Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: 54. Hofer Filmtage75 Jahre FrankenpostCoronavirusJubiläumsgewinnspielBlitzerwarner

Brennpunkte

Erdogan verurteilt Moschee-Razzia in Berlin als rassistisch

Hintergrund der Polizeirazzia war Betrug bei Corona-Finanzhilfen. Im Zuge der Aktion in Berlin wurde auch eine Moschee durchsucht - aus Sicht der Regierung in Ankara ein Fall von Islamfeindlichkeit.



Erdogan
Präsident Erdogan im August während einer Fernsehansprache.   Foto: Turkish Presidency/AP Pool/dpa

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat die Polizeirazzia in einer Berliner Moschee wegen des Verdachts auf Corona-Hilfen-Betrugs als rassistisch und islamfeindlich bezeichnet.

«Ich verurteile stark die während der Zeit des Morgengebets in der (...) Moschee in Berlin durchgeführte Polizeioperation, die die Glaubensfreiheit vollkommen missachtet und die sich ganz offensichtlich von Rassismus und Islamfeindlichkeit nährt, welche Europa jeden Tag etwas näher in die Finsternis des Mittelalters rückt», schrieb Erdogan in der Nacht zum Samstag auf Twitter.

Ganz Europa werde implodieren, da es von einer «Islamophobie-Krankheit» zerrissen werde, sagte Erdogan später auf einem Kongress seiner Partei AKP in Kayseri in Zentralanatolien am Samstag. Neben der Polizei-Razzia in der Berliner Moschee nannte er als Beispiel für die seiner Meinung nach wachsende Islamophobie in Europa die Maßnahmen von Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron im Kampf gegen den radikalen Islamismus.

In Frankreich war der Lehrer Samuel Paty vor gut einer Woche von einem 18-Jährigen mit russisch-tschetschenischen Wurzeln getötet und dann enthauptet worden. Paty hatte im Unterricht Karikaturen des Propheten Mohammed gezeigt. Macron stimmte als Reaktion darauf seine Landsleute auf einen langen Kampf gegen den radikalen Islamismus ein.

Am Mittwoch hatten etwa 150 Polizisten in der deutschen Hauptstadt mehrere Firmen und eine Moschee wegen des Verdachts auf Corona-Subventionsbetrug durchsucht. Sie beschlagnahmten 7000 Euro in bar, Datenträger sowie Computer und Akten. Bei der Razzia sei es um drei Verdächtige gegangen, die Finanzhilfen über 70.000 Euro beantragt hätten, von denen 45.000 Euro gezahlt worden seien, sagten Staatsanwälte. Ein Teil des Geldes soll dabei auf dem Konto der Moschee gelandet sein.

Erdogan betonte, die Türkei werde weiter gegen jegliche Form von Rassismus, Fremden- und Islamfeindlichkeit überall in der Welt ankämpfen. Das türkische Außenministerium hatte die Razzia zuvor als ein «weiteres Beispiel für die voreingenommene, diskriminierende und unverhältnismäßige Behandlung der muslimischen Gemeinschaft» in Deutschland bezeichnet. «Deutsche Behörden müssen die Tatsache verstehen, dass Muslime ein integraler Bestandteil Deutschlands sind und der Ausgrenzung und Marginalisierung ein Ende setzen», teilte das Ministerium am Donnerstag mit.

Betrug im Zusammenhang mit den Soforthilfen in der Corona-Krise ist nicht nur in Berlin ein Problem. Zwischenzeitlich waren Senat und die Investitionsbank Berlin (IBB) in die Kritik geraten, das Geld zu schnell und ohne ausreichende Kontrollen ausgezahlt zu haben. Die IBB sowie Finanzsenator Matthias Kollatz wiesen das stets zurück.

© dpa-infocom, dpa:201024-99-67261/3

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
24. 10. 2020
17:41 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Außenministerien Emmanuel Macron Islamfeindlichkeit Ministerien Moscheen Polizeirazzien Polizistinnen und Polizisten Prophet Mohammed Razzien Recep Tayyip Erdogan Regierungen und Regierungseinrichtungen Regierungschefs Staatsanwälte Twitter Türkisches Außenministerium
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Mittelmeer-Gipfel

11.09.2020

Macron und südliche EU-Partner appellieren an die Türkei

Die Spannungen im östlichen Mittelmeer wachsen. Frankreichs Staatschef Macron und Partner zeigen sich mit Griechenland und Zypern solidarisch. Aus der Türkei kommt scharfe Kritik. » mehr

Proteste gegen Macron

26.10.2020

Nach Aussagen von Macron: Boykott gegen Frankreich

Frankreichs Präsident Macron verteidigt im Streit um Mohammed-Karikaturen die Meinungsfreiheit - und löst Entrüstung aus. Arabische Länder rufen zum Boykott auf. Erdogan attackiert Macron - und legt trotz Abzug des franz... » mehr

Protest in Istanbul

26.10.2020

Wut auf Macron: Kritik an Frankreich im Karikaturen-Streit

Aus der islamischen Welt schlägt Emmanuel Macron eine Welle der Wut entgegen. Vor allem die Türkei tut sich hervor. Aber nicht nur dort ist die Empörung darüber groß, dass Frankreich die Meinungsfreiheit über das Verbot ... » mehr

Emmanuel Macron

10.09.2020

Neuer Schlagabtausch zwischen Macron und Ankara

Im östlichen Mittelmeer schwelt ein gefährlicher Konflikt um Erdgasbohrungen. Frankreichs Staatschef Macron fordert «rote Linien» - und eine entschlossene Haltung der Europäer. Aus Ankara kommt der Vorwurf der Arroganz. » mehr

Aschraf Ghani und Abdullah Abdullah

17.05.2020

Politische Rivalen in Afghanistan vereinbaren Machtteilung

Lange Zeit hat die innenpolitische Krise die Politik in Afghanistan gelähmt. Ein Deal der Elite in Kabul macht nun Hoffnung auf Fortschritte. Doch eine Personalie sorgt für Empörung. » mehr

Streit um Erdgas

28.08.2020

EU setzt Türkei im Erdgasstreit ein Ultimatum

Griechenland und Zypern fordern von den EU-Partnern seit langem mehr Unterstützung in ihrem Streit mit der Türkei. Jetzt gibt es neue Sanktionsdrohungen und sogar ein Ultimatum. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Corona-Demo in Hof Hof

Corona-Demo in Hof | 21.11.2020 Hof
» 95 Bilder ansehen

Premierenfeier Theater Hof

Premierenfeier Theater Hof | 26.09.2020 Hof/Selb
» 14 Bilder ansehen

Selber Wölfe - EV Füssen 2:1 Selb

Selber Wölfe - EV Füssen 2:1 | 22.11.2020 Selb
» 42 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
24. 10. 2020
17:41 Uhr



^