Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: 54. Hofer Filmtage75 Jahre FrankenpostCoronavirusJubiläumsgewinnspielBlitzerwarner

Brennpunkte

Meuterei in Mali: Streitkräfte begehren auf

Mali ist eine der brenzligsten Konfliktherde der Welt. Extremisten terrorisieren seit Jahren die Bevölkerung, jüngst entwickelte sich noch eine innenpolitische Krise. Nun scheint die Lage zu eskalieren.



Unruhen in Mali
Ein Militärfahrzeug mit malischen Soldaten steht vor der Residenz des malischen Präsidenten Ibrahim Boubacar Keïta in Bamako.   Foto: Uncredited/AP/dpa

Im westafrikanischen Krisenstaat Mali haben Mitglieder der Sicherheitskräfte gemeutert.

In der Garnisonsstadt Kati, die rund 15 Kilometer von der Hauptstadt Bamako entfernt liegt, sei es «zu einer Meuterei von Bewaffneten und Schusswechseln» gekommen, hieß es in einer Sicherheitswarnung des Auswärtigen Amtes in Berlin. Zudem habe es Spannungen in Bamako gegeben. Daraufhin seien Staatschef Ibrahim Boubacar Keïta und Premierminister Boubou Cissé festgenommen worden, sagte Sidi Gakou, ein der Meuterei nahe stehender Offizier, der dpa. Dies konnte zunächst nicht unabhängig bestätigt werden.

Der Kommissionschef der Afrikanischen Union (AU), Moussa Faki Mahamat, verurteilte die Festnahme des Präsidenten, Regierungschefs und anderen Regierungsmitgliedern aufs Schärfste. Er rief zu ihrer sofortigen Freilassung auf. Zudem verurteilte er «jeden Versuch einer verfassungswidrigen Änderung».

Der Hintergrund der Meuterei war bislang unklar. In Bamako gab es der US-Botschaft zufolge Berichte von Soldaten, die durch die Stadt fuhren und in die Luft schossen. Zudem gebe es Berichte über Demonstranten, die sich in der Stadt versammelten. Zuvor hatten mehrere westliche Botschaften vor Spannungen und Unruhen gewarnt und ihren Bürgern vor allem in Bamako geraten, Zuhause zu bleiben.

Die internationale Gemeinschaft verurteilte die Meuterei. Der westafrikanische Staatenverbund Ecowas rief zur Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung auf. Die Militärs sollten unverzüglich in ihre Kasernen zurückkehren. Der Staatenverbund verurteile jeden nicht der Verfassung des Landes entsprechenden Regierungswechsel «aufs Schärfste».

Frankreich schloss sich den Aussagen von Ecowas an, wie es in einer Mitteilung des Außenministeriums hieß. Frankreich bekräftige seine uneingeschränkte Verbundenheit mit der malischen Souveränität und Demokratie, so das Ministerium. Die französischen Behörden folgten demnach den Entwicklungen in Mali aufmerksam.

Staatschef Emmanuel Macron habe mit Malis Präsidenten Ibrahim Boubacar Keïta, dessen nigerianischen Amtskollegen Mahamadou Issoufou, dem Präsidenten der Elfenbeinküste, Alassane Ouattara, sowie dem senegalesischen Präsidenten Macky Sall telefoniert, teilte der Élyséepalast mit. Macron habe seinen Gesprächspartnern uneingeschränkte Unterstützung ausgesprochen. Die frühere Kolonialmacht Frankreich ist in Westafrika massiv im Einsatz gegen Islamistenmilizen vertreten, Mali ist ein Schwerpunkt.

Der Putschversuch könne «in keiner Weise eine Antwort auf die tiefe gesellschaftspolitische Krise sein, die Mali seit mehreren Monaten getroffen hat», erklärte zudem der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell via Twitter. In Absprache mit Ecowas, der AU und den Vereinten Nationen fordere die EU einen Dialog. Auch UN-Chef António Guterres äußerte sich «tief besorgt» angesichts der Vorkommnisse: «Der Generalsekretär verurteilt die Maßnahmen nachdrücklich und fordert die sofortige Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Ordnung und Rechtsstaatlichkeit in Mali».

Mali steckt seit Monaten in einer politischen Krise. Die Opposition im Lande fordert den Rücktritt von Präsident Keïta. Seine Popularität war angesichts von Vorwürfen rund um Korruption und Wahlmanipulationen stark gesunken. Zudem wird er dafür kritisiert, die Gefahr durch den islamistischen Terror nicht in den Griff zu bekommen. Jüngst ist es immer wieder zu großen, teilweise gewalttätigen Protesten in dem Land gekommen. Ecowas hatte daraufhin versucht, zwischen Keïta und dem Anführer der Protestbewegung, Imam Mahmoud Dicko, zu vermitteln.

