Lade Login-Box.
Topthemen: Fotos: Erstklässler in der RegionBlitzerwarnerBilder vom Wochenende

Brennpunkte

Friedensnobelpreis für Kampf gegen sexuelle Gewalt im Krieg

Die Jury für den Friedensnobelpreis greift ein hochaktuelles Thema auf: Tausende Frauen werden in Konfliktgebieten systematisch vergewaltigt, sexuelle Gewalt dient dort als Waffe. Zwei Menschenrechtler riskieren im Kampf dagegen ihr Leben.



Mukwege und Murad
Denis Mukwege und Nadia Murad erhalten den Friedensnobelpreis.   Foto: Christian Lutz/AP » zu den Bildern

Für ihren Kampf gegen sexuelle Gewalt als Waffe in Kriegen und Konfliktgebieten erhalten der kongolesische Arzt Denis Mukwege und die irakische Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad den Friedensnobelpreis 2018.

Die beiden Menschenrechtler hätten sich in herausragender Weise gegen solche Kriegsverbrechen eingesetzt, erklärte das norwegische Nobelkomitee am Freitag in Oslo.

Mukwege habe sein Leben der Verteidigung von Opfern sexueller Gewalt gewidmet, er sei «das führende, einigende Symbol des Kampfes zur Beendigung der sexuellen Gewalt in Krieg und bewaffneten Konflikten». Murad habe «außergewöhnlichen Mut bewiesen», als sie als Zeugin davon berichtete, wie sie selbst und andere missbraucht wurden. «Jeder von ihnen hat auf seine Weise dazu beigetragen, sexuelle Gewalt im Krieg besser sichtbar zu machen, so dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden können», erklärte das Komitee.

Die 25-jährige Jesidin Murad ist selbst zum Opfer von Kriegsverbrechen geworden. Sie wurde von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Irak als Sex-Sklavin gehalten und vergewaltigt. Nach drei Monaten gelang ihr die Flucht, inzwischen lebt sie in Deutschland und macht als UN-Sonderbotschafterin auf die Qualen der IS-Opfer aufmerksam.

Der sexuelle Missbrauch sei systematisch und Teil einer militärischen Strategie gewesen, erklärte die Nobel-Jury. In der IS-Ideologie sind Jesiden «Ungläubige» und «Teufelsanbeter», weil sie auch einen Engel verehren. Der jesidische Glauben ist die Ursprungsreligion der Kurden, Zehntausende flohen 2014, als der IS große Gebiete im Nordirak überrannte. Während die Terrormiliz die meisten jesidischen Männer wohl tötete, verkaufte sie die Frauen als Sklavinnen. Ende 2017 vertrieb die irakische Armee den IS aus dem Land.

Der irakische Präsident Barham Salih bezeichnete den Nobelpreis am Freitag auch als Anerkennung der tragischen Notlage der Jesiden. Die Auszeichnung sei eine Ehre für alle Iraker, die Terrorismus und Fanatismus bekämpften.

Der zweite Preisträger, der 63 Jahre alte Gynäkologe Denis Mukwege, behandelt in seiner von Konflikten zerrissenen Heimat Kongo Tausende Opfer von Gruppenvergewaltigungen. Dafür gründete er 1999 das Panzi-Krankenhaus in Bukavu im instabilen Osten des Landes, wo er den Patienten auch psychologische, juristische und finanzielle Unterstützung anbietet.

«Die Bedeutung von Doktor Mukweges engagierten und selbstlosen Bemühungen in diesem Bereich kann nicht genug betont werden», erklärte die Nobelpreis-Jury. Mukwege erfuhr selbst im Operationssaal von seiner Auszeichnung. Das sei typisch für den engagierten Arzt, sagten seine Mitarbeiter norwegischen Medien. Der Rundfunksender NRK zeigte eine kurze Videoaufnahme aus dem Krankenhaus in Bukavu, in der Mitarbeiter Mukwege feiern.

Im Vorfeld hatten sich Experten schwer getan, einen Nobelpreisträger vorherzusagen. Den laufenden Friedensprozess auf der koreanischen Halbinsel etwa hielten sie für zu instabil. Kurz vor der Bekanntgabe wurden die Namen von Mukwege und Murad aber immer höher gehandelt - auch als Würdigung für die #metoo-Bewegung gegen sexuelle Belästigung, die vor allem in Europa und Nordamerika Wirkung entfaltete. Die Jury würdigte mit dem Preis zudem den zehnten Jahrestag der UN-Resolution für Frieden und Sicherheit von Frauen, in der sexuelle Gewalt als taktisches Kriegsverbrechen anerkannt wird.

Die Arbeit von Mukwege und Murad erfülle genau die Kriterien, die Alfred Nobel in seinem Testament für den Friedenspreis festgelegt habe, erklärte das Komitee. «Eine friedlichere Welt kann nur erreicht werden, wenn Frauen, ihre Grundrechte und Sicherheit im Krieg anerkannt und geschützt werden.» Mukwege und Murad hätten ihre eigene Sicherheit gefährdet, indem sie mutig Kriegsverbrechen bekämpft und sich um Gerechtigkeit für die Opfer bemüht hätten.

