Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: 54. Hofer Filmtage75 Jahre FrankenpostCoronavirusJubiläumsgewinnspielBlitzerwarner

Brennpunkte

Künstliche Beatmung: Spahn für bessere Patienten-Betreuung

Eigentlich ist es eine Einschränkung der Versorgung. Gesetzespläne für Beatmungspatienten sollen aber eine höhere Versorgungsqualität absichern - und auch dubiosen Geschäften einen Riegel vorschieben.



Gesundheitsminister Jens Spahn
Jens Spahn (CDU) will mit dem Gesetzentwurf Geschäfte auf Kosten der Patienten unterbinden, wenn sie nach einem Aufenthalt im Krankenhaus zu Hause weiterbetreut werden.   Foto: Britta Pedersen

Schwerkranke Menschen, die etwa nach einem Unfall künstlich beatmet werden müssen, sollen bessere Betreuung bekommen.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will damit zugleich Geschäfte auf Kosten der Patienten unterbinden, wenn sie nach einem Aufenthalt im Krankenhaus zu Hause weiterbetreut werden. Darauf zielt ein Gesetzentwurf, den das Ministerium zur Abstimmung an Verbände und Länder verschickt hat. Spahn sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), es solle alles getan werden, Betroffene so schnell wie möglich von künstlicher Beatmung zu entwöhnen. Patienten, die sich nur schlecht wehren könnten, bräuchten besondere Unterstützung.

Die Pläne zielen darauf, grundlegend höhere Qualitätsstandards zu verankern und «Fehlanreize und Missbrauchsmöglichkeiten zu beseitigen», wie es im Entwurf heißt. Dafür soll Intensivpflege mit künstlicher Beatmung in der eigenen Wohnung künftig die Ausnahme sein. Anspruch darauf sollen nur noch minderjährige Kinder haben. In der Regel solle dies in Pflegeheimen stattfinden - oder in speziellen «Beatmungs-WGs», für die außerdem zusätzliche Vorgaben kommen sollen. Hintergrund sind auch Fälle von Geschäftemachereien und Zweifel an der Betreuungsqualität bei der Versorgung solcher Patienten zu Hause.

Gegensteuern will Spahn auch mit neuen finanziellen Anreizen. So sollen die Eigenanteile für die Intensivpflege in Heimen von derzeit bis zu 3000 Euro im Monat erheblich gesenkt werden. Krankenkassen sollen anbieten können, auch Kosten für Unterkunft und Verpflegung zu übernehmen. Dies soll laut Ministerium den «Fehlanreiz» aufheben, dass sich manche Patienten und Angehörige wegen geringerer Zuzahlungen für eine Intensivpflege zu Hause entscheiden.

Begrenzt werden soll damit auch der starke Anstieg der Ausgaben bei den gesetzlichen Kassen, die für eine häusliche Intensivpflege voll aufkommen. Diese kann rund 25.000 Euro im Monat kosten, während es in spezialisierten Einrichtungen 6500 Euro sind. Aus medizinischer Sicht soll außerdem verhindert werden, dass Patienten ohne ausreichende Anstrengungen zur Entwöhnung von einer künstlichen Beatmung in eine ambulante Pflege entlassen werden. Kliniken sollen daher auch besser für eine längerfristige Entwöhnung vergütet werden.

Der Sozialverband VdK begrüßte Spahns Pläne. «Beatmungs-WGs sind derzeit Heime ohne Heimaufsicht. Niemand weiß, was dort hinter verschlossenen Türen passiert», sagte Präsidentin Verena Bentele dem RND. Intensivpflege gehöre in professionelle Einrichtungen mit geprüfter Qualität. Der stellvertretende Chef des Spitzenverbands der gesetzlichen Kassen, Gernot Kiefer, betonte, die Patienten schneller und öfter zum selbstständigen Atmen zu bringen, müsse ein zentrales Anliegen sein. Fehlanreize zu beseitigen, sei daher dringend nötig.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz nannte es überfällig, die Versorgung der 30.000 ambulanten Beatmungspatienten einheitlich zu regeln. Es sei aber zu unterscheiden, ob sie in den eigenen vier Wänden oder einer von 800 Beatmungs-WGs lebten. Wenn Spahn das Leben schwerst kranker Patienten daheim praktisch unterbinden wolle, sei das «ein gravierender Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht», warnte Vorstand Eugen Brysch. Ein Drittel der Betroffenen könne nicht von der Beatmung entwöhnt werden. Viele dieser Menschen wollten daher zu Hause versorgt werden und in der gewohnten Umgebung bleiben.

