Lade Login-Box.
Topthemen: VER SelbFotos: Erstklässler in der RegionBlitzerwarnerBilder vom Wochenende

Brennpunkte

Milder Winter hilft: Deutschland kommt bei Klimaschutz voran

Es gibt Fortschritte - aber es ist noch ein langer Weg, um die Klimaziele zu erreichen: So lässt sich die deutsche Klimabilanz des vergangenen Jahres zusammenfassen.



Windpark
Windräder drehen sich in einem Windpark östlich von Parchim.   Foto: Jens Büttner

Erstmals seit längerem ist Deutschland im Jahr 2018 beim Klimaschutz wieder vorangekommen. Die Treibhausgasemissionen gingen nach einer Prognose des Umweltbundesamtes um mehr als vier Prozent zurück.

Dies lag allerdings auch an den Auswirkungen des milden Winters und des Super-Sommers. Es wurde weniger Kohle, Öl und Gas verbrannt. Zudem stieg die Stromerzeugung aus erneuerbarer Energien wie Windkraft- und Solaranlagen weiter an.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 868,7 Millionen Tonnen Treibhausgase freigesetzt - das waren rund 38 Millionen Tonnen oder 4,2 Prozent weniger als im Vorjahr, wie aus der am Dienstag vorgestellten Prognoseberechnung des Umweltbundesamtes hervorgeht.

Damit sei nach vier Jahren Stagnation erstmals wieder eine nennenswerte Verringerung der Emissionen im Vergleich zum Vorjahr erreicht worden. Deutschland droht aber ungeachtet dessen seine nationalen Klimaziele 2020 weiter deutlich zu verfehlen.

Deutliche Rückgänge der Emissionen gab es laut Prognose in der Energiewirtschaft. Dies lag auch daran, dass Kohlekraftwerke vom Netz gingen. Deutschland will bis Ende 2038 schrittweise aus der klimaschädlichen Kohleverstromung aussteigen.

Auch die Folgen des heißen Sommers sorgten für den Rückgang bei den Treibhausgasemissionen. Anhaltende Dürre hatte zu niedrigen Wasserständen vieler Flüsse geführt. In vielen Fällen konnten Frachter die Flüsse nicht befahren, was zu Heizöl-Knappheit und höheren Preisen führte. Zahlreiche Kunden dürften laut Umweltministerium daher den Heizölkauf auf das Jahr 2019 verschoben haben. Der milde Winter führte dazu, dass es einen geringeren Brennstoffbedarf gab.

Auch im Verkehrssektor gingen die Treibhausgasemissionen leicht zurück - dies ist eine Trendwende, denn in den vergangenen Jahren waren die Emissionen dort nicht gesunken. Eine Erklärung könnten laut Umweltministerium höhere Preise für Benzin und Diesel sein und in der Folge weniger Verbrauch. Vor allem der Verkehr steht beim Klimaschutz derzeit im Mittelpunkt der politischen Debatte. Es ist noch ein weiter Weg, um die Klimaziele bis 2030 zu erreichen.

Eine von der Bundesregierung eingesetzte Kommission hatte Vorschläge für ein Maßnahmenpaket erarbeitet. Dazu zählt ein Preis für den Ausstoß des wichtigsten Treibhausgases Kohlendioxid (CO2), der etwa das Fahren von Autos mit hohem Spritverbrauch teurer machen würde. Allerdings legte die Kommission Wert auf eine sozialverträgliche Gestaltung. Auch Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) ist für einen CO2-Preis mit einem sozialen Ausgleich, dies ist aber in der Koalition umstritten.

Nach der Prognose für das Jahr 2018 hat Deutschland seine Emissionen im Vergleich zu 1990 bisher um 30,6 Prozent gesenkt. Bis 2030 müssen die Emissionen nach den Zielen der Bundesregierung aber um mindestens 55 Prozent gesenkt werden.

Die Bundesregierung will in diesem Jahr ein Klimaschutzgesetz beschließen. Umweltministerin Schulze will feste Vorgaben für jedes Ressort - dies aber stößt auf Widerstand in der Union.

