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Ostdeutsche und Nachfahren von Migranten selten in Elitejobs

Für Menschen mit Migrationshintergrund ist es in Deutschland statistisch gesehen leichter einen Top-Job in der Kultur zu ergattern als in der Wirtschaft. Ostdeutsche besetzen vor allem in der Justiz nur selten Spitzenpositionen. Das hat auch mit der DDR zu tun.



Schwesig und Woidke
Manuela Schwesig und Dietmar Woidke sind in der DDR geboren und haben als Regierungschefs in Mecklenburg-Vorpommern bzw. Brandenburg politische Elitepositionen inne.   Foto: Bernd Settnik/dpa-Zentralbild/dpa

In Führungspositionen sind Ostdeutsche auch 30 Jahre nach der Einheit bundesweit unterrepräsentiert. Allerdings gilt das nicht für alle Bereiche von Wirtschaft, Gesellschaft und Verwaltung gleichermaßen.

So entspricht der Anteil der auf dem Gebiet der früheren DDR geborenen Menschen in politischen Elitepositionen in etwa ihrem Anteil an der Bevölkerung von 19,4 Prozent. Über alle Sektoren hinweg besetzen sie dagegen nach jüngsten Forschungsergebnissen lediglich 10,1 Prozent der Führungspositionen. Während ostdeutsche Führungskräfte in den Bereichen Sicherheit, Zivilgesellschaft und Gewerkschaft immerhin zweistellige Werte erreichen, geben in Wissenschaft und Verwaltung besonders wenig Ostdeutsche den Ton an.

Noch geringer ist der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund in Spitzenjobs. Das zeigen ersten Ergebnissen der Studie «Teilhabe ohne Teilnahme? Wie Ostdeutsche und Menschen mit Migrationshintergrund in der bundesdeutschen Elite vertreten sind» des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung, an der auch der Leipziger Politikwissenschaftler Lars Vogel beteiligt war, die am Montag vorgestellt wurde.

Danach liegt der Anteil der Menschen mit Migrationsgeschichte an der Bevölkerung bei 26 Prozent. In Führungspositionen finden sich aber nur zu 9,2 Prozent Menschen, bei denen mindestens ein Elternteil bei Geburt keine deutsche Staatsbürgerschaft hatte. Am stärksten vertreten sind sie in den Bereichen Kultur (19,6 Prozent) und Religion (25,9 Prozent). Besonders wenige Menschen mit ausländischen Wurzeln gibt es dagegen in Justiz (1,3 Prozent), Gewerkschaften (3 Prozent) und Militär (2 Prozent). Allerdings ist für den Eintritt in die Bundeswehr - abgesehen von zivilen Jobs im Angestelltenverhältnis - auch die deutsche Staatsbürgerschaft erforderlich.

In der Wirtschaftselite liegt der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund laut Studie bei 13,8 Prozent. Zu denjenigen, die hier aufgestiegen sind, gehörten vor allem Westeuropäer und Menschen mit der Muttersprache Englisch, berichtete die Sozialwissenschaftlerin Sabrina Zajak. Bildung spiele hier natürlich eine wichtige Rolle, aber es sei auch erkennbar, dass Menschen mit Migrationsgeschichte selbst bei gleicher Qualifikation benachteiligt würden. Neben Diskriminierung sei dabei auch teilweise das Fehlen von Netzwerken und Seilschaften ein Faktor.

Die Forscher haben sich für ihre Studie mehr als 3000 Elitepositionen angeschaut. Bei einer repräsentativen Befragung stellten sie zudem fest, dass nur weniger als ein Drittel der Bevölkerung eine gesetzliche Quote zur Erhöhung des Anteils von Ostdeutschen und Menschen mit Migrationshintergrund befürworten. Mehr als 60 Prozent der Befragten könnten sich aber Maßnahmen zur Förderung von geeigneten Arbeitnehmern aus beiden Gruppen vorstellen.

Zu den Ursachen der Unterrepräsentation seien noch weitreichendere Untersuchungen notwendig, waren sich die Wissenschaftler einig. In Justiz und Wissenschaft sei die «soziale Herkunft weitaus prägender» als in anderen Bereichen, erklärte Raj Kollmorgen von der Hochschule Zittau/Görlitz. Hier müsse man womöglich genauer auf die Rekrutierungsmechanismen schauen.

Die Forscher fanden heraus, dass Ostdeutsche, die wahrnehmen, dass die im Osten Geborenen in den Eliten unterrepräsentiert sind, deshalb nicht unzufriedener mit der Demokratie sind als andere. Sie fühlten sich aber häufiger als Bürger «zweiter Klasse». Unter Menschen mit Migrationshintergrund gibt es diesen Zusammenhang laut Studie so nicht. Vielleicht hat das auch mit der unterschiedlichen Erwartungshaltung in beiden Gruppen zu tun.

© dpa-infocom, dpa:201026-99-87632/2

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Veröffentlicht am:
26. 10. 2020
15:02 Uhr

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26. 10. 2020
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