Lade Login-Box.
Topthemen: 30 Jahre GrenzöffnungBilder vom WochenendeHofer Filmtage 2019VER Selb

Brennpunkte

Medien: BND hat bislang unbekanntes Amri-Video

Tage vor dem Berliner Weihnachtsmarkt-Anschlag von 2016 nahm der Attentäter ein Video auf, in dem er sich zum IS bekannte. Nun kommt heraus: Es gibt ein weiteres Video, in dem er mit Terror drohte.



Terroranschlag Breitscheidplatz
Verschiedene Medien berichten, dass dem BND ein Video vorlag, in dem Amri seine Tat ankündigte.   Foto: Michael Kappeler/dpa

Dem Bundesnachrichtendienst (BND) liegt nach Medienberichten ein bislang unbekanntes Video des Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri vor, in dem dieser vor seiner Tat Terror ankündigte.

Wie «Süddeutsche Zeitung», NDR und WDR berichteten, soll der Auslandsgeheimdienst die Ermittler des Bundeskriminalamts (BKA) zwar im März 2017 über die Existenz der Aufnahme informiert, sich aber zugleich geweigert haben, das wohl mit einem Handy aufgenommene Video zu den Ermittlungsakten zu geben. Auch die Untersuchungsausschüsse des Bundestags und verschiedener Landesparlamente, die an der Aufklärung des Falls arbeiten, hätten es offenbar nicht gezeigt bekommen, hieß es. Den Medien zufolge gibt es keine Hinweise, dass dem BND oder anderen deutschen Behörden das Amri-Video schon vor dessen Tat im Jahr 2016 bekannt war.

Der BND wollte sich nicht näher äußern. «Zu etwaigen Erkenntnissen und zu operativen Aspekten seiner Arbeit berichtet der BND grundsätzlich nur der Bundesregierung und den zuständigen, geheim tagenden Gremien des Deutschen Bundestages», teilte ein Sprecher auf dpa-Anfrage mit.

Der BND soll das Video den Berichten zufolge von einem ausländischen Geheimdienst erhalten haben. Seine Weigerung, es weiterzugeben, wurde demnach mit der Vertraulichkeit begründet, zu der er gegenüber dem ausländischen Dienst verpflichtet sei.

Die Elf-Sekunden-Aufnahme soll im November 2016 entstanden sein, Wochen vor dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche vom 19. Dezember 2016. Amri hatte einen polnischen Lastwagenfahrer erschossen, war mit dessen Fahrzeug in die Menschenmenge gerast und hatte so elf weitere Menschen getötet und Dutzende verletzt. In dem Video sagt Amri den Medien zufolge auf Arabisch: «Oh Allah! Diese Schweine, kommen wir zu ihnen, um sie zu enthaupten!» Er hält dabei eine Pistole in der Hand, bei der es sich laut den Berichten um jene Waffe handeln soll, mit der er später den Lkw-Fahrer erschoss.

Zum Zeitpunkt der Aufnahme galt der zeitweise beobachtete Amri den Sicherheitsbehörden nicht mehr als akut gefährlich. Er verkehrte da zunehmend im Drogenmilieu und besuchte nur noch unregelmäßig die Moschee.

Der FDP-Obmann im Untersuchungsausschuss des Bundestags, Benjamin Strasser, forderte Aufklärung. «Der BND muss erklären, wann er dieses Video erhalten hat. Aber auch dann bleibt die Frage im Raum, warum die Sicherheitsbehörden und die Bundesregierung die Aufklärungsarbeit des Untersuchungsausschusses ständig blockieren und torpedieren.»

Die Linke-Innenpolitikerin Martina Renner sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Geheimdienste, ob hiesige oder Partner im Ausland, haben offenbar selbst bei einem schweren Terroranschlag kein Interesse an der Verfolgung der Täter» oder daran, dschihadistische Netzwerke auszuheben. Dabei habe die Aufarbeitung der Fehler beim rechtsterroristischen NSU gezeigt, dass aus «Ignoranz gegenüber den Strafverfolgungsbehörden» schnell eine Sabotage der Ermittlungsarbeit werden könne.

