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Helfer bergen weitere Opfer in Beirut

Die Bergungsarbeiten in den Trümmern des Beiruter Hafens kommen nur langsam voran. Mittlerweile sind auch internationale Helfer im Einsatz. Doch die Hoffnung auf weitere Überlebende schwindet.



Ort der Detonation
Nach der Katastrophe von Beirut sind 16 Menschen festgenommen worden.   Foto: Thibault Camus/AP/dpa

In einem Rennen gegen die Zeit haben Rettungshelfer am Freitag nach weiteren Überlebenden der Explosion in der libanesischen Hauptstadt Beirut gesucht.

Drei Tage nach der Katastrophe bargen sie weitere Opfer aus den Trümmern. Die Zahl der Toten stieg auf 154, wie das libanesische Gesundheitsministerium erklärte. Rund 5000 Menschen wurden verletzt. Die Zahl der Toten könnte weiter steigen, weil noch viele Schwerverletzte auf der Intensivstation um ihr Leben kämpfen. Hilfsorganisationen warnen, die Kliniken seien überlastet.

Die Suche nach Überlebenden ging weiter, kam aber nur langsam voran. Kräne und Bulldozer versuchten, große Trümmerteile zu räumen. Das libanesische Rote Kreuz schätzt, dass noch rund 100 Menschen vermisst werden. Dabei soll es sich vor allem um Hafenarbeiter handeln. Angesichts der massiven Zerstörung gebe es Zweifel, noch Überlebende zu finden, sagte ein Helfer. «Aber wir haben noch immer Hoffnung.»

Internationale Teams waren an der Suche beteiligt, darunter auch das Technische Hilfswerk (THW). Ein Krisenunterstützungsteam (KUT) der Bundeswehr sollte in Libanons Hauptstadt eintreffen.

Deutsche Rettungshelfer zeigten sich vom Ausmaß der Zerstörung in Beirut schockiert. «Das Einsatzgebiet ist wirklich riesig», sagte die THW-Sprecherin Georgia Pfleiderer aus dem Einsatzgebiet der Deutschen Presse-Agentur am Telefon. Die Schäden seien immens. «Was hier an Gebäuden stand, das waren ja richtige Hochregallager und Großgebäude, die liegen alle in Trümmern. Das ist wirklich eine Dimension, die ist echt atemberaubend.» Ihr bisher fünfter THW-Einsatz im Ausland sei «vom Ausmaß des Schadens das Größte, was ich bisher gesehen habe».

Infolge der Explosion wurden auch rund 80.000 Kinder obdachlos wie die Sprecherin des UN-Kinderhilfswerks Unicef, Marixie Mercado, sagte. Viele Haushalte hätten nur begrenzt Wasser und Strom. Zudem gebe es Berichte, dass mehr als 120 Schulen beschädigt worden seien. Beiruts Gouverneur hatte erklärt, durch die Explosion könnten in Libanons Hauptstadt bis zu 250.000 Menschen obdachlos geworden sein.

An der Absperrung zum Hafen versammelten sich auch wütende Einwohner, darunter Angehörige von Vermissten. Sie riefen: «Diese Regierung hat versagt». «Die Explosion war am Dienstag, und sie arbeiten noch immer langsam», sagte einer der Demonstranten. «Wenn noch Lebende unter den Trümmern festgesessen haben, dann sind sie jetzt tot.»

Die Wut vieler Libanesen auf die Regierung und die politische Elite ist groß. Sie machen die Führung für die Explosion verantwortlich und werfen ihr grobe Fahrlässigkeit vor. Die heftige Explosion soll durch große Mengen Ammoniumnitrat ausgelöst worden sein, die seit Jahren ohne Sicherheitsmaßnahmen im Hafen gelagert wurden. 16 Hafenmitarbeiter wurden inzwischen festgenommen. Außenminister Heiko Maas (SPD) forderte in einem Interview mit der «Saarbrücker Zeitung» von der libanesischen Regierung «echten Reformwillen».

In der Nacht auf Freitag kam es in Beirut vereinzelt zu Protesten. Aktivisten haben für Samstag zu weiteren Demonstrationen aufgerufen, die nach der Beerdigung von Opfern beginnen sollen.

Vereinzelt wird im Libanon auch öffentlich nach der Verantwortung der einflussreichen schiitischen Hisbollah für die Explosion gefragt. Die Iran-treue Organisation ist an der Regierung beteiligt und bildet im Libanon einen Staat im Staate. Ihre Macht sehen viele als unantastbar. Der Bruder von Ex-Regierungschef Saad Hariri, Baha Hariri, sagte nach Angaben lokaler Medien, die Hisbollah kontrolliere den Beiruter Hafen. Nichts komme dort ohne sie hinein und hinaus.

Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah wies jegliche Verantwortung für die Explosion zurück. Er erkläre entschieden, dass seine Organisation nichts im Hafen habe, sagte er in einer Fernsehansprache. Die Organisation kontrolliere auch nicht den Hafen.

Die zyprischen Behörden befragten den früheren Besitzer des Frachtschiffs «Rhosus», Igor Gretschuschkin. Das Schiff soll 2013 große Mengen Ammoniumnitrat nach Beirut gebracht haben. Die Befragung von Gretschuschkin sei auf Antrag der libanesischen Polizei geschehen, wie der Sprecher der zyprischen Polizei Christos Andreou sagte. Die libanesischen Behörden hätten den Zyprern «einige Fragen geschickt», die der 43-jährige Russe «gerne beantwortet» habe.

© dpa-infocom, dpa:200807-99-74075/10

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Veröffentlicht am:
07. 08. 2020
17:56 Uhr

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07. 08. 2020
17:56 Uhr



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