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Immer mehr Übergriffe auf Bahnpersonal

Die Wut von Bahnreisenden bei Ausfällen und Pannen ist groß. Ihren Frust lassen sie oft an Mitarbeitern des Unternehmens aus - immer häufiger artet dies nach neuen Zahlen sogar in Gewalt aus. Auch aus dem Aufsichtsrat des kriselnden Staatskonzerns kommen Warnungen.



Fahrkartenkontrolle. Symbolfoto.
Fahrkartenkontrolle. Symbolfoto.   Foto: Franz-Peter Tschauner

Mitarbeiter der Deutschen Bahn (DB) werden immer häufiger Opfer von gewalttätigen Angriffen. In diesem Jahr wurden nach Angaben der Bahn allein in den ersten neun Monaten bereits 1981 Körperverletzungen gemeldet und damit mehr als im gesamten Jahr 2015.

Laut einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linke-Fraktion im Bundestag gab es demnach 2015 noch 1876 Körperverletzungen. 2016 sei die Zahl auf 2374 gestiegen und im vergangenen Jahr auf 2550. Zuvor hatte die «Passauer Neuen Presse» (Samstag) darüber berichtet.

Der Vize-Aufsichtsratschef der Deutschen Bahn AG, Alexander Kirchner, warnte angesichts zahlreicher Verspätungen und Technikprobleme vor wachsendem Frust unter den Mitarbeitern. «Nicht wenige denken: Es wird eh nicht besser. Viele Kollegen haben die Hoffnung verloren», sagte der Chef der Gewerkschaft EVG dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Samstag). «Die Kollegen in den Zügen und auf den Bahnhöfen sind mit der Wut der Reisenden über Verspätungen direkt konfrontiert. Sie müssen sich permanent für Probleme rechtfertigen, die sie weder verursacht haben noch verhindern können.»

Zuletzt waren die Fernzüge der Bahn wieder häufiger verspätet. Die Pünktlichkeitsquote lag im November bei 70,4 Prozent. «Nur 70 Prozent bei der Pünktlichkeit - das war in der Vergangenheit die Ausnahme, jetzt ist es fast der Regelfall», sagte Kirchner. Er kritisierte: «Die Bahn ist über Jahre auf Verschleiß gefahren worden. Es fehlen Kapazitäten bei der Infrastruktur, bei den Zügen und beim Personal. Das führt dazu, dass das System allmählich kippt.»

Der Vizeaufsichtsratschef gab nicht nur dem aktuellen Vorstand um Bahnchef Richard Lutz und dessen Vorgängern die Schuld an der schwierigen Lage bei dem staatlich kontrollierten Unternehmen: «Auch die Politik ist verantwortlich für den desolaten Zustand, den wir jetzt haben: Sie hat es über Jahre versäumt, die notwendigen Mittel für die Modernisierung der Infrastruktur bereitzustellen.»

Der Grünen-Verkehrspolitiker Matthias Gastel warf der CSU vor, die Krise der Bahn durch falsche politische Weichenstellungen wesentlich mitverschuldet zu haben. «Es ist nicht damit getan, die DB mit einer Strukturreform zu beauftragen und in der Bahnpolitik sonst alles beim Alten zu belassen», sagte Gastel der Deutschen Presse-Agentur. Die CSU stellt seit 2009 den Verkehrsminister. Der Bund ist als Eigentümer der Bahn auch im Aufsichtsrat vertreten und kontrolliert somit das Bahn-Management maßgeblich mit.

Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte die Deutsche Bahn angesichts vieler Probleme zu schnellen Verbesserungen für die Fahrgäste aufgefordert. «Wir brauchen eine Bürgerbahn, die den Namen verdient - nämlich, dass wir pünktlicher werden, dass wir besseren Service anbieten», hatte Scheuer der dpa gesagt. Die Qualität beim Bahnfahren müsse im neuen Jahr schnellstens wieder steigen. Auch bei den Abläufen im bundeseigenen Konzern müsse es Verbesserungen geben.

Der Minister werde beim Thema Bahn zum «Meister des Ungefähren», kritisierte Gastel. «Nach dem «Wow-Effekt» führt Scheuer mit der «Bürgerbahn» eine neue Worthülse ein.» Mit der Realität habe dies nach neun Jahren CSU-Verkehrspolitik immer weniger zu tun.

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22. 12. 2018
13:23 Uhr

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22. 12. 2018
13:23 Uhr



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