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Immer mehr Schüler scheitern am Abi - zugleich mehr Topnoten

Bei vielen Schülern steigt nun der Stress: Die Abiprüfungen stehen an. Immer wieder wird eine Inflation guter Noten beklagt - doch auch am anderen Ende gibt es Grund zur Sorge.



Abiturprüfung
Abiturprüfung in einem Gymnasium in Rostock.   Foto: Bernd Wüstneck

Für immer mehr junge Leute endet die erste große Prüfung mit einer handfesten Enttäuschung: In Deutschland rasseln wieder mehr Schüler durchs Abitur.

In den vergangenen neun Jahren ist die Quote der nicht bestandenen Prüfungen nahezu stetig gestiegen, wie eine Auswertung der Deutschen Presse-Agentur zeigt. Zuletzt scheiterte etwa einer von 26 Prüflingen. Experten kritisieren, dass Schüler schlechte Leistungen vor dem Abitur zu einfach ausgleichen könnten - in der Prüfung dann aber nicht mehr.

Während im Abiturjahrgang 2009 laut Statistik der Kultusministerkonferenz (KMK) noch 2,39 Prozent der Schüler durchfielen, waren es 2017 schon 3,78 Prozent. Besonders hoch ist sie in Mecklenburg-Vorpommern, wo 2017 etwa jeder 14. Abitur-Prüfling scheiterte.

Für 2018 liegen der Kultusministerkonferenz noch keine Zahlen vor, doch einzelne Länderdaten bestätigen die Tendenz, wie beispielsweise aus Schleswig-Holstein, wo die Durchfallerquote von 3,6 auf 4 Prozent an Gymnasien stieg.

Zugleich aber wird bundesweit auch häufiger die Note 1,0 vergeben. Fast jeder vierte Abiturient hatte 2017 eine 1 vor dem Komma. Die Abinoten werden also extremer. Das verdeutliche die Abhängigkeit des Bildungserfolgs vom Elternhaus der Kinder, sagt der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann. Bei der einen Gruppe könnten die Eltern die notwendige Förderung und Unterstützung privat organisieren, die anderen fielen «durch den Rost». «Die Schere öffnet sich immer weiter», sagt Beckmann.

Die Vorsitzende des Philologenverbands, Susanne Lin-Klitzing, sieht eher Fehler in der Konzeption des Abiturs. «Im Abitur zeigt sich die Frucht von kontinuierlichem Lernen und kontinuierlichem Leisten - im Positiven wie im Negativen», sagt sie. Schülern werde diese Kontinuität aber nicht abgefordert, manche würden bereits ab der Unter- und Mittelstufe nur versetzt, weil sie schlechte Leistungen in einem Fach durch gute in einem anderen Fach ausbügeln könnten. «Nur am Schluss, im Abitur, müssen Mathe, Deutsch und eine Fremdsprache verbindlich bestanden werden, da hilft kein Ausgleich mehr», sagt die Erziehungswissenschaftlerin, deren Verband die Gymnasiallehrer vertritt.

Außerdem falle es vielen Jugendlichen schwer, sich schon im Januar auf Prüfungen im April vorzubereiten, sagte Lin-Klitzing. Mit den Abitur-Regelungen der Kultusminister werde dieses kontinuierliche Lernen nicht genügend gefördert und gefordert. So müssten Schüler in der Oberstufe nur 32 bis 40 ihrer Kurse ins Abitur einbringen. Sie belegten aber deutlich mehr - die Noten in den übrigen Kursen zählten allerdings nicht fürs Abitur. Und selbst in solchen Kursen, die zur Abi-Berechnung hinzuzählten, dürften Schüler immerhin achtmal durchfallen.

Die Jugendlichen lernten also, dass sie gar nicht immer ihre beste Leistung bringen müssten. «Mehr Kurse einzubringen wäre aus vielerlei Hinsicht sinnvoll, weil sie ein besseres Abbild der kontinuierlichen Leistung in der gesamten Oberstufe geben», sagt Lin-Klitzing. Dann gebe es einen anderen Ansporn oder die Schüler merkten rechtzeitiger selbst, dass ihre Leistungen nicht ausreichten.

In diesem Fall könnten sie entweder einen Lernturbo zünden oder Kurse freiwillig wiederholen. Das Sitzenbleiben während der Qualifikation fürs Abi einzuführen, hält Lin-Klitzing dagegen nicht für sinnvoll.

Die Vorsitzende des Philologenverbands plädierte auch dafür, Abiturienten leistungsgerechter zu bewerten. «Was ich will, ist, dass gute Leistung gut bewertet wird, sehr gute Leistung sehr gut, aber nicht-ausreichende Leistung eben auch nicht-ausreichend.» Zur Zeit brauche ein Schüler nicht einmal die Hälfte der Maximalpunktzahl, um eine Prüfung zu bestehen. Das bereite die jungen Leute schlecht auf Arbeitsleben und Studium vor.

Die Linke-Bildungsexpertin Birke Bull-Bischoff kritisierte, dass schlechte Arbeitsbedingungen für Lehrer, hoher Unterrichtsausfall und Lehrkräftemangel die Motivation der Schüler und die Qualität des Unterrichts leiden lasse.

Insgesamt sind die Abinoten in den vergangenen Jahren zwar etwas besser geworden, jedoch nicht stark. Den besten Notendurchschnitt gab es im Jahr 2017 in Thüringen mit 2,18, den schlechtesten in Niedersachsen mit 2,57.

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dpa

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Veröffentlicht am:
26. 03. 2019
16:15 Uhr

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