Lade Login-Box.
Topthemen: BlitzerwarnerHofer Volksfest 2019Video: Lagerleben Collis Clamat

Brennpunkte

Fall Chaschukdschi: Türkei erhöht Druck gegen Saudi-Arabien

Verschleppt, ermordet oder noch im Istanbuler Konsulat? Der saudi-arabische Journalist Chaschukdschi bleibt verschwunden. Gibt es erste Spuren?



Tawakkul Karman
Die jemenitische Friedensnobelpreisträgerin Tawakkul Karman demonstriert in der Nähe des saudi-arabischen Konsulats in Istanbul.   Foto: Emrah Gurel/AP » zu den Bildern

Im Fall des in Istanbul verschwundenen und möglicherweise ermordeten saudi-arabischen Journalisten Dschamal Chaschukdschi erhöht die Türkei den Druck.

Zum zweiten Mal innerhalb einer Woche bestellte das Außenministerium in Ankara den Botschafter des arabischen Königreiches ein. Außerdem beantragten die türkischen Behörden eine Erlaubnis, um das Konsulat im Viertel Levent zu durchsuchen, wie der Sender CNN Türk unter Berufung auf diplomatische Quellen berichtete. Der Fall Chaschukdschi könnte zu einer diplomatischen Krise zwischen Ankara und Riad führen.

Der 59 Jahre alte Journalist und Regimekritiker Chaschukdschi wird nun schon seit fast einer Woche vermisst. Er betrat das saudi-arabische Konsulat in Istanbul am Dienstag, um Papiere für seine Hochzeit abzuholen, aber war nicht wieder herausgekommen. Seine Verlobte wartete nach eigenen Angaben stundenlang vor dem Eingang auf ihn. Medien und Freunde berichteten daraufhin unter Berufung auf türkische Ermittler und Regierungskreise, Chaschukdschi sei ermordet worden.

Saudi-Arabien wies die Vorwürfe zurück. Aus Riad hatte es geheißen, Chaschukdschi sei erst nach dem Verlassen des Konsulats verschwunden. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan forderte am Montag bei einem Besuch in Ungarn, Saudi-Arabien müsse Beweise vorlegen, sollte der Journalist das Gebäude wirklich verlassen haben.

Vor dem Konsulat versammelten sich am Montag Unterstützer Chaschukdschis und forderten Aufklärung. Sie hielten Schilder hoch mit der Aufschrift: «Freiheit für Journalist Dschamal Chaschukdschi». Unter den Demonstranten war auch die jemenitische Friedensnobelpreisträgerin Tawakkul Karman, die Saudi-Arabien Terror gegen seine eigenen Bürger vorwarf.

Dem Botschafter Saudi-Arabiens sei bei seiner Einbestellung mitgeteilt worden, dass die Türkei eine «vollständige Zusammenarbeit bei den Ermittlungen» erwarte, um das Verschwinden Chaschukdschis aufzuklären, berichtete die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Demnach wurde der Botschafter schon am Sonntag ins Außenministerium gerufen.

Auch Deutschland sorgt sich um das Schicksal des Journalisten. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts sagte, man wolle sich nicht an Spekulationen beteiligen, aber alle Beteiligten müssten zu einer schnellen Aufklärung beitragen.

Die der türkischen Regierung nahe stehende Zeitung «Sabah» berichtete, Spezialisten der Istanbuler Polizei und des Geheimdienstes MIT ermittelten in dem Fall. Sie gingen davon aus, dass Chaschukdschi ermordet und zwei Stunden nach Betreten des Konsulats in einem schwarzen Kleinbus mit verdunkelten Fensterscheiben herausgebracht worden war.

Die Ermittler konzentrierten sich auf den Kleinbus und fünf weitere diplomatische Fahrzeuge, die das Gebäude in der kritischen Zeit verlassen hätten. Sie versuchten, die Insassen zu identifizieren. Das Spezialteam ginge auch davon aus, dass der saudi-arabische Geheimdienst in den Fall verwickelt sei.

Chaschukdschi war vergangenes Jahr wegen seiner kritischen Berichterstattung ins Visier der saudi-arabischen Staatsmacht geraten und nach Washington geflohen. Der Journalist war zwischenzeitlich auch Medienberater für einige Mitglieder der Königsfamilie in Saudi-Arabien. Er schreibt nun auch unter dem englisch transkribierten Namen Jamal Khashoggi für die «Washington Post».

