. «Meist geschieht das in Form von Durchfällen.» Bei schwachem Immunsystem könne der Verlauf aber auch schwerer sein, sagte die Ärztin vom Institut für Medizinische Mikrobiologie der Uniklinik Göttingen.

Sie vermutete, dass der Erreger während der Produktion in die ansonsten bereits keimfreie Milch geraten sei. Das deckt sich mit der Darstellung von DMK. Die defekte Dichtung sei bei einer Routinekontrolle im Werk Everswinkel aufgefallen. Die Anlage sei daraufhin repariert und gereinigt worden. Vorsichtshalber seien Proben an ein externes Labor geschickt worden, sagte der Sprecher.

«In einer dieser Proben wurde eine Rekontamination mit einem krankheitserregendem Wasserkeim nachgewiesen.» Die Laborergebnisse seien am Donnerstag nahezu zeitgleich mit einer ersten Reklamation von Kunden eingegangen. Darauf sei der Rückruf ergangen. Unter Rekontamination versteht man eine Verunreinigung eines bereits durcherhitzten Lebensmittels.

In den vergangenen Tagen hatten die Verbraucherschutzbehörden bundesweit nach Produkten eines hessischen Fleischwarenherstellers gesucht. In dessen Wurst waren mehrmals Listerien gefunden worden. Mehrere Todesfälle werden damit in Verbindung gebracht.

So dramatisch sind die Folgen beim Rückruf der Milch nicht. Er ist aber sehr groß: Das Deutsche Milch-Kontor mit Sitz in Bremen ist nach eigenen Angaben der größte genossenschaftliche Molkereiverband in Deutschland mit einem Jahresumsatz von 5,6 Milliarden Euro. Und zu den Abnehmern der gleichen Frischmilch mit 1,5 Prozent Fett zählen fast alle großen Lebensmittelhändler in Deutschland: von Metro, Aldi Nord und Süd sowie Lidl bis zu Edeka, Netto und Real.

Die Handelsketten nahmen die zurückgerufene Milch in den Supermärkten sofort aus dem Regal. Die Literpackungen seien in 58 von 279 Real-Märkten verkauft worden, teilte das Unternehmen in Düsseldorf mit. Betroffen seien aber nur Supermärkte in Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen und ein Markt in Hessen. Bei Lidl ging die Ware nach Nordrhein-Westfalen, Berlin und Brandenburg.

Das Bundesernährungsministerium beobachtete nach eigenen Angaben die Situation. In erster Linie seien aber die Hersteller für die Sicherheit ihrer Produkte zuständig und die Bundesländer für die Lebensmittelüberwachung, sagte eine Sprecherin. Die entsprechende Warnung sei auf dem Portal Lebensmittelwarnung.de veröffentlicht worden.

«Der aktuelle Skandal um mit Listerien belastete Wurst und der große Rückruf von verunreinigter Milch verunsichern Verbraucherinnen und Verbraucher», erklärte der Bundesverband der Verbraucherzentralen in Berlin. Gerade der Wurstskandal zeige, dass die Strukturen der Überwachung nicht ausreichten, um Missstände in Lebensmittelbetrieben zeitnah zu beheben.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
11. 10. 2019
16:49 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Aldi Gruppe Aldi Nord Bakterien Deutsche Presseagentur Edeka-Gruppe Fleischwarenhersteller Immunsystem Lidl Medizinische Mikrobiologie Mikrobiologie Molkereien Produktionsunternehmen und Zulieferer Rewe Gruppe Supermärkte Universitätskliniken Ärzte
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Desinfektion

28.02.2020

Experte erwartet 60 bis 70 Prozent Infizierte in Deutschland

Das neuartige Coronavirus kommt im Alltag der Menschen an. Viele Bürger decken sich mit Desinfektionsmitteln ein, Handelsketten berichten von Engpässen. Unterdessen berät der Krisenrat, wie sich die Ausbreitung des Virus... » mehr

Stellvertretender Marktleiter Martin Gornik füllt bei Edeka Egert in Arzberg Nudeln in den Regalen auf. Fotos: Peter Pirner

24.03.2020

Hamsterkäufe lassen nach: Nudeln kehren in die Regale zurück

Toilettenpapier ist immer noch schwer aufzutreiben, bei vielen anderen Produkten normalisiert sich aber allmählich die Situation. Für die viele Arbeit, die das erst ermöglicht, können die Beschäftigten im Lebensmittelhan... » mehr

Reifenwechsel

31.03.2019

Gurken, Google, Rente und Reifen: Neues ab 1. April

Verbraucher müssen sich auch im April auf wichtige Neuregelungen einstellen. Zum Monatsanfang greifen wichtige Änderungen. Auch am Auto, beim Discounter und bei vielen Handy-Verträgen gibt es einiges zu beachten. » mehr

Schlangestehen

09.03.2020

Kundenandrang bei Aldi wegen Desinfektionsmittel-Aktion

Eigentlich war nur eine kleine Verkaufsaktion zu Beginn der Urlaubssaison geplant. Doch durch das Coronavirus waren die Desinfektionsmittel plötzlich hoch begehrt - und schnell ausverkauft. » mehr

Intensivstation

03.04.2020

Horror-Szenario der Ärzte: Wer darf leben, wer muss sterben?

Es ist nicht völlig auszuschließen, dass bald auch deutsche Ärzte darüber entscheiden müssen, wer ein Beatmungsgerät bekommt und wer nicht. Nach welchen Kriterien würde in einer solchen Extremsituation ausgewählt? » mehr

Rewe

20.02.2020

Pestizidrückstände: Weintrauben-Rückruf bei Rewe

Wieder müssen Lebensmittel wegen Gesundheitsgefahren zurückgerufen werden. Die Supermarktkette Rewe warnt vor Pestizidrückständen, der Gewürzhersteller Herrmann vor Salmonellen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Region

Aktion: Malen für Oma und Opa | 27.03.2020 Region
» 18 Bilder ansehen

Your-Stage-Festival 2020 in Hof

Your-Stage-Festival 2020 in Hof | 01.03.2020 Hof
» 115 Bilder ansehen

Workout in der Corona-Krise Lorenzreuth

Workout in der Corona-Krise | 26.03.2020 Lorenzreuth
» 10 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
11. 10. 2019
16:49 Uhr



^