Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimJubiläumsgewinnspiel "75 Jahre Frankenpost"WohnzimmerkunstBlitzerwarnerCoronavirus

Brennpunkte

Ex-Wirtschaftsminister Werner Müller gestorben

Er war Gerhard Schröders Wirtschaftsminister und hat den Weg zum Ausstieg aus Atomkraft und Steinkohle geebnet: Jetzt ist Werner Müller im Alter von 73 Jahren gestorben.



Ex-Minister und Manager Werner Müller gestorben
Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Werner Müller ist tot.   Foto: Roland Weihrauch

Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister und Manager Werner Müller ist tot. Er starb in der Nacht zum Dienstag nach schwerer Krankheit im Alter von 73 Jahren in seiner Geburtsstadt Essen, wie die RAG-Stiftung mitteilte.

Politiker und Weggefährten würdigten seine Rolle beim sozialverträglichen Ausstieg aus der Steinkohleförderung in Deutschland.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nannte Müller einen «Pionier und Gestalter der Zukunft des Ruhrgebiets». Als «Mann der klaren Worte und des leisen, kultivierten Tons» habe er viel zur Verständigung zwischen Bürgern und Politik beigetragen und sein Handeln immer daran ausgerichtet, «was unserer Gesellschaft als Ganzes guttut». Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sagte, mit der RAG-Stiftung für die Finanzierung der Ewigkeitslasten des Bergbaus hinterlasse Müller «ein echtes Jahrhundertwerk».

Der parteilose Müller war in der rot-grünen Regierung von Kanzler Gerhard Schröder (SPD) von 1998 bis 2002 Wirtschaftsminister. Der Alt-Kanzler würdigte ihn als «großen Wirtschaftslenker». Müller habe die Spielregeln sowohl der Wirtschaft als auch der Politik aus eigener Anschauung beherrscht. «Dadurch konnte er Menschen überzeugen und aus Kontrahenten Partner machen.»

Müllers großes Verdienst sei es, die Zustimmung der deutschen Energieversorger zum Atomausstieg erreicht zu haben, heißt es in der Erklärung Schröders. Der damalige grüne Umweltminister Jürgen Trittin schrieb bei Twitter: «Mein Freund Werner Müller ist heute gestorben. Er hat viel für diese Gesellschaft getan.»

Nach seiner Ministerzeit wurde Müller 2003 Vorstandsvorsitzender des Bergbaukonzerns RAG. Aus dieser Position heraus gestaltete er das sozialverträgliche Ende der Steinkohleförderung im Ruhrgebiet und an der Saar maßgeblich mit. Bis zum letzten Fördertag wurde kein Bergmann entlassen. Bei der Schließung der letzten deutschen Zeche Prosper-Haniel in Bottrop war er im Dezember 2018 noch dabei. Müller habe «unschätzbare Verdienste um den deutschen Bergbau und die Bergleute, die ihm persönlich immer besonders am Herzen lagen», sagte der aktuelle RAG-Vorstandschef Peter Schrimpf.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker schrieb: «Seine Verdienste um den deutschen Bergbau und die Bergleute sind unschätzbar.» Müller hätten «enorme Fachkenntnis, sein trockener Humor und seine unaufgeregte Art« ausgezeichnet. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer sprach von einer traurigen Nachricht. «Habe ihn als Ministerpräsidentin in der gemeinsamen Arbeit in der RAG Stiftung auch als Mensch sehr schätzen gelernt», twitterte die Saarländerin.

Aus den Teilen der RAG, die nicht zum Bergbau gehörten, formte Müller den Chemiekonzern Evonik, bei dem er Vorstandsvorsitzender und später Aufsichtsratschef wurde. Unter anderem mit den Evonik-Dividenden finanziert die RAG-Stiftung die dauerhaften Lasten des Bergbaus, etwa das Abpumpen von Grubenwasser.

Müller, der auch Mitglied des Aufsichtsrates des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund war, hatte parallel Klavier und Volkswirtschaftslehre studiert und mit einer statistischen Arbeit in Linguistik den Doktortitel erworben. In der Energiebranche arbeitete er sowohl beim Stromkonzern RWE als auch bei dessen Konkurrenten Veba. Er hinterlässt Frau und zwei Kinder.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
16. 07. 2019
16:58 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Annegret Kramp-Karrenbauer Armin Laschet Atomausstieg Atomenergie Bergarbeiter Bergbau Borussia Dortmund Bundeswirtschaftsminister CDU Deutsche Presseagentur Energiewirtschaftsunternehmen Evonik Industries Frank-Walter Steinmeier Gerhard Schröder Jean-Claude Juncker Jürgen Trittin Nordrhein-Westfälische Ministerpräsidenten RWE AG SPD Twitter Umweltminister Werner Müller Wirtschaftsbranche Energieerzeugung und -Versorgung Wirtschaftsminister
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Hambacher Forst

24.06.2020

Kohleausstieg auf der Zielgeraden - Wo hakt es noch?

Ist er nicht längst besiegelt, der deutsche Kohleausstieg? Könnte man meinen - aber die Gesetze dafür sollen erst kommende Woche beschlossen werden. Und da gibt es noch ein paar Fragezeichen. » mehr

Bühne

29.10.2019

Minister Altmaier nach schwerem Sturz im Krankenhaus

Auf den Auftritt hat das Wirtschaftsministerium lange hingearbeitet. Ressortchef Altmaier stellt Pläne für eine neue europäische Daten-Infrastruktur vor, für ihn ein zentrales Projekt. Doch dann beherrscht ein anderes Th... » mehr

Merkel

22.03.2020

Drastische Maßnahmen im Kampf gegen Coronavirus

Gähnende Leere auf Deutschlands Straßen - und nun verhängt die Politik bundesweit zusätzliche einschneidende Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus. Eine Ausgangssperre gibt es aber nicht. Die Kanzlerin richtet erneut ... » mehr

Annegret Kramp-Karrenbauer

13.04.2020

Vorsichtig zurück in den Alltag: Experten empfehlen Zeitplan

«Nach Ostern» ist in der Corona-Krise zu einer ersten Ziellinie geworden. An diesem Mittwoch berät Merkel mit den Länderregierungschefs. Sie müssen eine Balance finden zwischen dem Wunsch nach Normalität und dem Schutz d... » mehr

Söder zur Kanzlerkandidatur

05.07.2020

Söder befeuert Debatte um Kanzlerkandidatur in der Union

In der Corona-Krise war es lange ruhiger um das Thema, nun kehrt zurück: Wer soll Kanzlerkandidat der Union bei der Bundestagswahl im kommenden Jahr werden - und wer neuer CDU-Chef? » mehr

Friedrich Merz

12.02.2020

Rennen um Parteivorsitz eröffnet: Merz will CDU-Chef werden

Der erste Kandidat wagt sich aus der Deckung: Friedrich Merz will CDU-Chef werden. Und auch Gesundheitsminister Jens Spahn zeigt sich bereit, Verantwortung zu übernehmen. Was macht Armin Laschet? Er will weiter auf eine ... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Flanieren und Schnabulieren am Theresienstein Hof

Flanieren und Schnabulieren am Theresienstein | 01.08.2020 Hof
» 61 Bilder ansehen

Abschlussfeier der FOS/BOS Hof

Abschlussfeier der FOS/BOS Hof | 28.07.2020 Hof
» 40 Bilder ansehen

Blick ins umgebaute Radquartier in Kirchenlamitz Kirchenlamitz

Blick ins umgebaute Radquartier in Kirchenlamitz | 14.07.2020 Kirchenlamitz
» 32 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
16. 07. 2019
16:58 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.