Lade Login-Box.
Topthemen: BlitzerwarnerHofer Volksfest 2019Video: Lagerleben Collis Clamat

Brennpunkte

Einwegbecher für Kaffee und Co. - ein Umweltproblem «to go»

Mal ist die Hektik schuld, mal will man mit dem Kaffee gemütlich in der Sonne schlendern. Es gibt viele Gründe, einen Einwegbecher zu nutzen. Die Deutschen tun es 2,8 Milliarden Mal im Jahr - und schaden damit der Umwelt. Was tun?



Müll am Gehweg
2,8 Milliarden Einweg-Kaffeebecher werden in Deutschland pro Jahr weggeworfen.   Foto: Gregor Fischer » zu den Bildern

Kaufen, austrinken, wegwerfen: Der schnelle Kaffee auf die Hand ist aus dem Stadtleben gar nicht mehr wegzudenken. Er ist aber auch ein Problem, wenn er aus den üblichen Pappbechern mit Plastik-Beschichtung getrunken wird, im schlimmsten Fall auch noch mit Plastikdeckel.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze will daher die Hersteller von Einwegbechern zur Kasse bitten und den Handel dazu bringen, Mehrweg-Alternativen zum Standard zu machen. Denkbar sei ein Fonds, in den sie einzahlen und der den Kommunen das teure Aufsammeln der herumliegenden Becher mitfinanziert, sagte die SPD-Politikerin am Dienstag in Berlin.

Anlass war eine neue Studie des Umweltbundesamts (UBA), die sich mit Umweltfolgen der Einwegbecher-Schwemme beschäftigt - und darauf schaut, ob und wann Alternativen sinnvoll sind. Denn dazu müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Ein Überblick:

DIE ZAHLEN: 2,8 Milliarden Einwegbecher für Heißgetränke kamen im Jahr 2016 in den Umlauf, 34 pro Kopf und Jahr, dazu 1,3 Milliarden Plastikdeckel. 60 Prozent der Becher waren aus beschichteter Pappe, 40 Prozent aus Plastik, etwa aus Getränkeautomaten. So entstanden 28 000 Tonnen Abfall. Und der nimmt viel Platz ein: Die Becher füllten rechnerisch acht Millionen Mal einen typischen öffentlichen Mülleimer, der 50 Liter fasst. Das UBA empfiehlt als Ziel, binnen zwei bis drei Jahren die Zahl der Becher um die Hälfte zu drücken.

DAS PROBLEM: Die meisten Becher landen «über kurz oder lang» in einer «Verwertung», schreibt das UBA. Aber viele müssen erst von der Straße und aus Parks eingesammelt werden, was kostet. Zudem sind sie kaum recycelbar, wie Abfall-Experte Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) erklärt - sie müssen verbrannt werden. Und es werden Ressourcen wie Holz und Erdöl eingesetzt, aber nur sehr kurz verwendet - 10 bis 15 Minuten, das war's. Die Herstellung braucht zusätzlich Energie und Wasser, Chemikalien kommen auch zum Einsatz.

DIE ALTERNATIVEN: Viele Cafés befüllen mitgebrachte Becher, manchmal ist der Kaffee dann sogar etwas billiger. Für Kunden komfortabler sind Mehrwegbecher, die sie vor Ort gegen Pfand bekommen und entweder im gleichen Café oder - noch einfacher - an vielen Orten, die miteinander kooperieren, zurückgeben. Es gibt schon einige Anbieter, etwa «ReCup» überregional, «Better World Cup» in Berlin oder «Hannoccino» in Hannover, die Liste ließe sich fortsetzen. «FairCup» wurde am Dienstag als erstes Mehrwegbecher-System mit dem Umweltsiegel «Blauer Engel» ausgezeichnet.

DER VERGLEICH: Ist Mehrweg wirklich immer ökologischer? Ein paar Bedingungen müssen laut UBA erfüllt sein - mindestens 10 Mal, besser öfter, müssen die Becher wiederverwendet werden. Für den Klimaschutz sollten es sogar mehr als 50 Mal sein. Einen Einweg-Deckel dürfen sie nicht haben, das verdirbt die Bilanz. Und die Spülmaschinen sollten mit Ökostrom betrieben werden.

