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Fall Paty: Ermittlungsverfahren gegen sieben Verdächtige

Die Tat schockiert Frankreich - nun müssen Ermittler klären, was hinter dem mutmaßlichen Terrorangriff auf den Lehrer Samuel Paty steckt. Der Angreifer war offenbar schon länger radikalisiert.



Nach Ermordung eines Lehrers bei Paris
Ein Polizist steht neben der Opera Comedie in Montpellier, an deren Fassade eine Hommage an den enthaupteten Lehrer Samuel Paty angebracht ist.   Foto: Pascal Guyot/AFP/dpa

Nach der brutalen Mord an einem Lehrer in Frankreich hat die französische Justiz Ermittlungsverfahren gegen sieben Verdächtige eingeleitet - zwei von ihnen sind minderjährig.

Die Verdächtigen sollen den 18 Jahre alten Angreifer beeinflusst oder ihm geholfen haben, sein Opfer ausfindig zu machen. Wie die Justiz mitteilte, wird sechs Menschen Beihilfe zu einem Mord mit Terrorhintergrund vorgeworfen. Darunter sind zwei 14 und 15 Jahre alten Schüler sowie ein Vater, der im Netz gegen den Lehrer gehetzt haben soll.

Der 47 Jahre alte Lehrer Samuel Paty war am vergangenen Freitag in einem Pariser Vorort den Ermittlern zufolge von dem Angreifer getötet worden. Die Leiche wurde enthauptet aufgefunden. Der mutmaßliche Terrorist mit russisch-tschetschenischen Wurzeln wurde von Polizisten erschossen. Sein Motiv war nach bisherigen Erkenntnissen, dass Paty im Unterricht Karikaturen des Propheten Mohammed gezeigt hatte.

Nach französischen Medienberichten stand der Angreifer mit einem Dschihadisten in Syrien in Kontakt. Wie die Zeitung «Le Parisien» am Donnerstag unter Berufung auf Ermittlungen berichtete, habe der Tatverdächtige seit mindestens einem halben Jahr seinen Schwenk zum radikalen Islam nicht verborgen. Er sei aber unter dem Radar der Geheimdienste geblieben.

Die Minderjährigen wurden unter Justizaufsicht gestellt und unter Auflagen auf freien Fuß gesetzt. Vier weitere Verdächtige kamen in Untersuchungshaft, bei einem muss diese Frage noch geklärt werden, wie die Justiz mitteilte.

Den Minderjährigen wird vorgeworfen, den Lehrer für den Täter am Tag des Attentats gegen Geld identifiziert zu haben - der Angreifer kannte sein Opfer vorher nicht. Der 18-Jährige soll den Schülern gesagt haben, dass er den Lehrer finden wolle, um ihn zu zwingen, sich zu entschuldigen, ihn zu demütigen und ihn zu schlagen.

Wie den Jugendlichen wird auch dem Vater einer Schülerin Beihilfe vorgeworfen. Er hatte im Netz gegen den Lehrer mobilisiert, seine Entlassung gefordert und sensible Daten wie den Namen des Lehrers und die Adresse der Schule veröffentlicht, wie die Ermittler erklärten. Zudem soll er Kontakt zu dem Angreifer gehabt haben. Gegen einen Mann, der den Vater unterstützt hatte und Medien zufolge ein bekannter Islamist sein soll, wurde ebenfalls ein Verfahren wegen Beihilfe zu einem Mord mit Terrorhintergrund eröffnet.

Gegen einen siebten Verdächtigen wird unter anderen wegen des Vorwurfs der Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung ermittelt. Ermittlungsverfahren können am Ende zu einem Strafprozess führen, falls die Ermittler ausreichend Beweise gegen den Beschuldigten sehen.

Wie der französische Fußballverband FFF ankündigte, soll bei allen Spielen vom Freitag bis Sonntag des Lehrers gedacht werden. Staatspräsident Emmanuel Macron hatte am Mittwochabend bei einer Gedenkfeier im Innenhof der Pariser Sorbonne-Universität die Arbeit Patys ausführlich gewürdigt. Der Lehrer sei das Opfer einer tödlichen Verschwörung, von Dummheit, Lüge und Hass auf andere geworden.

Das Verbrechen hatte im ganzen Land Entsetzen ausgelöst. Am Wochenende waren Zehntausende auf die Straße gegangen, um sich solidarisch zu zeigen.

© dpa-infocom, dpa:201022-99-35169/6

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dpa

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Veröffentlicht am:
22. 10. 2020
17:23 Uhr

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22. 10. 2020
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