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Jugendliche ohne Perspektive sind ein Risiko

Klaus Hurrelmann hält die meisten Jugendlichen für resistent gegen rechtsextreme Einstellungen. Gerade diejenigen, die den Anschluss zu verlieren drohten, seien allerdings dafür anfällig. Für sie sei es besonders wichtig, fit im Lesen, Schreiben und Rechnen zu werden.



Klaus Hurrelmann
Bildungsforscher Klaus Hurrelmann fordert bessere Angebote für Jugendliche zur Berufswahl.   Foto: Peter Himsel/Hertie School of Governance

Jugendliche mit schlechten Berufsaussichten sind nach Überzeugung des Bildungsforschers Prof. Klaus Hurrelmann ein Risiko für die gesamte Gesellschaft.

«Dieser Teil der jungen Generation ist leider nicht in der Lage, sich politisch stark zu artikulieren. Gerade die jungen Männer, die besonders betroffen sind, greifen dann dazu, radikale Parteien zu wählen, darunter auch rechtsextreme», sagte Hurrelmann der Deutschen Presse-Agentur.

Die junge Generation insgesamt sei sehr resistent gegenüber rechtsextremen Positionen. Allerdings sei die Gesellschaft gleichzeitig stärker gespalten als früher, rund ein Fünftel habe das Gefühl, mit der Mehrheit nicht mithalten zu können.

«Dieses eine Fünftel muss uns Sorgen machen, das ist eine entwurzelte Gruppe», sagte Hurrelmann. «Und das strahlt über diese 20 Prozent hinaus, so dass wir hier ein Potenzial für ständige Unzufriedenheit, Unruhe, auch Hadern mit der Demokratie, der Politik und den Parteien haben.»

Hurrelmann, der am 10. Januar 75 Jahre alt wird, forderte bessere Angebote für Jugendliche zur Berufswahl. Sinnvoll sei aus seiner Sicht, allen Schulabgängern ein Jahr oder Halbjahr zur Berufsorientierung anzubieten - als verbindliche Alternative zum heutigen Freiwilligen Sozialen Jahr. Über solche Angebote müsse diskutiert werden, sagte der Professor an der Hertie School of Governance in Berlin. «Auch weil es so schwer geworden ist, überhaupt zu wissen, was man will, bei fast 400 Ausbildungsgängen, die wir heute haben und bei wahrscheinlich fast 20.000 verschiedenen Studiengängen.»

Die Weichenstellung nach dem Schulabschluss in die Ausbildung und Berufswelt verlange den jungen Leuten viel ab. «Ich würde die Jugendlichen an dieser Diskussion beteiligen und verschiedene Szenarien zur Wahl stellen», sagte Hurrelmann, der seit rund einem halben Jahrhundert zu Bildungs- und Jugendthemen forscht und lehrt. «Das wäre auch ein Signal der Politik an die junge Generation: Wir nehmen euch ernst, wir sehen mit Sorgen, dass ihr den Parteien und dem politischen System gegenüber so distanziert seid.»

Ein zentraler Punkt sei aber auch, gerade im digitalen Zeitalter in der Schule wieder mehr Wert auf Basiskompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen zu legen. «Es ist nicht etwa so, dass man die überspringen könnte, sondern im Gegenteil, ich muss darüber verfügen. Wer nicht in der Lage ist, Texte zu verstehen, ist komplett abgehängt. Und das trifft für dieses eine Fünftel zu», warnte Hurrelmann.

Bei denen, die keinen Schulabschluss schaffen, und denen, die keinen Ausbildungsplatz finden, fehle es oft an solchen Basiskompetenzen. «Hier müssen wir dringend ran, und die Schulen müssen ihren Lehrplan so umstellen, dass das wieder in den Vordergrund gerät», forderte der Bildungsforscher. Genauso wichtig sei aber auch, Kompetenzen für die Orientierung in der digitalen Welt zu vermitteln, angefangen vom Umgang mit dem Smartphone bis zu Grundkenntnissen über die großen digitalen Plattformen. «Hier haben wir einen enormen Nachholbedarf und müssen darauf achten, dass diese Kombination aus allgemeiner und digitaler Grundbildung in den Schulen eine viel größere Rolle spielt.»

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08. 01. 2019
08:09 Uhr

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