Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom Wochenende30 Jahre GrenzöffnungBlitzerwarnerVER Selb

Brennpunkte

Mehr als 3 Millionen verdienen in Vollzeit unter 2000 Euro

Reinigungskräfte und Beschäftigte in Hotels und Gaststätten kommen mit ihren Einkommen oft nicht weit. Aber sie stehen mit vergleichsweise geringen Löhnen bei weitem nicht allein da.



Gebäudereinigerin
Beschäftigte der Reinigungsberufe bilden in Deutschland in Sachen Einkommen die Schlusslichter.   Foto: Ralf Hirschberger

Rund 3,38 Millionen Vollzeitbeschäftigte in Deutschland haben im Monat zuletzt weniger als 2000 Euro brutto verdient.

Nach den jüngsten offiziellen Daten Ende 2017 waren das 16 Prozent, wie eine der Deutschen Presse-Agentur vorliegende Antwort des Bundessozialministeriums auf eine Anfrage der Linken zeigt. Die Abgeordnete Sabine Zimmermann hatte anlässlich des Tages der Arbeit am 1. Mai danach gefragt.

In Westdeutschland kamen 2,32 Millionen Vollzeitbeschäftigte (13,5 Prozent) auf weniger als 2000 Euro brutto, in Ostdeutschland 1,06 Millionen (27,5 Prozent).

Die höchsten Anteile hatten mit 32,6 Prozent Mecklenburg-

Vorpommern und mit 30,2 Prozent Thüringen - die niedrigsten mit 11,4 Prozent Baden-Württemberg und mit 11,5 Prozent Hamburg.

Die Branchenunterschiede sind groß. Das zeigt eine weitere der dpa vorliegende Antwort, die das Sozialministerium unabhängig davon auf eine kleine Anfrage des AfD-Abgeordneten René Springer gegeben hat: So bildeten bei den hauptsächlichen Berufsgruppen die Beschäftigten der Reinigungsberufe mit einem mittleren Bruttoeinkommen von 1861 Euro Ende 2017 das Schlusslicht - gefolgt von den Arbeitnehmern im Tourismus, bei Hotels und Gaststätten mit 1961 Euro.

Es folgen die Land-, Tier- und Forstwirtschaftsberufe mit 2154 Euro für die Beschäftigten im Mittel, die Lebensmittelherstellung und -verarbeitung mit 2165 Euro, die nichtmedizinischen Gesundheits- und Pflegeberufe mit 2353 Euro und die Berufe im Verkauf mit 2411 Euro. Am oberen Ende der Skala sind die Angehörigen der Informatik- und IT-Berufe mit im Mittel 4926 Euro brutto im Monat.

Geringqualifizierte verdienen dabei deutlich weniger: So verdienten vollzeitbeschäftigte Helfer in Hotels und Gaststätten in Ostdeutschland im Jahr 2017 im Mittel nur 1610 Euro und dort in Reinigungsberufen nur 1633 Euro. In Westdeutschland sind zudem Helfer bei Sicherheitsdiensten mit im Mittel 1768 Euro im unteren Bereich der Skala.

Aber auch ein hohes Anforderungsniveau schützt nicht in allen Branchen vor vergleichsweise niedrigem Einkommen: So kommen in Ostdeutschland Fachkräfte in der Werbung nur auf 1902 Euro im Mittel und Spezialisten in Gartenbau und Floristik auf 2201 Euro. Fachkräfte insgesamt verdienen im Mittel im Westen 3098 Euro und im Osten 2375 Euro.

«Viel zu viele Beschäftigte werden mit Niedriglöhnen abgespeist», sagte Zimmermann. So sorgten Inflation und vielerorts explodierende Mieten dafür, dass man mit unter 2000 Euro brutto nicht mehr weit komme. «Es ist ein Skandal, dass insbesondere der Osten weiterhin so deutlich abgehängt ist», so die Arbeitsmarktexpertin ihrer Fraktion. Von der Bundesregierung forderte Zimmermann unter anderem eine Erhöhung des Mindestlohns von 9,19 Euro auf 12 Euro und die Abschaffung von Leiharbeit.