SPD-Fraktionschef Karl Lauterbach sagte dem RND, nach diversen Skandalen bestehe dringender Handlungsbedarf. «Es darf nicht sein, dass zu Lasten von Beatmungspatienten exorbitante Gewinne gemacht werden.» Spahns Entwurf gehe daher in die richtige Richtung. Im Mai hatte die Polizei einen Abrechnungsbetrug von Pflegediensten bei der Betreuung von Beatmungspatienten aufgedeckt. Wohnungen und Büros in Berlin, Brandenburg und Schleswig-Holstein wurden durchsucht. Die Polizei ging davon aus, dass Menschen vor allem aus Osteuropa als Intensivpfleger und -pflegerinnen eingesetzt wurden, obwohl sie nicht qualifiziert waren. Es soll ein Millionen-Schaden entstanden sein.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
13. 08. 2019
16:59 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Ambulanz Beatmungspatienten CDU Dubiose Geschäfte Gesundheitsminister Jens Spahn Karl Lauterbach Ministerien Patienten Patientenschutz Pflegedienste Pflegeheime Polizei Sozialverband VdK Sozialverbände Verena Bentele
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Frau im Pflegeheim

31.07.2020

Eigenanteile für Pflegebedürftige im Heim steigen weiter

Die Kosten für Pflegeheimbewohner und ihre Angehörigen kennen schon seit Jahren nur eine Richtung: nach oben. Der Trend setzt sich nun ungebremst fort - das erhöht den Druck zum politischen Gegensteuern. » mehr

Corona-Teststation

23.10.2020

Ministerium erwartet Corona-Impfungen ab Anfang 2021

Die Corona-Infektionszahlen galoppieren, die Spielräume der Politik zur Eindämmung der Pandemie werden kleiner. Es bleiben eindringliche Appelle und die Hoffnung auf einen Impfstoff. » mehr

Jens Spahn

22.10.2020

Infektionen im Kabinett? Sorge nach Spahns Corona-Test

Ausgerechnet der Gesundheitsminister ist der erste im Bundeskabinett, der sich mit Corona ansteckt. Nun steht die Frage im Raum, ob er das Virus an seine Kollegen weitergegeben hat. » mehr

Pflegeheim

03.10.2020

Spahn plant massenhaft Coronatests in Pflegeheimen

Flächendeckende Coronatests in Alten- und Pflegeheimen: Das soll Gesundheitsminister Spahn laut «Spiegel» ab dem 15. Oktober planen. Besonders gefährdete Personen sollen so besser geschützt werden. » mehr

Covid-19-Teststation am Stuttgarter Hauptbahnhof

13.08.2020

Abermals deutlich mehr Corona-Neuinfektionen

Die Corona-Neuinfektionen nehmen vor allem bei jüngeren Menschen zu. Das Durchschnittsalter der Infizierten ist deutlich gesunken. Der Gesundheitsminister warnt sie davor, die Entwicklung zu unterschätzen. » mehr

Pressekonferenz zu Pflege und Corona

05.10.2020

Spahn hofft auf schnelle Umsetzung von Pflegereform

Gesundheitsminister Spahn will die Pflegeheimkosten begrenzen, Pflegekräfte besser bezahlen und Angehörige entlasten. Eine entsprechende Reform soll von der großen Koalition möglichst noch beschlossen werden, bevor im nä... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Hofer Filmtage - Verleihung des Granit-Filmpreises

Hofer Filmtage - Verleihung des Granit-Filmpreises | 24.10.2020 Hof
» 24 Bilder ansehen

Premierenfeier Theater Hof

Premierenfeier Theater Hof | 26.09.2020 Hof/Selb
» 14 Bilder ansehen

Selber Wölfe - Black Dragons Erfurt 3:2 n.P. Selb

Selber Wölfe - Black Dragons Erfurt 3:2 n.P. | 23.10.2020 Selb
» 47 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
13. 08. 2019
16:59 Uhr



^