Obwohl die Hintergründe der Meuterei noch unklar sind, bezweifelt Alexandre Raymakers, Sicherheitsexperte der Beratungsfirma Verisk Maplecroft, dass die Oppositionsbewegung dahinter steckt. «Die Meuterei dürfte von einer Vielzahl an Faktoren getrieben sein, die eher eng mit der sich verschlechternden militärischen Lage in Zentral- und Nord-Mali als mit der aktuellen politischen Krise verknüpft sind», betonte er.

In Mali - sowie anderen Ländern der Sahelzone - sind etliche islamistische Terrorgruppen aktiv, einige haben dem Islamischen Staat (IS) oder Al-Kaida die Treue geschworen. Menschenrechtsgruppen wie Amnesty International zeigen sich über die steigende Gewalt zunehmend besorgt. Bereits rund 250.000 Menschen wurden aufgrund anhaltender Angriffe allein in Mali vertrieben.

In dem Land sind auch deutsche Soldaten als Teil der UN-Stabilisierungsmission Minusma sowie der EU-Ausbildungsmission EUTM Mali im Einsatz. Jüngst stimmte der Bundestag mit großer Mehrheit für eine Ausweitung der Beteiligung deutscher Soldaten an der EUTM-Mission.

© dpa-infocom, dpa:200818-99-215752/9

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
18. 08. 2020
23:09 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Afrikanische Union Al-Qaida Alassane Ouattara Amnesty International António Guterres Auswärtiges Amt Deutsche Presseagentur Deutscher Bundestag Emmanuel Macron Europäische Union Festnahmen Ibrahim Boubacar Keïta Islamischer Staat Krisenländer Macky Sall Mahamadou Issoufou Meuterei Protestbewegungen Regierungschefs Regierungsmitglieder Schießereien Soldaten Terrorismus Twitter UNO
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Ibrahim Boubacar Keïta

20.08.2020

Putsch in Mali: Nachbarn beraten über Konsequenzen

Meuternde Militärs haben in Mali die Macht übernommen. Doch wie geht es weiter? Die Nachbarstaaten beraten über Konsequenzen. Auch in Berlin gibt es Klärungsbedarf. » mehr

UN-Generaldebatte

23.09.2020

Corona überschattet UN-Debatte - Sorge vor «Kaltem Krieg»

Das Coronavirus hat die Welt noch immer fest im Griff - das zeigt sich auch bei der größtenteils digitalen UN-Generaldebatte. Lösungen für zahlreiche Konflikte scheinen in einer zunehmend gespaltenen Welt fern. Und die S... » mehr

Afrika-Gipfel

14.01.2020

Macron und Sahel-Staatschefs verstärken Anti-Terror-Kampf

Fast 90 Soldaten sterben im Niger - im Sahelgebiet häufen sich die Angriffe von Terrorgruppen. Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron und afrikanische Staatschefs handeln nun. » mehr

Joshua Wong

24.09.2020

Hongkonger Aktivist Joshua Wong vorübergehend festgenommen

Einer Verhaftungswelle in Hongkong fielen zuletzt zahlreiche Aktivisten zum Opfer. Joshua Wong rechnete daher schon länger mit einer Festnahme. Aus dem Bundestag kommt scharfe Kritik am Vorgehen der Polizei. » mehr

Begrüßung

06.10.2020

Tichanowskaja zu Besuch in Berlin: «Wir brauchen eure Hilfe»

Seit mehr als zwei Monaten gehen die Menschen in Belarus auf die Straße, um gegen Machthaber Lukaschenko zu demonstrieren. Die Anführerin der Proteste ist im Exil. Sie sucht nach internationaler Hilfe. » mehr

Sicherheitskräfte in Niger

09.08.2020

Angriff in Niger: Sechs Franzosen und zwei Nigrer getötet

Die Terrorgefahr in der Sahelregion steigt - trotz internationaler Bemühungen, die Extremisten zu bekämpfen. Nun kommt es wieder zu einem brutalen Angriff. Unter den Opfern sind mehrere Franzosen. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Startup Challenge 2020 des Digitalen Gründerzentrums

Startup Challenge 2020 des Digitalen Gründerzentrums | 25.10.2020 Hof
» 45 Bilder ansehen

Premierenfeier Theater Hof

Premierenfeier Theater Hof | 26.09.2020 Hof/Selb
» 14 Bilder ansehen

Selber Wölfe - Black Dragons Erfurt 3:2 n.P. Selb

Selber Wölfe - Black Dragons Erfurt 3:2 n.P. | 23.10.2020 Selb
» 47 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
18. 08. 2020
23:09 Uhr



^