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Hessen grün wie nie - Grüne dürfen (schon) wieder jubeln

Erst Bayern, jetzt Hessen - die Grünen feiern zwei Rekordergebnisse innerhalb von zwei Wochen. Seit das Spitzenduo Habeck/Baerbock übernommen hat, scheint alles zu gelingen. Kommt jetzt der erste Härtetest?



Grüne jubeln
Tarek Al-Wazir, Priska Hinz und Annalena Baerbock feiern die ersten Zahlen zur Landtagswahl in Hessen.   Foto: Uwe Anspach

Als um 18.00 Uhr die erste Prognosen kommen, kennt die Freude bei den hessischen Grünen keine Grenzen: Tosender Jubel, rhythmisches Klatschen und laute Pfiffe tönen aus dem Fraktionssaal bis über den Landtagshof in Wiesbaden.

Fünf Minuten später stehen Servierwagen mit Sektgläsern bereit. Der Jubel wird noch lauter, als die Spitzenkandidaten Tarek Al-Wazir und Priska Hinz um kurz nach halb sieben im Fraktionssaal sprechen.

«Das ist ein historisch tolles Wahlergebnis», ruft Hinz der dicht gedrängten Menschenmenge zu. «So grün war Hessen noch nie», sagt Al-Wazir. Deshalb sei das Wahlergebnis auch ein Auftrag an die Grünen, weiterzumachen. «Wir sind die Gewinner dieses Wahlabends.»

Das sehen die Parteikollegen in der Berliner Bundeszentrale bei Bio-Limo und Brezeln genau so. Da strahlt Claudia Roth mit ihrer knallbunten Jacke um die Wette. Angesichts des Kopf-an-Kopf-Rennens mit der SPD fallen sich die Ex-Parteichefin und Parteichef Robert Habeck in die Arme. Zittern um Platz zwei? «Wir sind immer bereit, Verantwortung zu übernehmen!» Ob Zweiter oder Dritter ist da nach Ansicht von Habeck nicht die entscheidende Frage. 

Es sieht danach aus, als könnten die Grünen diese Verantwortung in Hessen weiter tragen - auch wenn am Abend lange offen bleibt, ob es für Schwarz-Grün noch einmal reicht oder doch Gespräche über ein anderes Bündnis nötig werden. Die erste schwarz-grüne Regierung in Hessen vor fünf Jahren wurde kritisch beäugt. Doch haben die beiden Partner es geschafft, weitgehend geräuschlos miteinander zu regieren. Probleme, so sie denn auftraten, wurden intern abgeräumt. Einen maßgeblichen Anteil daran hatte das Aushängeschild der hessischen Grünen, Tarek Al-Wazir. Umfragen zufolge ist er sogar Hessens beliebtester Spitzenpolitiker.

Als der 47-Jährige kurz vor der Wahl den Grünen-Vorstand in Berlin besuchte, stellte er fest: «Wir haben so viel Rückenwind momentan von Bundesebene aus wie noch selten.» Die hessischen Spitzenkandidaten mussten nicht mühsam gegen den Bundestrend anschwimmen wie ihre Kollegen aus CDU und SPD. Sie konnten die Hype-Welle reiten. Und die zwischenzeitliche Aussicht, dass Al-Wazir neben Winfried Kretschmann der zweite grüne Ministerpräsident werden könnte, ließ die Partei bundesweit noch ein wenig mehr schillern. 

Es läuft einfach. Nach den 17,5 Prozent in Bayern schaffen die Grünen den zweiten Rekord innerhalb von zwei Wochen. Bei den jungen Wählern unter 30 werden sie in Hessen Analysen zufolge gar stärkste Kraft. Diesel und Klimaschutz, zwei Lieblingsthemen der Partei, treiben die Menschen um. Dazu haben sie es geschafft, sich als Anti-AfD zu positionieren. 

Trotzdem geben sich die Köpfe der Partei redlich Mühe zu signalisieren: Wir bleiben auf dem Teppich, Hype hin oder her. Radikal in der Problemanalyse, pragmatisch in der Problemlösung, so wollen die Grünen wahrgenommen werden. Der Spruch «Vernunft statt Populismus» der Wahlkämpfer in Hessen passte bestens zum Staatstragend-und-Öko-Kurs, auf den Habeck und Co-Parteichefin Annalena Baerbock die Bundespartei trimmen. 

Die beiden Landtagswahlen haben die noch recht neuen Parteivorsitzenden gestärkt. Der Jubel beim Bundesparteitag im November im Leipzig dürfte ihnen sicher sein. Dass es mit dem Mitregieren mit der CSU in Bayern nicht klappte, ersparte ihnen auch schmerzhafte Kompromisse. Falls Koalitionsverhandlungen in Hessen kompliziert werden sollten, könnte das aber der erste Test für das neue, gut gelaunte Geschlossenheits-Image der Grünen werden. Als Krisenmanager musste sich das Duo Baerbock/Habeck bisher noch nicht beweisen.

Veröffentlicht am:
28. 10. 2018
21:15 Uhr

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dpa

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28. 10. 2018
21:15 Uhr



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