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Mord an Moderatorin: Zusammenhang mit Betrugs-Recherche?

Der Mord an einer TV-Journalistin in Bulgarien schreckt auf: Wurde Wiktorija Marinowa Opfer einer sexuell motivierten Tat, oder stecken noch andere Motive dahinter? Berlin und Brüssel fordern Aufklärung.



Gedenken
Ein Porträt der getöteten Fernsehreporterin Wiktorija Marinowa steht während einer Mahnwache auf dem Freiheitsdenkmal in Russe.   Foto: Vadim Ghirda/AP

Nach dem Mord an einer TV-Moderatorin in Bulgarien suchen Ermittler nach Hinweisen auf den Täter. Dazu würden Personen aus dem kriminellen Milieu überprüft, berichtete der Sender bTV unter Berufung auf die Polizei. Man gehe derzeit von einem Einzeltäter aus.

Auch Bulgariens Generalstaatsanwalt Sotir Zazarow und Innenminister Mladen Marinow arbeiteten vor Ort in der Stadt Russe an der Aufklärung des Falls.

Die Leiche der 30 Jahre alten Wiktorija Marinowa, Moderatorin eines lokalen Kabelsenders, war am Samstag in einem Park am Donauufer in Russe entdeckt worden, wo sie joggen gegangen war. Sie wurde vergewaltigt. Die Polizei geht eigenen Angaben zufolge auch möglichen beruflichen oder persönlichen Motiven für die Tat nach. Ein Mordmotiv wegen ihrer Tätigkeit als Journalistin sei nicht «die ausschlaggebende Version», sagte Generalstaatsanwalt Zazarow.

An der jüngsten Ausgabe der von Marinowa moderierten Sendung «Detektor» hatten Investigativjournalisten aus Bulgarien und Rumänien teilgenommen, die zu einem angeblichen Betrug mit EU-Fördergeldern recherchiert hatten. Landesweit war die Moderatorin kaum bekannt.

Das EU-Betrugsbekämpfungsamt Olaf wisse von Vorwürfen des möglichen Missbrauchs von EU-Förderung in Bulgarien, die in den vergangenen Wochen von Journalisten ans Licht gebracht wurden, teilte die Behörde der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel auf Anfrage mit. Das Olaf werte derzeit die Informationen aus, um zu entscheiden, ob eine Ermittlung eingeleitet werden solle oder nicht.

Marinowas Tötung löste Entrüstung und Bestürzung weit über Bulgariens Grenzen hinweg aus. «Geschockt von dem brutalen Mord an der bulgarischen Journalistin (...). Meine Gedanken sind mit ihrer Familie», schrieb der Fraktionschef der Europäischen Volkspartei (EVP) im EU-Parlament, Manfred Weber, auf Twitter. «Ich bin geschockt von dem entsetzlichen Mord an der Investigativjournalistin», erklärte der Vertreter für Medienfreiheit bei der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), Harlem Désir.

Der Sender TVN, für den Marinowa tätig gewesen war, veröffentlichte ein Foto von ihr mit einem Aufruf im Gedenken an die Moderatorin: «Vollbringe eine gute Tat! Für Wiktorija! Sie würde es so wollen!», appellierte der Sender an die Öffentlichkeit. Im Zentrum der Hauptstadt Sofia, in Russe und in anderen größeren Städten begannen am Montagabend Gedenkandachten für Marinowa.

Angesichts mehrerer Gewalttaten gegen Journalisten mahnte die Bundesregierung den weltweiten Schutz der Pressefreiheit an. «Pressefreiheit ist ein elementares Bürgerrecht und ein fundamentales Grundrecht jeder demokratischen Gesellschaft», sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin. Die Bundesregierung setze sich deshalb weltweit für den Schutz und die Sicherheit von Journalisten ein.

Anlass der Erklärung war unter anderem die Ermordung der bulgarischen Journalistin: «Mit tiefer Bestürzung haben wir von der brutalen und furchtbaren Ermordung der Journalistin Wiktorija Marinowa erfahren», sagte der AA-Sprecher. Noch gebe es keine belastbaren Erkenntnisse zum Tatmotiv. Entscheidend sei eine schnelle und umfassende Aufklärung.

Die zuständigen Behörden müssten klären, ob das Verbrechen in Verbindung zu der Arbeit der Frau stehe, sagte der Sprecher von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in Brüssel. Es gehe darum zu garantieren, dass Journalisten überall sicher seien und ihre wertvollen Beiträge für die demokratischen Gesellschaften leisten könnten. «Die EU-Kommission erwartet von der verantwortlichen Behörden eine rasche und gründliche Untersuchung», sagte er.

Ähnliche Stellungnahmen zu dem Mord an der Journalistin Wiktorija Marinowa kamen auch aus dem Europaparlament. Der deutsche Grünen-Abgeordnete Sven Giegold forderte, eine Delegation des Parlaments nach Bulgarien zu schicken, die vor Ort schnellstmöglich Fakten sammeln solle. Er verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass Marinowa zuletzt über einen vermuteten Betrug mit EU-Fördergeldern berichtet hatte.

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dpa

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Veröffentlicht am:
08. 10. 2018
19:54 Uhr

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08. 10. 2018
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