Schulze sagte, 2018 sei in der Klimapolitik ein besonders Jahr gewesen. Auf der einen Seite habe sich durch die Dürre im Sommer gezeigt, dass der Klimawandel spürbarer werde. Auf der anderen Seite mache Deutschland beim Klimaschutz Fortschritte. «Aber müssen noch deutlich schneller werden.»

Umweltverbände forderten die Bundesregierung zu mehr Anstrengungen auf. Energieexperte Michael Schäfer von der Umweltschutzorganisation WWF sagte, der leichte Rückgang des Treibhausgas-Ausstoßes sei nicht zusätzlichen Klimaschutzmaßnahmen zu verdanken, sondern vielmehr einem milden Winter und zeitweise teurerem Öl. Nötig sei nun ein wirksames Klimaschutzgesetz.

Auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) verlangte ambitionierte CO2-Minderungsziele für alle Sektoren. «Mit dem Hitzesommer 2018 sind wir Zeuge des Klimawandels geworden - das lässt die Klimabilanz Deutschlands schöner aussehen, als sie ist», sagte DUH-Expertin Constantin Zerger. Die milde Witterung habe dazu geführt, dass deutlich weniger geheizt worden sei. «Sich jetzt auf der scheinbar schönen Bilanz auszuruhen, wäre fatal.»

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
02. 04. 2019
17:24 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Deutsche Umwelthilfe Klimaschutzgesetze Prognosen und Vorhersagen Regierungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland SPD Svenja Schulze Umweltbundesamt Umweltminister Winter World Wide Fund For Nature
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Merkel und Kramp-Karrenbauer

vor 9 Minuten

Fünf deutsche Minister in vier Flugzeugen

Diese Woche sind fünf Kabinettsmitglieder in den USA. Drei Maschinen der Flugbereitschaft machen sich auf den Weg in Richtung Ostküste, nur die Umweltministerin fliegt Linie. Ein Grund für «Flugscham»? » mehr

Windkraft

28.05.2019

Mehrheit der Bevölkerung sieht Defizite bei Energiewende

Die Energiewende zu langsam und die Politik im Interesse der Wirtschaft: Viele Menschen in Deutschland sind einer Studie zufolge unzufrieden mit Regierung in Sachen Umweltschutz. » mehr

Dünger

28.08.2019

Zu viel Dünger in deutschen Böden: EU droht mit Klage

Die EU-Kommission erhöht den Druck auf Deutschland, mehr gegen Nitrat im Grundwasser zu tun. Nun reisen die federführenden Ministerinnen mit neuen Vorschläge im Gepäck nach Brüssel. Können sie die EU überzeugen? » mehr

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro

12.08.2019

Nach Förder-Stopp: Müller hält an Amazonasfonds fest

Die Politik von Brasiliens Präsident Bolsonaro ist ein Alptraum für Klimaschützer, denn das Weltklima braucht den Amazonas-Regenwald. Umweltministerin Schulze hat deswegen Fördergelder auf Eis gelegt - aber nicht die gan... » mehr

Nitrat im Grundwasser

25.07.2019

Nitrat im Grundwasser: EU setzt Deutschland letzte Frist

Auf den Feldern lässt Gülle die Pflanzen wachsen - aber zu viel davon kann zur Gefahr für Natur und Trinkwasser werden. Mit schärferen Regeln fürs Düngen tut Deutschland sich allerdings schwer. Die EU-Kommission verliert... » mehr

Svenja Schulze

27.05.2019

Schulze geht bei Klimaschutz in die Offensive

Der Klimaschutz war am Sonntag bei der Europawahl laut Umfragen das Top-Thema. Union und SPD tun sich aber bisher schwer, eine gemeinsame Linie zu finden. Die SPD-Umweltministerin prescht nun vor. Die Union kontert. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Weltkindertag im Wittelsbacher Park Hof

Weltkindertag im Wittelsbacher Park Hof | 22.09.2019 Hof
» 90 Bilder ansehen

Bowlingbahn Kirchenlamitz Opening

Bowlingbahn Kirchenlamitz Opening | 22.09.2019 Kirchenlamitz
» 61 Bilder ansehen

SpVgg Bayern Hof - TSV Abtswind 3:2 Hof

SpVgg Bayern Hof - TSV Abtswind 3:2 | 21.09.2019 Hof
» 115 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
02. 04. 2019
17:24 Uhr



^