WAS TUN? Um den Wechsel von Einweg- zu Mehrwegbechern zu schaffen, will Umweltministerin Schulze bei den Herstellern ansetzen. Die sollen sich an den anfallenden Müll-Kosten beteiligen, was die Becher teurer machen soll - wie genau, ist noch unklar. Zudem strebt sie eine Vereinbarung mit der Gastrobranche an, Mehrweg zum Standard zu machen und Einweg zur Ausnahme. Wenn das nicht klappe, müsse man über andere Maßnahmen nachdenken. Verboten werden sollen nur Becher aus aufgeschäumtem Plastik - das schreibt eine EU-Richtlinie von 2021 an vor.

Das Umweltbundesamt hat auf Basis seiner Studie weitere Empfehlungen erarbeitet. Dazu gehören etwa der Fonds zur Abfall-Beseitigung, aber auch, dass es Deckel nur auf Nachfrage geben sollte, Einweg-Becher deutlich teurer sein sollten und das Mehrweg-Pfand nicht zu niedrig, damit die Leute ihre Becher auch zurückbringen. Falls sanfter Druck nichts bringt, schlägt das Amt eine Obergrenze für Einwegbecher vor, Abgaben auf Deckel und Becher und ein Pfand auch auf Einwegbecher.

All das ist aber nicht in Sicht - zunächst können vor allem die Kaffeetrinker selbst dazu beitragen, dass weniger Becher im Müll landen. DUH-Experte Fischer sagt es so: «Wenn man die Möglichkeit hat, sich mal hinzusetzen, sollte man vielleicht auch mal durchschnaufen und den Kaffe aus der Tasse trinken.»

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
21. 05. 2019
17:46 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Abfall Deutsche Presseagentur Deutsche Umwelthilfe Erdöl Heißgetränke Kaffee Klimaschutz Probleme und Krisen Produktionsunternehmen und Zulieferer SPD SPD-Politikerinnen Svenja Schulze Thomas Fischer Umweltbundesamt Umweltminister Umweltprobleme und Umweltsünden
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Straßenabfälle

12.08.2019

Wegwerfartikel: Hersteller sollen für Entsorgung bezahlen

Kippen, Kaffeebecher und Co. sorgen vielerorts für eine Müllflut. Bald sollen die Hersteller von Wegwerfprodukten die Entsorgung mitbezahlen. Umweltministerin Svenja Schulze erhofft sich davon einen grundlegenden Wandel. » mehr

Leitungswasser

15.08.2019

Bund fördert Leitungswasser als Durstlöscher

Es ist fast überall zu haben, kostet kaum etwas, und die Qualität stimmt auch. Leitungswasser ist aus Sicht der Umweltministerin das Mittel der Wahl gegen Durst - auch mit Blick auf den Klimaschutz. Zieht das Land mit be... » mehr

Maut-Schild

09.08.2019

Oberster Datenschützer hält andere Pkw-Maut für möglich

Die Pkw-Maut à la CSU ist Geschichte. Diskutiert wird aber über Alternativen - vor allem mit einem stärkerem Umwelt-Fokus statt einer «Flatrate» fürs Fahren. Wäre das problematisch für den Datenschutz? » mehr

Windkraft

28.05.2019

Mehrheit der Bevölkerung sieht Defizite bei Energiewende

Die Energiewende zu langsam und die Politik im Interesse der Wirtschaft: Viele Menschen in Deutschland sind einer Studie zufolge unzufrieden mit Regierung in Sachen Umweltschutz. » mehr

Svenja Schulze

19.04.2019

Umweltministerin Schulze für Abgabe auf CO2-Ausstoß

Es klingt logisch: Wenn der Ausstoß von Treibhausgasen teurer wird, sorgt die Marktwirtschaft automatisch für mehr Klimaschutz. Nach und nach freundet sich die Politik mit der Idee an. Auch die zuständige Ministerin komm... » mehr

Qualmende Schornsteine

13.07.2019

CO2-Preis: Hausbesitzer wollen Mieter an Kosten beteiligen

Aus Sicht des Eigentümerverbandes Haus und Grund werden auch Mieter tiefer in die Tasche greifen müssen, falls infolge einer CO2-Bepreisung die Heizkosten steigen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Food-Truck-Festival Hof 2019

Food-Truck-Festival Hof 2019 | 17.08.2019 Hof
» 50 Bilder ansehen

SonneMondSterne Saalfeld

SonneMondSterne-Festival | 10.08.2019 Saalburg
» 122 Bilder ansehen

SpVgg Bayern Hof - Viktoria Kahl 2:0

SpVgg Bayern Hof - Viktoria Kahl 2:0 | 17.08.2019 Hof
» 120 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
21. 05. 2019
17:46 Uhr



^