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Kultusminister: Schulen werden mehr Lehrer brauchen

Mehr Studienplätze, schnelle Verbeamtung oder eine Buschzulage: Die Länder kämpfen mit verschiedenen Mitteln gegen den Lehrermangel an. Hessens Kultusminister warnt: Es wird nicht reichen, freiwerdende Stellen neu zu besetzen.



Unterrichtsausfall
Besonders dramatisch ist die Lage in den östlichen Bundesländern und in Berlin.   Foto: Caroline Seidel

Mit steigenden Anforderungen für die Schulen wird nach Einschätzung des neuen Vorsitzenden der Kultusministerkonferenz (KMK), Alexander Lorz, der Lehrerbedarf weiter wachsen.

Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeige, dass es nicht damit getan sei, freie Lehrerstellen neu zu besetzen, sagte Hessens CDU-Bildungsminister in einem dpa-Interview in Wiesbaden. «Wir sollten darüber hinaus ausbilden, weil wir davon ausgehen, dass wir mehr Lehrerstellen in Zukunft brauchen werden.»

Lorz forderte einen langfristig angelegten Ausbau von Studienplätzen in der Lehrerausbildung. So sei beispielsweise Hessen zwar auf einem guten Weg, mit den bereits aufgestockten Kapazitäten den Bedarf für die Neubesetzung von Stellen ab 2023 decken zu können. «Aber da ist noch nicht viel Puffer drin», mahnte der Minister. Die Hochschulen stießen inzwischen an ihre Grenzen. «Professoren für Grundschulpädagogik wachsen auch nicht auf den Bäumen», sagte Lorz. Nach Prognosen der KMK fehlen bis 2030 jedes Jahr 700 Lehrer. Besonders betroffen sind demnach Berufsschulen und Grundschulen.

Der scheidende KMK-Chef Helmut Holter (Linke) forderte mehr Vergleichbarkeit der Lehrerausbildung in den Bundesländern. Weil die Bildung Ländersache sei, habe sich jedes Bundesland eigene Regeln gegeben. Die Lehramtsabschlüsse seien nicht in jedem Fall vergleichbar. Er wünsche sich eine «Harmonisierung».

Holter sieht in der Verbeamtung von Lehrern ein wichtiges Instrument gegen den Mangel. Alle Länder seien auf diesem Weg. «Das hat einen hohen Stellenwert.» Es gebe aber kein Patentrezept. Eine große Herausforderung bestehe auch darin, Lehrer für bestimmte Mangelfächer und für Schulen im ländlichen Raum zu gewinnen.

Aus Sicht der Lehrergewerkschaft GEW unternehmen die Länder zu wenig gegen den Lehrermangel. «Die Kultusministerkonferenz hat sich nicht genügend abgesprochen, um gegenzusteuern und genügend Studienplätze an den Universitäten vorzuhalten», kritisierte die Bundesvorsitzende Marlis Tepe im Gespräch mit der dpa. «Im Gegenteil: In einigen Bundesländern werden Ausbildungsgänge geschlossen, für nicht wenige Lehramtsstudiengänge gilt ein Numerus clausus. Das ist absurd.» Tepe forderte: «Die Minister sollten ihre parteipolitische Brille öfter absetzen und gemeinsam an einem Strang ziehen.»

Rheinland-Pfalz ist laut Bildungsministerium in Mainz seit Jahren bestrebt, «angehenden Lehrkräften gute Beschäftigungsbedingungen zu ermöglichen». Dazu gehöre die Verbeamtung. Mit einem Altersschnitt von 44 Jahren gehörten die Kollegien in Rheinland-Pfalz mit zu den jüngsten bundesweit. Daher müssen auch weniger Stellen von Lehrkräften, die in den Ruhestand wechseln, nachbesetzt werden.

Das sieht in Sachsen-Anhalt ganz anders aus. Das Land hat eine überdurchschnittlich alte Belegschaft und braucht einem Expertengutachten zufolge jedes Jahr mindestens 730 neue Lehrer, um Abgänge und steigende Schülerzahlen auszugleichen. Als Erfolg wertete Landesbildungsminister Marco Tullner (CDU) die «Buschzulage»: Für Stellen, die über mehrere Runden nicht besetzt werden konnten, zahlt das Land seit diesem Jahr einen Zuschlag. Etwa die Hälfte dieser 80 Posten sei so schließlich besetzt worden, sagte Tullner.

Niedersachsen setzt verstärkt auf Quereinsteiger, um die Lücken in den Kollegien etwa an Grund-, Haupt- und Realschullehrer zu schließen. Viele von ihnen unterrichten an Hauptschulen und auf dem Land - also dort, wo der Arbeitsplatz Schule weniger attraktiv ist. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) kündigte an, dass sich das Land «sehr ernsthaft» mit der Frage auseinandersetzen werde, die Besoldung aller Lehrer an die von Gymnasiallehrern anzupassen. 2018 hatte Niedersachsen bereits die Besoldung für Grundschulleiter verbessert.

Baden-Württemberg lockt mit einem speziellen Angebot Nachwuchskräfte auf's Land: Wenn sich junge Gymnasiallehrer bereit erklären, für drei Jahre dort an Grundschulen zu unterrichten, erhalten sie anschließend eine Stelle in ihrer Fächerkombination an einem Gymnasium.

Anders als in fast allen anderen Bundesländern gibt es in Hamburg erheblich mehr Bewerber als Referendariatsplätze. Die Stadt sei sehr attraktiv, sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD). Zudem verbeamte Hamburg zügig, zahle gut und biete bessere Aufstiegschancen als andere Länder. Doch man wolle nicht warten, bis der Bewerbermangel auch hier ankomme und deshalb deutlich mehr Referendare ausbilden.

Bayern hat laut Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) zum Schuljahresbeginn 2018/2019 rund 4300 Lehrkräfte auf Planstellen eingestellt. Man habe alle durch Pensionierungen frei gewordenen Stellen nachbesetzt und zudem 850 neue Stellen geschaffen. «Bayern bietet im Ländervergleich sehr gute Bedingungen für seine Lehrkräfte: Sie werden im Regelfall verbeamtet und erhalten eine höhere Besoldung als in anderen Ländern», teilte Piazolo mit.

«Mit der gleichen Lehrer-Schüler-Relation, mit der Lehrer vor 15 oder 20 Jahren gearbeitet haben, würde heute keine Schule mehr arbeiten können», betonte Hessens Bildungsminister Lorz. Bei Prognosen für künftige Bedarfe müsse man sich jedoch stets darüber im Klaren sein, dass die Zahlen unter Umständen nicht besonders zuverlässig seien. «Natürlich ärgert uns das.» Es seien sehr viele Faktoren im Spiel, eine Hauptrolle spielten die allgemeinen Wanderungsbewegungen.

Unter den Ländern gibt es nach den Worten von Lorz eine Übereinkunft, nicht mit gezielten Kampagnen Lehrer untereinander abzuwerben. «Was wir aber nicht verhindern können ist, dass die einen oder anderen Länder attraktivere Arbeitsbedingungen bieten, Stichwort Besoldung», sagte Lorz. Wenn Lehrer sich daran orientierten, dann sei das etwas, mit dem man im Föderalismus leben müsse. «Interessanterweise ist der Effekt aber nicht groß», sagte der Minister. Nach seiner Erfahrung würden angehende Lehrer nicht für 300 Euro mehr im Monat einmal quer durch Deutschland umziehen.

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Veröffentlicht am:
28. 12. 2018
16:15 Uhr

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