Zum Tag der Arbeit am 1. Mai tritt die Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung traditionell für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne ein. Er wird seit fast 130 Jahren begangen. In Deutschland gab es am 1. Mai 1890 erstmals Massendemonstrationen. Damals wurde der Acht-Stunden-Tag gefordert. In diesem Jahr stellt der Deutsche Gewerkschaftsbund die Kundgebungen unter das Motto: «Europa. Jetzt aber richtig!» Dabei will der DGB auch für Mindestlöhne eintreten, die je nach Lohnniveau der Mitgliedsstaaten vor Armutsrisiko schützen sollen.

Die Präsidentin des Sozialverbandes VdK Deutschland, Verena Bentele, warnte vor den Folgen niedriger Löhne auch für die Alterssicherung. «Gute Löhne sorgen für gute Renten. Die Politik muss endlich handeln, damit aus den armen Beschäftigten von heute nicht die armen Rentner von morgen werden», erklärte sie. Um Altersarmut vorzubeugen, müsse der Mindeststundenlohn auf mindestens 12,80 Euro angehoben werden. Zudem müssten prekäre Beschäftigungsverhältnisse wie Minijobs sowie Leih- und Zeitarbeit eingedämmt werden, betonte Bentele.

Veröffentlicht am:
28. 04. 2019
22:07 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Altersarmut Arbeitsmarktexperten Bruttoeinkommen Deutsche Presseagentur Fachkräfte Geringfügige Beschäftigung Geringqualifizierte IT-Berufe Löhne und Einkommen Mindestlohn Niedrige Einkommen Sabine Zimmermann Sozialverband VdK Verena Bentele
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Koalitionsausschuss zur Grundrente

10.11.2019

Durchbruch bei Grundrente - Bis zu 1,5 Millionen profitieren

Lange leisteten sich Union und SPD einen erbitterten Streit um die Grundrente - nun einigen sie sich auf ein Modell. Dabei schmiedet die Koalition auch weitere milliardenschweren Pläne. » mehr

Grundrente

11.10.2019

Koalitionsarbeitsgruppe zur Grundrente vertagt sich erneut

Monatelang schwelt der Streit zwischen Union und SPD bereits. Es geht um Verbesserungen für Menschen mit kleiner Rente. Neue Verhandlungen sollten der Lösung des Streits eigentlich näher kommen. » mehr

Brieftasche

12.09.2019

Altersarmut in Deutschland droht deutlich zu wachsen

Es klingt beunruhigend: Mehr als jeder fünfte Rentner könnte in 20 Jahren ins Armutsrisiko rutschen, haben Forscher analysiert. Wäre die umstrittene Grundrente ein geeignetes Mittel dagegen? » mehr

Gehaltsabrechnung

04.08.2019

Verdienst in Deutschland klafft deutlich auseinander

Beim Einkommen ist Deutschland alles andere als einheitlich. Vor allem zwischen Ost und West sind die Unterschiede groß. Doch es hat sich auch etwas verändert. » mehr

In der Kita

31.07.2019

Was die Länder bei Kitas vorhaben

Das «Gute-Kita-Gesetz» soll mehr Qualität für die Betreuung der Kleinsten bringen, vielen Ländern geht es aber auch um Gebührenfreiheit für die Eltern. Wie sieht es aus mit der Umsetzung? » mehr

Bundesverfassungsgericht

05.11.2019

Bundesverfassungsgericht kippt harte Hartz-IV-Sanktionen

Jobcenter drehen Hartz-IV-Beziehern den Geldhahn zu, wenn sie nicht mitziehen. Das verstößt gegen die Menschenwürde, sagt jetzt das Bundesverfassungsgericht. Die Richter schreiten direkt ein - und treten zugleich eine De... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Frontal-Crash auf B 173 bei Selbitz Selbitz

Frontal-Crash auf B 173 bei Selbitz | 12.12.2019 Selbitz
» 13 Bilder ansehen

Truck Stop - Schöne Bescherung

Truck Stop - Schöne Bescherung | 12.12.2019 Hof
» 73 Bilder ansehen

EC Peiting - Selber Wölfe

EC Peiting - Selber Wölfe | 08.12.2019 Peiting
» 36 Bilder ansehen

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
28. 04. 2019
22:07 Uhr



^