«Dieser Preis beleuchtet ein Thema, das lange Zeit im Schatten lag», sagte der Direktor des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri, Dan Smith. Sexuelle Gewalt werde in bewaffneten Konflikten als Waffe eingesetzt. «Die Verleihung des Preises an Denis Mukwege und Nadia Murad erkennt die Würde der Opfer sexueller Gewalt an, die ihnen zuvor entzogen wurde.»

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Murad 2016 selbst traf, ließ Glückwünsche übermitteln. «Das sind zwei großartige Preisträger, die beide für sich für den Schrei nach Menschlichkeit stehen - inmitten unvorstellbarer Grausamkeiten, die Menschen anderen Menschen antun», sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Auch EU-Ratspräsident Donald Tusk äußerte seinen Respekt für «den Mut, die Leidenschaft und die Menschlichkeit, die die beiden in ihrem täglichen Kampf demonstrieren».

Wie die Nobelpreise für Medizin, Physik, Chemie und Literatur wird der mit neun Millionen schwedischen Kronen (etwa 860 000 Euro) dotierte Friedensnobelpreis am 10. Dezember verliehen, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

Überreicht wird die Auszeichnung allerdings - anders als die anderen Nobelpreise - nicht in Stockholm, sondern in der norwegischen Hauptstadt Oslo. Warum Nobel dies damals entschied, ist nicht bekannt. In seinem Testament legte der Dynamit-Erfinder fest, die Auszeichnung solle an denjenigen gehen, der «am meisten oder besten für die Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verkleinerung stehender Armeen» gewirkt hat.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
05. 10. 2018
22:36 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Alfred Nobel Bewaffnete Konflikte Bundeskanzlerin Angela Merkel Donald Trump Donald Tusk Friedensnobelpreis Islamischer Staat Jesiden Kim Chongun Kriege Kriegsverbrechen Kämpfe Menschenrechtler Moon Jae In Nobelpreise Nobelpreiskomitee Preisträger Sexualdelikte Steffen Seibert Vergewaltigung
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Nadia Murad

10.12.2018

Nobelpreisträger nehmen Auszeichnungen entgegen

Zwei Monate nach der Bekanntgabe können die Gewinner der Nobelpreise am Montag ihre Auszeichnungen entgegennehmen. Der Friedensnobelpreis an Denis Mukwege und Nadia Murad hat deutlich gemacht, wie sexuelle Gewalt gegen F... » mehr

Trump und Pompeo

28.02.2019

Gipfel geplatzt: Trump kehrt mit leeren Händen zurück

Enttäuschung in Hanoi: Nach vielen großen Worten endet der zweite Gipfel von Trump und Kim ohne jede konkrete Vereinbarung. Mit dem Friedensnobelpreis sollte der US-Präsident jetzt nicht mehr rechnen. Drohen neue Spannun... » mehr

Angeklagte im OLG München

09.04.2019

Terror-Prozess: Ließ Deutsche kleines Mädchen verdursten?

Sie soll zugesehen haben, wie ein fünfjähriges Mädchen verdurstete: Vor dem Oberlandesgericht (OLG) München hat der Prozess gegen eine mutmaßliche Anhängerin des Islamischen Staates im Irak begonnen. » mehr

Gedenken 09/11

11.09.2019

USA gedenken Opfern der Anschläge vom 11. September

Es gibt wohl kein Ereignis der vergangenen Jahrzehnte, das die USA und die Welt so veränderte, wie die Terroranschläge vom 11. September 2001. Die Schockwellen hallen auch 18 Jahre später noch nach. » mehr

Boris Johnson in Berlin

21.08.2019

Merkel und Johnson gesprächsbereit - aber hart beim Brexit

Boris Johnson will in Berlin und Paris Änderungen am Brexit-Abkommen erreichen - und holt sich bisher nur Absagen ab. Meint er es wirklich ernst mit Verhandlungen, oder geht es ihm nur um Schuldzuweisungen? » mehr

Begrüßung

24.02.2019

EU-Ratspräsident ruft arabische Länder zu Toleranz auf

Ägypten spricht von einem «historischen Treffen». Die Kanzlerin will bessere Beziehungen zur arabischen Welt, um sich für die globalen Konflikte zu wappnen. Auch um Menschenrechte soll es gehen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Auftakt für den Hofer Landbus Rehau

Startschuss für den Hofer Landbus | 17.09.2019 Rehau
» 10 Bilder ansehen

Black Base - Mens Night out

Black Base - Men's Night out | 15.09.2019 Hof
» 21 Bilder ansehen

Selber Wölfe - Moskitos Essen

Selber Wölfe - Moskitos Essen 3:5 | 14.09.2019 Selb
» 27 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
05. 10. 2018
22:36 Uhr



^