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Nordbrasilien: Über 50 Tote bei Machtkampf unter Häftlingen

Der Sonntagsbesuch in der Haftanstalt artet in eine tödliche Bandenfehde aus. Nach ein paar Stunden scheint alles wieder unter Kontrolle zu sein. Am nächsten Tag wird es aber noch viel schlimmer.



Trauer
Die Angehörige eines Gefängnisinsassen vor einer Haftanstalt im nordbrasilianischen Manaus.   Foto: Edmar Barros/AP

In vier Gefängnissen im brasilianischen Manaus sind am Montag die Leichen von 40 Häftlingen gefunden worden. Bereits am Vortag waren in einer der Haftanstalten 15 Menschen bei Zusammenstößen unter den Gefangenen getötet worden.

Die neuen Todesopfer seien alle erstickt worden, wie die Strafvollzugsbehörde des Bundesstaates Amazonas mitteilte. Ein Sozialarbeiter sei von Häftlingen verletzt worden.

Die Unruhen hatten am Sonntag in der Haftanstalt Anisio Jobim während der Besuchszeit begonnen. Die Häftlinge seien teils mit selbstgebastelten Stichwaffen übereinander hergefallen, teilten die Behörden mit. Nach knapp zwei Stunden sei die Lage wieder unter Kontrolle gebracht worden. In diesem Gefängnis wurden jedoch am Montag vier weitere Tote in deren Zellen gefunden. In drei nah liegenden Haftanstalten wurden weitere 36 Leichen von Häftlingen entdeckt.

Nach Medienangaben brach das Massaker wegen Streitigkeiten um die Führung der kriminellen Organisation «Família do Norte» (FDN) aus, die den Drogenhandel im Bundesstaat Amazonas führt. Neun mutmaßliche Anstifter zu dem Verbrechen sollen in Haftanstalten in anderen brasilianischen Bundesstaaten verlegt werden, erklärte der Gouverneur von Amazonas, Wilson Lima. «Es sind die Anführer der kriminellen Gruppen», sagte der Gouverneur dem Nachrichtenportal G1.

Die Regierung des Präsidenten Jair Bolsonaro habe zusätzliche Sicherheitskräfte nach Manaus entsandt, erklärte Lima nach einem Treffen mit Justizminister Sérgio Moro. Die Haftanstalten in Amazonas werden von einem Privatunternehmen verwaltet. Der Gouverneur sagte nach den Zwischenfällen, es werde im nächsten Monat eine Ausschreibung stattfinden, um einen neuen Dienstleister für die Verwaltung der Gefängnisse zu finden.

In dem Gefängnis Anisio Jobim hatte es bereits im Januar 2017 blutige Zusammenstöße von Häftlingsgruppen gegeben, in deren Verlauf 56 Insassen getötet wurden. Damals wurde die Häftlingsfehde der Rivalität der FDN mit der hauptsächlich in São Paulo ansässigen Bande «Primeiro Comando da Capital» (PCC) zugeschrieben. Siebzehn Anführer der Häftlinge wurden damals in andere Gefängnisse verlegt. Gegen 213 Insassen wurde Anklage wegen der Morde in der Anstalt erhoben.

Nach den letzten offiziellen Angaben von 2016 sitzen im größten Land Lateinamerikas mehr als 726.000 Menschen hinter Gittern. Die Gefängnisse sind aber nur auf rund 368.000 Insassen ausgelegt.

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dpa

dpa

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Veröffentlicht am:
28. 05. 2019
16:22 Uhr

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28. 05. 2019
16:22 Uhr



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