Lade Login-Box.
Corona Ticker zum Digital-Abo
Topthemen: Jubiläumsgewinnspiel "75 Jahre Frankenpost"WohnzimmerkunstBlitzerwarnerCoronavirus

Brennpunkte

Krieg in Syrien: Türkei droht Assad mit Vergeltung

Im Nordwesten Syriens wird die Lage für die Menschen immer schlimmer. Deutschland hofft auf russische Hilfe bei der Suche nach Frieden. Auch die Türken haben sich deshalb für Montag in Moskau angekündigt.



Flucht aus Idlib
Zivilisten auf der Ladefläche eines Fahrzeugs bei der Flucht aus Idlib.   Foto: Ugur Can/DHA/dpa

Die Türkei hat dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad mit Vergeltung gedroht, sollten Regierungstruppen in der umkämpften Provinz Idlib weiter die türkische Armee angreifen.

«Das Regime muss das wissen: Die Türkei wird dort keine Grenzen kennen, sollte es weiter solche Angriffe auf unsere Truppen geben», sagte Vizepräsident Fuat Oktay im türkischen Fernsehen. Diese Botschaft sei auch den Russen übermittelt worden. Während Ankara in der Region islamistische Rebellen unterstützt, steht Moskau in dem Konflikt an der Seite des syrischen Machthabers Assad.

Gleichwohl wollen die Türkei und Russland Anfang kommender Woche in Moskau über die kritische Lage in der umkämpften Provinz im Nordwesten Syriens beraten. «Unsere Delegation wird am Montag nach Moskau reisen», sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Samstag am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz. Zuvor sei bereits eine russische Delegation in Ankara gewesen.

Sollten die diplomatischen Bemühungen keine Früchte tragen, sei Ankara seinerseits aber auch zu dann notwendigen Maßnahmen bereit. Angriffe syrischer Truppen seien inakzeptabel, sagt Cavusoglu. Er sprach am Samstag auch mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow über die Situation in der Rebellenhochburg Idlib, wie das russische Außenministerium bestätigte. Die Begegnung war ursprünglich für Sonntag geplant gewesen. Die Lage sei ausführlich erörtert worden, hieß es.

Lawrow sagte wenig später bei der Sicherheitskonferenz, die Kontakte zwischen beiden Ländern bestünden weiter. Die Beziehungen zur Türkei bezeichnete er als «sehr gut». «Das heißt aber nicht, dass wir in allem übereinstimmen.» Über die Situation in Idlib sprach am Samstag auch US-Präsident Donald Trump mit seinem türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan, wie die türkische Seite mitteilte. Demnach bezeichneten beide Präsidenten die Angriffe des syrischen Militärs als inakzeptabel.

Außenminister Heiko Maas forderte indes Russland auf, sich für ein Ende der Kämpfe in der Provinz Idlib einzusetzen. «Wir haben große Befürchtungen, dass es da zu einer humanitären Katastrophe kommt, wenn die Kämpfe, die es da gibt, nicht zum Ende kommen», sagte er in München nach Treffen mit Cavusoglu und Russlands Außenminister Lawrow. Moskau müsse seinen Einfluss auf die syrische Regierung nutzen, damit die Kampfhandlungen eingestellt würden. «Ansonsten rechnen wir damit, dass noch mehr Menschen die Region verlassen werden. Das ist etwas, woran niemand ein Interesse haben kann.»

Nach einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats hatten bereits am Freitag mehrere EU-Staaten die Situation in Idlib scharf kritisiert. Man sei wegen des eskalierenden Konflikts «zutiefst alarmiert», teilten Deutschland, Frankreich, Polen, Estland und Belgien in New York mit.

Unterdessen hat das russische Militär türkischen Soldaten in der Provinz Idlib vorgeworfen, Falschinformationen zu verbreiten. Die Führung in Ankara werde nicht über die wahre Lage rund um die Rebellenhochburg aufgeklärt, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. «Solche unverantwortlichen Aussagen tragen nur zur Eskalation der Situation bei.» Es drohe die Gefahr «hastiger Entscheidungen», die nicht im Interesse beider Länder seien.

Konkret warf die russische Armee den türkischen Soldaten vor, falsche Angaben zu getöteten syrischen Streitkräften nach Angriffen der Türkei gemacht zu haben. Moskau beklagte einmal mehr einen andauernden Beschuss von bewohnten Ortschaften durch Rebellen. Solche Provokationen müssten eingestellt werden, forderte Russland.

