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Erneut Deutscher in Türkei vor Gericht

Seit April sitzt der Kölner Sozialarbeiter Adil Demirci in Istanbul in der U-Haft - am Dienstag darf er sich endlich vor Gericht verteidigen. Der erste Prozesstag zieht sich bis in den späten Abend hin. Wird es noch ein Urteil geben?



Gericht
Der Prozess gegen Demirci ist der dritte gegen deutsche Staatsbürger wegen «Terrorvorwürfen» innerhalb kurzer Zeit.   Foto: Lefteris Pitarakis/AP

Der Kölner Adil Demirci hat während des ersten Prozesstages in der Türkei alle Terrorvorwürfe gegen ihn zurückgewiesen. «Ich habe keine Verbindung zu illegalen Organisationen», sagt er am Dienstag am 25. Strafgericht im Istanbuler Stadtviertel Caglayan.

Er arbeite in Deutschland als Sozialarbeiter und mache Übersetzungen aus dem Türkischen ins Englische und Deutsche. Das Verfahren, bei dem zusammen mit Demirci 22 weitere Angeklagte vor Gericht stehen, zieht sich bis in den späten Abend hinein. Für fünf der in U-Haft sitzenden Angeklagten fordert der Staatsanwalt am Abend die «Freilassung unter Auflagen» - nicht aber für Demirci. Ob die drei Richter noch am selben Abend eine Entscheidung treffen würden, blieb zunächst unklar.

Demirci (32), der laut Gerichtsakten sowohl die deutsche als auch die türkische Staatsangehörigkeit hat, war im April in Istanbul während des Urlaubs inhaftiert worden. Die Staatsanwaltschaft wirft Demirci, der auch für die linke Nachrichtenagentur Etha geschrieben hat, unter anderem Mitgliedschaft in der linksextremen Marxistisch-Leninistischen Kommunistischen Partei vor. Die MLKP gilt in der Türkei als Terrororganisation.

Zu dem Anklagepunkt, dass er «im Namen der MLKP» in den Jahren 2013 bis 2016 an «unerlaubten Demonstrationen mit Molotow-Cocktails» teilgenommen haben soll, sagte Demirci, er sei bei drei Trauerfeiern und einer Gedenkveranstaltung gewesen. Es sei dabei um Menschen gegangen, die (in Syrien) gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gekämpft hätten. Tausende hätten an diesen Feiern teilgenommen. Waffen habe er nicht gesehen. Sein Anwalt sagte der Deutschen Presse-Agentur, in eine der Veranstaltungen sei Demirci zufällig hineingeraten. Die anderen habe er im Zuge seiner journalistischen Arbeit für die Etha besucht.

Vor Gericht sagte der Anwalt, sein Mandant habe keine Straftat begangen und forderte Demircis Entlassung aus der Untersuchungshaft.

Der Prozess gegen Demirci ist der dritte gegen deutsche Staatsbürger wegen «Terrorvorwürfen» innerhalb kurzer Zeit. Die beiden jüngsten Prozesse gegen Patrick K. aus Gießen und eine Sängerin mit dem Künstlernamen Hozan Cane aus Köln, mündeten Ende Oktober und Mitte November in Gefängnisstrafen von mehr als sechs Jahren.

Im vergangenen Jahr hatte eine Serie von Festnahmen deutscher Staatsbürger zu einer schweren Krise zwischen Berlin und Ankara geführt. Damals wurden aber nur wenige Deutsche auch verurteilt. Stattdessen kamen seit Ende 2017 mehrere prominente Untersuchungshäftlinge - darunter der «Welt»-Reporter Deniz Yücel, der Menschenrechtler Peter Steudtner und die Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu - frei und durften ausreisen.

Das werteten Beobachter vor den jüngsten Verurteilungen zunächst als ein Zeichen des Entgegenkommens der türkischen Regierung, die die gespannten Beziehungen zu Deutschland verbessern möchte. Deutsche Politiker betonen aber, dass es keine «Normalisierung» geben könne, solange noch Deutsche «aus politischen Gründen» in Haft seien. Das Auswärtige Amt zählt derzeit noch fünf Betroffene.

Im Gerichtssaal waren viele Beobachter aus Deutschland anwesend. Unter ihnen waren Generalkonsul Michael Reiffenstuel, der Aktivist und Autor Günter Wallraff, die Linken-Abgeordnete Heike Hänsel und der SPD-Bundestagsabgeordnete Rolf Mützenich.

Heike Hänsel sagte, der Ausgang des Verfahrens sei für sie offen. Die Anklage gegen Adil Demirci sei «ähnlich konstruiert wie die gegen Mesale Tolu», die im Spätsommer nach Deutschland ausreisen durfte - die Entlassung aus der U-Haft sei also möglich. Andererseits habe es jüngst auch «harte Strafen» gegen Deutsche gegeben. Mützenich sagte, es handele sich um ein «politisch motiviertes Verfahren» und kritisierte die «lange U-Haft».

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dpa

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Veröffentlicht am:
20. 11. 2018
18:43 Uhr

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20. 11. 2018
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