Bislang war bekannt, dass Amri vor der Tat in Berlin ein Bekennervideo aufgenommen hatte, in dem er der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) die Treue schwor und ein Attentat ankündigte. Dieses Video hatte der IS nach der Tat im Internet veröffentlicht.

Nach der Tat hatte die Polizei zwei Handys von Amri beschlagnahmt und ausgewertet - das nun bekanntgewordene Video soll nicht darauf gewesen sein. Einige Mitglieder des Untersuchungsausschusses des Bundestages fragen sich aber bereits länger, ob womöglich bei Amri nach seinem Tod in Italien ein weiteres Mobiltelefon gefunden wurde. Er war wenige Tage nach der Tat auf der Flucht durch Italien von Polizisten erschossen worden.

Die «Zeit» hatte bereits im Februar über ein Geheimpapier des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) berichtet, dem zufolge Amri nach Erkenntnissen von US-Geheimdiensten bereits am 23. Oktober 2016 ein bislang unbekanntes Video an einen IS-Terroristen in Libyen verschickt hat.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
02. 10. 2019
19:49 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Anis Amri Attentate Attentäter Bundesamt für Verfassungsschutz Bundeskriminalamt Bundesnachrichtendienst Deutsche Presseagentur Deutscher Bundestag Islamischer Staat Landtage der deutschen Bundesländer Norddeutscher Rundfunk Polizei Polizistinnen und Polizisten Regierungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland Sabotage Sicherheitsbehörden Terroranschläge Terrorismus Terrormilizen US-Geheimdienste Westdeutscher Rundfunk
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Anis Amri

03.10.2019

Unbekanntes Amri-Video liegt Sicherheitsbehörden vor

Das Video, das der Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäter von 2016 vor seiner Tat aufnahm, ist nicht sein einziges. Ein weiteres liegt mehreren Sicherheitsbehörden vor - offenbar aber nicht den Untersuchungsausschüssen von ... » mehr

Terroranschlag Breitscheidplatz

04.10.2019

Streit um Drohvideos des Weihnachtsmarkt-Attentäters

Ein Aufnahme, in dem Anis Amri eine Pistole in der Hand hat, soll nach dem Anschlag von einem ausländischen Geheimdienst an den BND weitergeleitet worden sein. Nun mehren sich in Berlin die Forderungen, das bisher unbeka... » mehr

Zahl islamistischer Gefährder und Salafisten stagniert

16.10.2019

Zahl islamistischer Gefährder sinkt

Die Zahl der rechtsextremistischen Gefährder in Deutschland steigt. Bei den Islamisten geht der Trend in die andere Richtung. Ob das so bleibt, muss sich noch erweisen - auch wegen der aktuellen Kämpfe in Nordsyrien. » mehr

Holger Münch

15.10.2019

Rechter Terror: Behörden wollen Internet stärker beobachten

BKA und Verfassungsschutz wollen aufrüsten für den Kampf gegen Rechtsextremisten. Nicht erst seit dem Terror von Halle. Pläne für neue Strukturen und mehr Personal haben sie schon nach dem Lübcke-Mord vorgelegt. Der BKA-... » mehr

Bodo Ramelow

16.10.2019

Attentäter von Halle wollte 2018 als Soldat zur Bundeswehr

Eine Woche nach dem Anschlag von Halle werden neue Details über den Attentäter bekannt. Sein perfides Internet-«Manifest» führt zudem zu Ermittlungen in Nordrhein-Westfalen. » mehr

Synagogentür von Halle

18.10.2019

Bundesländer wollen jüdische Einrichtungen besser schützen

«Ihr könnt uns nicht schützen», dieser Zuruf eines Bürgers nach dem Terroranschlag in Halle habe ihn betroffen gemacht, sagt Seehofer. Ihm sei es wichtig, dass auf die vielen Worte jetzt Taten folgten. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Rathaussturm in Naila Naila

Rathaussturm in Naila | 11.11.2019 Naila
» 72 Bilder ansehen

Wunsiedel

20. Wunsiedler Kneipennacht | 09.11.2019 Wunsiedel
» 98 Bilder ansehen

Kickers Selb - FC Vorwärts Röslau

Kickers Selb - FC Vorwärts Röslau | 09.11.2019 Selb
» 5 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
02. 10. 2019
19:49 Uhr



^