Die russische Agentur Interfax zitierte eine nicht näher genannte Quelle beim Militär, die behauptete, dass die Türkei bereits mehr als 70 Panzer und 200 gepanzerte Fahrzeuge nach Idlib gebracht habe.

Nach jüngsten Angaben der Vereinten Nationen sind seit Anfang Dezember mehr als 800.000 Menschen aus der letzten großen syrischen Rebellenhochburg vertrieben worden. Kaltes Winterwetter von bis zu minus sieben Grad vergrößere die Not weiter. In der Region um Idlib leben nach UN-Schätzungen rund drei Millionen Zivilisten.

Dominiert wird das letzte große Gebiet der Rebellen von der Al-Kaida-nahen Miliz Haiat Tahrir al-Scham (HTS). Die Truppen von Syriens Präsident Assad hatten im vergangenen Jahr eine Offensive auf Idlib begonnen. Trotz einer Waffenruhe setzten sie die Angriffe zusammen mit der verbündeten russischen Luftwaffe auch in den vergangenen Wochen fort.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
15. 02. 2020
17:53 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Außenminister Außenministerien Baschar al-Assad Donald Trump Heiko Maas Interfax Münchner Sicherheitskonferenz Recep Tayyip Erdogan Russische Außenminister Russisches Außenministerium Russisches Militär Sergej Lawrow Sicherheitskonferenzen Syrische Regierungen Syrische Staatspräsidenten Syrisches Militär Türkische Außenminister Türkische Soldaten UN-Sicherheitsrat UNO
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Konflikt in Syrien

07.02.2020

Eskalation in Idlib: Russische Delegation kommt nach Ankara

Das syrische Militär dringt im Rebellengebiet Idlib nahe der türkischen Grenze weiter vor. Die Türkei verlangt von Russland, den Vormarsch zu stoppen. Nun soll eine russische Delegation nach Ankara kommen. Die UN zeichne... » mehr

Konflikt in Syrien

28.02.2020

Nato berät nach Angriff auf türkische Soldaten in Idlib

Politiker warnen vor einem Krieg des Nato-Partners Türkei mit Syrien. Die Nato erklärt sich solidarisch mit Ankara. Spielt die Türkei mit dem Flüchtlingspakt, um mehr Hilfe zu bekommen? Und was kommt auf die EU-Außengren... » mehr

Konflikt in Syrien

03.02.2020

Türkei startet Vergeltungsangriff in Syrien

Türkische Soldaten geraten in Syrien unter Beschuss, die Vergeltungsmaßnahme folgt prompt - es gibt Opfer auf beiden Seiten. Erdogan spricht von «niederträchtigen Angriffen». » mehr

Flucht aus Idlib

04.02.2020

Mehr als 500.000 Menschen durch Kämpfe in Syrien vertrieben

Immer dramatischer wird die Lage in der syrischen Provinz Idlib. Mehr als eine halbe Million Menschen wurden vertrieben. Der türkische Präsident Erdogan warnt die syrische Regierung vor Folgen. » mehr

Syrische Regierungstruppen

16.10.2019

Erdogan schließt Waffenruhe in Syrien aus und verhöhnt Maas

«Mischt Euch nicht ein!» Der türkische Staatschef will sich zu Syrien vom Westen nichts sagen lassen. Für Berlin hat er nur Hohn übrig. Dem US-Vermittler zeigt er schon vorab die Grenzen auf. » mehr

Lage in Idlib

08.03.2020

Aktivisten berichten von Verstößen gegen Waffenruhe in Idlib

Erst vor wenigen Tagen haben sich die Türkei und Russland auf eine Waffenruhe in der syrischen Provinz Idlib geeinigt. Mehrere Seiten berichten aber über Verstöße. Auch die humanitäre Situation in der Rebellenhochburg bl... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Aktion am Grenzübergang Wildenau Wildenau

Aktion am Grenzübergang Wildenau | 23.05.2020 Wildenau
» 23 Bilder ansehen

DisTANZ in den Mai Fichtelgebirge

DisTANZ in den Mai | 03.05.2020 Fichtelgebirge
» 63 Bilder ansehen

IMG-20200518-WA0000

4. Bratwurstlauf 2020 |
» 17 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
15. 02. 2020
17:53 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.