Nach Ansicht von Beobachtern ist das Verschwinden Chaschukdschis kein Einzelfall, sondern Muster einer immer aggressiveren Außenpolitik des 33 Jahre alten saudi-arabischen Thronfolgers, Kronprinz Mohammed bin Salman. Unter anderem gilt er als Initiator der Blockade des Nachbaremirats Katar von 2017, die auch zu Spannungen mit der Türkei führte. Damals unterstützte Ankara das Golfemirat.

Friedensnobelpreisträgerin Karman sagte dem TV-Sender Al-Dschasira während der Proteste in Istanbul: «Das Verbrechen wirft ein Schlaglicht auf die Situation der Menschenrechte in Saudi-Arabien und den durchgeführten Staatsterrorismus».

Sie warf dem saudi-arabischen Kronprinzen vor, in die Details des Falls eingeweiht gewesen zu sein. «Saudi-Arabien wollte Dschamal Chaschukdschi zum Schweigen bringen, aber was passierte, war das Gegenteil. Seine Stimme ist stärker geworden und verbreitet sich weiter», sagte sie.

Veröffentlicht am:
08. 10. 2018
19:06 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Al Jazeera Auswärtiges Amt Außenministerien Botschafter CNN Ermittler Journalisten Konsulate Mohammed bin Salman Mord Polizei Recep Tayyip Erdogan Regimekritiker Sabah Tawakkul Karman Türkische Regierungen Türkische Staatspräsidenten Vans/Kleinbusse
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Absperrgitter

07.10.2018

Saudi-Arabien weist Berichte über Mord an Journalist zurück

Er betritt das Istanbuler Konsulat und kommt nicht heraus: Der Krimi um einen verschwundenen saudischen Regimekritiker geht weiter und könnte eine diplomatische Krise auslösen. » mehr

Saudi-arabisches Konsulat

13.10.2018

Apple-Uhr soll Ermordung Chaschukdschis aufgezeichnet haben

Nahm der verschwundene saudische Journalist Chaschukdschi seine eigene Exekution mit einer Computer-Uhr auf? Zum ersten Mal taucht eine konkrete Erklärung auf für die zunehmend grausigen Details in türkischen und US-Medi... » mehr

Protest

10.10.2018

Vermisster Journalist: Bericht lenkt Verdacht auf Saudis

Wollte Saudi-Arabien den in Istanbul vermissten Journalisten Chaschukdschi zum Schweigen bringen? Nach einem Medienbericht schmiedete Riad schon vor dessen Verschwinden Pläne. Eine türkische Zeitung spricht von einem 15-... » mehr

Durchsuchung

26.11.2018

Fall Khashoggi. Türkische Ermittler durchsuchen Luxusvillen

Fast zwei Monate nach dem Mord an dem saudischen Journalisten Jamal Khashoggi in Istanbul hat die türkische Polizei zwei Villen südlich der Metropole durchsucht. Die Häuser in der Provinz Yalova gehörten zwei saudischen ... » mehr

Mohammed bin Salman

13.11.2018

Hinweise auf Verwicklung Salmans in Fall Khashoggi

Wer ließ den saudischen Journalisten Khashoggi in Istanbul töten? Nach einem Bericht gibt es trotz aller Dementis starke Hinweise auf den saudischen Kronprinzen. Der türkische Präsident Erdogan kennt die Tonaufnahmen und... » mehr

Protest

09.10.2018

Saudi-Arabien erlaubt Durchsuchung des Istanbuler Konsulats

Seit einer Woche fehlt jede Spur des saudische Journalisten Chaschukdschi. Er wird seit Betreten des Istanbuler Konsulats vermisst. Die Türkei will das Gebäude nun durchsuchen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Lkw bleibt in Hof unter Brücke stecken Hof

Lkw bleibt in Hof unter Brücke stecken | 23.08.2019 Hof
» 16 Bilder ansehen

SonneMondSterne Saalfeld

SonneMondSterne-Festival | 10.08.2019 Saalburg
» 122 Bilder ansehen

SpVgg Bayern Hof - SC Eltersdorf

SpVgg Bayern Hof - SC Eltersdorf | 23.08.2019 Hof
» 38 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
08. 10. 2018
19:06 Uhr



^