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Linda Teuteberg sieht ähnliche Probleme in Ost und West

Die neue FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg wirbt für einen anderen Umgang zwischen Ost- und Westdeutschland. In der Klimapolitik wollen die Liberalen den Grünen eigene Vorschläge entgegensetzen. Und auch den Feminismus reklamiert die Partei nun für sich.



Linda Teuteberg
Die neue FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg beim 70. FDP-Bundesparteitag in Berlin: «Ostdeutschland braucht keine Sonderbehandlung und keine milden Gabe».   Foto: Britta Pedersen » zu den Bildern

Die Menschen in Ostdeutschland brauchen nach Ansicht der neuen FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg keine Vorzugsbehandlung.

«Wir brauchen das Gleiche wie die ganze Republik: eine neue Politik, nur schneller, drängender und entschiedener», sagte die Brandenburgerin beim FDP-Parteitag am Samstag in Berlin. Der Osten habe gar nicht so andere Probleme als der Westen, «aber wir erfahren sie oft früher, schneller und deutlicher». «Ostdeutschland braucht keine Sonderbehandlung und keine milden Gaben und keine wohlmeinenden Ratschläge.»

Teutebergs Rede, in der sie sich pointiert zum Thema Ostdeutschland äußerte, sonst aber vor allem Standardpositionen der FDP referierte, wurde immer wieder vom Applaus der Delegierten unterbrochen und auch am Ende ausgiebig beklatscht. Am Vortag war Teuteberg mit 92,8 Prozent ins Amt gewählt worden.

Als Beispiele für ähnliche Probleme von Ost und West nannte Teuteberg etwa die alternde Gesellschaft, Abwanderung aus strukturschwachen Regionen und das Verschwinden alter Industrien. Sie beklagte «unberechtigte Jammereien» und «Geschichtsklitterung» wie sie von Linken und einigen Sozialdemokraten betrieben würden, die Schwierigkeiten der Wendejahre der alten Bundesrepublik anlasten wollten. «Das werden wir nicht durchgehen lassen.»

In der Migrationspolitik forderte Teuteberg, die aktuell auch migrationspolitische Sprecherin ihrer Fraktion ist, mehr Möglichkeiten zur Einwanderung für Fachkräfte und eine «konsequente Bekämpfung und Begrenzung der illegalen Migration».

Die Partei verabschiedete nach ausführlicher Debatte auch einen frauenpolitischen Antrag. «Frauen und Männern ist gleichermaßen eine freie Entfaltung in allen Lebensbereichen sowie der Zugang zu Chancen zu ermöglichen», heißt es darin. Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern sollen Verdienstunterschiede zwischen den Geschlechtern offenlegen.

Zudem fordert die FDP die Abschaffung der Steuerklassen III und V, die in einer Ehe eine Entlastung des besser verdienenden Partners und eine stärkere Besteuerung des geringer verdienenden Partners ermöglichen. Dadurch lohnt sich Mehrarbeit für Frauen, die in der Regel schlechter verdienen, weniger. Auch ein Recht auf das Arbeiten von zuhause fordert die Partei ein. Zudem will die FDP analog zum Mutterschutz eine zehntägige Auszeit für den Partner oder die Partnerin der Mutter schaffen. Die Hauptautorin des Antrags, die Berliner FDP-Politikerin Maren Jasper-Winter, zeigte sich erfreut über das Ergebnis: «Es war Zeit für die Debatte über einen liberalen Feminismus - und die Partei war bereit dazu.»

In der Sozialpolitik setzten die Liberalen auf einen modernen Sozialstaat mit Bürgergeld und Basisrente, für die, die gearbeitet hätten und dennoch im Alter zu wenig hätten. Zudem müsse das Renteneintrittsalter flexibler gestaltet werden, erklärte Teuteberg. Bei sozialen Fragen gehe es nicht nur um technokratische Gesetze, eine Pflegeversicherung funktioniere nicht nur über höhere Beiträge. Ohne das Engagement der Menschen hätte Deutschland schon heute einen viel größeren Pflegenotstand.

Beim Klimaschutz setzt die FDP vor allem auf technologische Innovation. «Nur in der intelligenten Verzahnung von Ökologie und Ökonomie findet diese Transformation nachhaltigen Rückhalt in der Bevölkerung und kann gelingen», heißt es in einem Antrag, der am Samstag mit einigen Änderungen beschlossen wurde. Ziel sei, das Wirtschaftswachstum vom Treibhausgas-Ausstoß zu entkoppeln.

Als «zentrales Leitinstrument» sieht die Partei den Emissionshandel. Es werde politisch bestimmt, wie viele Treibhausgase insgesamt ausgestoßen werden dürften. Die Gesamtmenge an Zertifikaten solle dann jedes Jahr automatisch verringert werden. Emissionshandel sei das volkswirtschaftlich effizienteste Instrument, um den Treibhausgas-Ausstoß zu begrenzen.

Der Emissionshandel dürfe aber keine weitere staatliche Einnahmequelle werden. Die Mittel müssten vielmehr zweckgebunden in weitere klimapolitische Maßnahmen fließen, etwa in die Forschung. Zudem sollte für Bürger und Unternehmen ein Ausgleich für Kostensteigerungen und soziale Härten geschaffen werden. «Nur der Emissionshandel verbindet effektiven Klimaschutz und ökonomische Effizienz», heißt es in dem Antrag. Mobilität sei so auch für geringe Einkommen bezahlbar.

Während der Debatte legte sich die Partei nach Angaben des FDP-Bundestagsabgeordneten Lukas Köhler auf eine höhere Förderung von Forschung und Entwicklung im Energiebereich fest. Entscheidend sei gewesen, dass sich die Liberalen «endlich mal über den Weg des Klimaschutzes verständigt hätten, nicht nur über die Ziele», sagte der Klima-Experte.

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dpa

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Veröffentlicht am:
27. 04. 2019
22:04 Uhr

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27. 04. 2019
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