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IS verliert letzte Bastion in Syrien

Seit Jahren verbreitet die IS-Terrormiliz Angst und Schrecken. Jetzt feiern Syriens Kurden ihren militärischen Sieg über die Dschihadisten. Doch die Extremisten bleiben weiter eine Gefahr.



SDF-Kämpfer hissen Flagge über Baghus
Kämpfer der von den USA unterstützten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) hissen ihre Flagge über Baghus.   Foto: Maya Alleruzzo/AP » zu den Bildern

Mit Einnahme der letzten IS-Bastion kommt der Krieg gegen die Terrormiliz Islamischer Staat in Syrien und im Irak nach fast fünf Jahren zu einem vorläufigen Ende.

Die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) erklärten am Samstag Baghus im Osten Syriens für befreit. «Wir stehen hier, um den Sieg über Daesh zu verkünden», sagte SDF-Kommandeur Maslum Kobane bei einer Militärzeremonie am ostsyrischen Ölfeld Omar.

Das selbst ernannte Kalifat der Extremisten ist zwar endgültig zerstört, aber die Kurden warnten, dass der IS trotz der Niederlage noch lange nicht besiegt sei. Auch aus Sicht Frankreichs und der USA bleibt die Terrorgruppe eine Bedrohung. IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi ist Medienberichten zufolge untergetaucht.

US-Präsident Donald Trump erklärte in einer Stellungnahme, gemeinsam mit den SDF und anderen Mitgliedern der Anti-IS-Koalition hätten die USA das restliche Gebiet vom IS zurückerobert. «Die Feiglinge werden gelegentlich wieder auftauchen, aber sie haben ihr Ansehen und ihre Macht verloren. Sie sind Verlierer und sie werden immer Verlierer bleiben», fügte Trump mit Blick auf die Extremisten hinzu. Die USA würden «wachsam» bleiben und den Kampf gegen den IS fortsetzen, bis die Terrormiliz endgültig besiegt sei.

SDF-Sprecher Mustafa Bali hatte am Samstagmorgen über Twitter mitgeteilt: «Die Syrischen Demokratischen Kräfte erklären die vollständige Zerstörung des so genannten Kalifats und die territoriale Niederlage des IS zu 100 Prozent.» Auf den Dächern des Ortes Baghus, wo sich bis zuletzt IS-Anhänger verschanzt hatten, wehten die gelben SDF-Fahnen.

Die Befreiung der letzten IS-Bastion in Syrien sei ein «historischer Moment», sagte der Außenbeauftragte des politischen Arms der SDF, Abdel Karim Umar. «Das bedeutet aber nicht, dass wir den Terror besiegt haben.» Der IS sei in den befreiten Gebieten noch immer präsent. So gebe es Dutzende Schläferzellen. Zahlreiche Dschihadisten sind in den Wüstengebieten Syriens und des Iraks untergetaucht, von wo aus sie regelmäßig Angriffe aus dem Hinterhalt verüben.

Außenminister Heiko Maas (SPD) würdige die internationale Zusammenarbeit im Kampf gegen die IS-Terrormiliz. «Deutschland hat dazu einen wichtigen Anteil beigetragen», sagte Maas laut Auswärtigem Amt. Vom IS gehe weiter eine erhebliche Gefahr aus. «Wir werden diese Bedrohung nicht unterschätzen. Deshalb geht das gemeinsame Engagement der Anti-IS-Koalition weiter. Aus deutscher Perspektive bleibt die Stabilisierung der von IS befreiten Gebiete entscheidend», sagte Maas.

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron würdigte die Partner und Streitkräfte der internationalen Anti-IS-Koalition. Es sei nun eine bedeutende Gefahr für sein Land beseitigt, teilte er via Twitter mit. «Aber die Bedrohung bleibt, und der Kampf gegen terroristische Gruppen muss weitergehen.»

Der Vize-US-Gesandte bei der internationalen Anti-IS-Koalition, William Roebuck, sprach von einem «entscheidenden Meilenstein» im Kampf gegen den IS, erklärte aber auch: «Wir haben noch viel Arbeit vor uns, um eine dauerhafte Niederlage des IS zu erreichen.» Die Terrormiliz bleibe eine bedeutende Bedrohung, sagte er bei der Siegeszeremonie der Kurden. In einem vor einigen Wochen vom Pentagon veröffentlichten Bericht heißt es, der IS bleibe aktiv und könne in sechs bis zwölf Monaten wieder aufleben.

Die IS-Extremisten hatten im Sommer 2014 den Höhepunkt ihrer Macht erreicht, als sie die nordirakische Millionenstadt Mossul überrennen konnten. Kurz darauf rief die Terrormiliz ein «Kalifat» unter Führung von IS-Chef Al-Bagdadi aus, der sich damals in einer Moschee Mossuls bei einer Freitagspredigt das bisher einzige Mal öffentlich zeigte.

Die Dschihadisten kontrollierten damals eine riesige Region, die sich über große Teile Syriens und des Iraks erstreckte. Mit dem Beginn der internationalen Militärintervention unter US-Führung verlor der IS sein Herrschaftsgebiet jedoch nach und nach. Mit Unterstützung aus der Luft brachten es lokale Bodentruppen unter ihre Kontrolle.

Im Sommer 2017 konnte die irakische Armee Mossul nach monatelangen heftigen Kämpfen vollständig befreien. Im Herbst desselben Jahres verloren die Dschihadisten die nordsyrische Stadt Al-Rakka, die inoffizielle Hauptstadt des IS. Ende 2017 erklärte der Irak den militärischen Sieg über die Terrormiliz. Zurück bleiben zerstörte Städte und Regionen, deren Wiederaufbau Milliardensummen kosten wird.

In Baghus nahe der Grenze zum Irak waren bis zuletzt noch IS-Anhänger auf engstem Raum am Ufer des Euphrat-Flusses in einem Zeltlager eingeschlossen, wo sie sich in Gräben und Tunnel eingegraben hatten und Widerstand leisteten.

Auch IS-Chef Al-Bagdadi soll Medienberichten zufolge in Baghus gewesen, vor Beginn der kurdischen Offensive aber in die umliegenden Wüstengebiete geflohen sein. Die USA haben auf ihn ein Kopfgeld in Höhe von 25 Millionen Dollar (22 Millionen Euro) ausgesetzt.

In den vergangenen Wochen hatten Tausende IS-Kämpfer aufgegeben und sich den SDF-Truppen gestellt. Sie wurden in Gefangenenlager gebracht und verhört. Auch Zehntausende Zivilisten, darunter Angehörige der IS-Kämpfer, verließen den Ort. Mehr als 70 000 Flüchtlinge sind in dem von Kurden kontrollierten Lager al-Hul untergekommen, wo Hilfsorganisation von einer dramatischen humanitären Lage berichten.

Mit dem Sieg über den IS wird auch ein baldiger Abzug der US-Truppen aus Syrien wahrscheinlicher, den Trump im Dezember angekündigt hatte. Allerdings soll nach letzten Plänen des Weißen Hauses noch ein Truppenkontingent im Land bleiben. Die Abzugspläne Amerikas haben international massive Kritik ausgelöst.

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dpa

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Veröffentlicht am:
23. 03. 2019
20:51 Uhr

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23. 03. 2019
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