Topthemen: Hof-GalerieWaldschratDie Bilder vom WochenendeFall Peggy KnoblochSelber Wölfe

Brennpunkte

Mehr Menschen sind dauerhaft arm - oder reich

Weniger Arbeitslose, steigende Löhne: Wirtschaftlich läuft es gut für Deutschland. Doch nicht jeder profitiert, warnen gewerkschaftsnahe Forscher. Und erklären, was Demokratie mit Fahrstühlen zu tun hat.



Armenküche in Berlin
Kältehilfe in der Berliner Seestraße: Reichtum beruht in Deutschland vielfach auf Erbschaften - Arme bleiben oft arm.   Foto: Maurizio Gambarini » zu den Bildern

Armut und Reichtum in Deutschland haben sich nach einer Studie in den vergangenen Jahren verfestigt. 5,4 Prozent der Bevölkerung oder gut jeder Zwanzigste lebt demnach dauerhaft, das heißt über fünf Jahre unverändert, unter der Armutsgrenze.

Das sei mehr als noch Mitte der 90er Jahre (3,1 Prozent) und 10 Jahre später (5,2 Prozent), teilte die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung am Montag in Berlin mit. Gleichzeitig sei seit 2005 der Anteil der dauerhaft Reichen wieder gestiegen, der Anteil der Haushalte mit mittleren Einkommen sinke.

Die Lebenswelten von Armen, Mittelschicht und Reichen fielen immer weiter auseinander, sagte Studienautorin Dorothee Spannagel. Arme und Reiche lebten in eigenen Stadtvierteln und schickten ihre Kinder auf unterschiedliche Schulen. Immer schwieriger werde es, wie in einem Fahrstuhl von einer Schicht in die nächste aufzusteigen. «Der Fahrstuhl fährt weiter, aber es fahren weniger mit», sagte Spannagel. Das sei eine Gefahr für die Demokratie.

Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der Stiftung stützt sich auf die Haushaltseinkommen bis zum Jahr 2015 - dem Jahr, in dem der gesetzliche Mindestlohn eingeführt wurde. Die Armutsgrenze wird dabei für Alleinstehende bei 12 192 Euro pro Jahr gezogen - nach Abzug von Steuern und Sozialbeiträgen, aber inklusive Sozialtransfers wie Arbeitslosengeld.

Als reich gilt, wer als Single im Jahr über 40 639 Euro oder mehr verfügt. Dauerhaft fielen bis 2015 rund 3,4 Prozent der Bevölkerung in diese Kategorie, zehn Jahre zuvor waren es 2,8 Prozent gewesen. Bis 1995 lag der Anteil mit 3,3 Prozent höher, was Spannagel aber auf Sondereffekte nach der Wiedervereinigung zurückführt.

Der Verteilungsbericht des Instituts untersucht nur die Einkommen, nicht die Vermögen - auf sie warf der Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung 2017 ein Schlaglicht. Die reichsten zehn Prozent der Haushalte besitzen demnach mehr als die Hälfte des gesamten Netto-Vermögens, die untere Hälfte ein Prozent. Beim monatlichen Einkommen komme bei den Ärmeren nur wenig vom langen wirtschaftlichen Aufschwung an, hieß es.

Es gibt dazu aber auch andere Auffassungen. Das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft Köln etwa betont immer wieder, die Ungleichheit im Land nehme nicht zu. Es müsse aber mehr in Bildung investiert werden, um sozialen Aufstieg zu erleichtern.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
05. 11. 2018
14:36 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arbeitslose Armut Armutsgrenze Demokratie Gefahren Institut der deutschen Wirtschaft Soziale Unterschiede Sozialversicherungsbeiträge
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Putzen

05.03.2019

Frauen putzen deutlich mehr als Männer

Mal ehrlich: Wer schwingt bei Ihnen zuhause den Putzlappen? In den meisten Haushalten ist das immer noch die Frau - egal, wie modern die Partnerschaft sonst ist. » mehr

AfD

04.03.2019

Schwache Gebiete «aufgeben»? Ost-Studie erregt Widerspruch

Die Mauer ist bald 30 Jahre weg, Milliarden-Zuschüsse sind in ostdeutsche Betriebe geflossen. Doch was hat es gebracht? Und wie geht es weiter? Dazu gibt es einen kontroversen Vorschlag. » mehr

Markus Söder

14.02.2019

CSU-Chef Söder hofft auf baldige Einigung über Grundrente

Das Projekt Grundrente ist im Koalitionsvertrag vereinbart, trotzdem gibt es Zoff zwischen Union und SPD. Einen Durchbruch hat auch eine stundenlange Nachtsitzung nicht gebracht. Gibt es einen Kompromiss? » mehr

Kindertagesstätte

12.02.2019

Experten: Kita-Milliarden nicht für Beitragsfreiheit nutzen

Das Familienministerium verhandelt seit Anfang Februar mit den Ländern über die Milliarden aus dem Kita-Gesetz. Jedes Land muss melden, wie es seinen Anteil für eine bessere Betreuung der Kinder einsetzen will. » mehr

Erzieherin

31.12.2018

Von null bis 630 Euro: Große Spannbreite bei Kita-Gebühren

Da lohnt sich fast ein Umzug: Je nach Wohnort zahlen Eltern ganz unterschiedlich hohe Kitagebühren. Doch günstige Kita bedeutet nicht automatisch gute Kita. » mehr

Merkel übt die Ghetto-Faust

14.11.2018

Bund will Milliarden in Künstliche Intelligenz investieren

Die Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt grundlegend, daher will die Bundesregierung Milliarden in die Forschung und Anwendung stecken. Wirtschaftsminister Altmaier erinnert an die industrielle Revolution dur... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Bild%20(9).JPG Selb

Lost Places: das "Edion" bei Selb | 18.03.2019 Selb
» 9 Bilder ansehen

Black Base mit DJ Kurbi

Black Base mit DJ Kurbi | 17.03.2019 Hof
» 54 Bilder ansehen

Selber Wölfe - Hannover Indians

Playoff: Selber Wölfe - Hannover Indians | 17.03.2019 Selb
» 50 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
05. 11. 2018
14:36 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".