Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom Wochenende30 Jahre GrenzöffnungBlitzerwarnerVER Selb

Brennpunkte

Pillen-Rückruf: 2700 «Trigoa»-Packungen betroffen

Eine Firma ruft eine Antibabypille zurück, weil Anwenderinnen bei der Einnahme Fehler machen und schwanger werden könnten. Was sollen betroffene Frauen jetzt tun - und wie viele sind es überhaupt?



Pfizer
Wegen falsch bedruckter Tablettenverpackungen ruft der Pharmahersteller Pfizer mehrere Chargen einer Antibabypille zurück.   Foto: Marijan Murat

Nach dem Rückruf der Antibabypille «Trigoa» wegen falsch bedruckter Tablettenverpackungen bleibt die Zahl der betroffenen Frauen weiter unklar.

An Apotheken und Großhandel seien bundesweit gut 2700 Packungen der betroffenen Chargen ausgeliefert worden, teilte die zuständige Berliner Aufsichtsbehörde, das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso), am Montag auf Anfrage mit. Den Rückruf habe der Hersteller Pfizer am 3. und 4. Dezember an Apotheken und Großhandel kommuniziert.

Pfizer erklärte, man gehe davon aus, dass eine «geringe Anzahl» an Anwenderinnen abgegeben wurde. «Wir bedauern die Unannehmlichkeiten und entschuldigen uns in diesem Zusammenhang.»

Der Pharmaexperte Gerd Glaeske (Universität Bremen) kritisierte angesichts der Behördenwarnung vor ungewollten Schwangerschaften die Kommunikationspolitik des Herstellers. «Gerade unter dem Aspekt der eingeschränkten Zuverlässigkeit der Verhütung sollte mit dem Rückruf eine öffentliche Warnung einhergehen», sagte der Wissenschaftler. Erst am Montagnachmittag und damit eine Woche nach der Information an Apotheken und Großhandel waren auf der Pfizer-Webseite allgemeine Angaben zum «Trigoa»-Rückruf zu finden, am Abend folgten Hinweise für Anwenderinnen. Diese sollten demnach mit ihrem Arzt das weitere Vorgehen besprechen. «Vorsichtshalber ist die Verwendung eines zusätzlichen, nicht-hormonellen Verhütungsmittels, z.B. Kondom, ratsam.»

Die Berliner Behörde hatte den Rückruf am Freitag in einer Pressemitteilung publik gemacht, aber kaum Details genannt. Eine Pfizer-Sprecherin erklärte auf Anfrage: «Die Information zum Rückruf von drei Trigoa-Chargen ist in Abstimmung mit den hier zuständigen Behörden erfolgt. Unsere Informationen erfolgen in Einklang mit dieser Abstimmung.» So seien beispielsweise Ärzte und Apotheken in ganz Deutschland aktiv informiert worden. Weitere Informationen seien derzeit nicht geplant.

Glaeske betonte, im Fall von Schwangerschaften sei der Hersteller nach seiner Einschätzung «haftbar zu machen für Folgen mangelnder Produktqualität». Fehler wie falsch bedruckte Durchdrückverpackungen müssten aus seiner Sicht in der Qualitätssicherung des Herstellers auffallen. Da zunehmend im Ausland produziert werde, fielen Fehler manchmal aber erst den Anwendern oder Apothekern auf. Das Online-Magazin «Apotheke Adhoc» schrieb im Zusammenhang mit den falschen «Trigoa»-Blistern, Pfizer habe die Produktionsstätte verlagert, die Pille werde nun in Irland produziert. Das Unternehmen selbst reagierte nicht auf die Frage, wie der Fehler passierte.

«Trigoa» ist ein sogenanntes Dreiphasenpräparat, das bereits seit vielen Jahren auf dem Markt ist. Die Dragees sind unterschiedlich hoch dosiert und haben verschiedene Farben. Laut Anleitung werden zuerst die sechs hellbraunen, dann die fünf weißen und schließlich die zehn ockerfarbenen Dragees eingenommen. Bei den Chargen X34106, X51153 und W98332 war aber die Beschriftung falsch. Es könne zu Anwendungsfehlern und ungewollter Schwangerschaft kommen, warnte das Lageso.

Frauenärzte rechnen deshalb nun aber nicht mit reihenweise Schwangerschaften. Die in der Pille enthaltenen synthetischen Hormone seien «zu jedem Zeitpunkt ausreichend hoch dosiert, um einen Eisprung zu verhindern, auch dann, wenn die Dragees in einer falschen Reihenfolge eingenommen werden», erklärte der Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte, Christian Albring, am Montag auf Anfrage. «Das gilt, solange eine regelmäßige, tägliche Einnahme alle 24 Stunden gesichert ist.» Etwaige Folgen für den Hormonhaushalt betroffener Frauen waren zunächst unklar.

Laut einem am Montag auf der Webseite des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte veröffentlichten Hinweis an Apotheker und Ärzte sollten Frauen über den Rückruf informiert werden, die zwischen dem 27. November und dem 6. Dezember ein entsprechendes Rezept eingelöst haben könnten - ein drei Tage längerer Zeitraum als in ersten Behördenangaben. Packungen aus den betroffenen Chargen sollten über Apotheken zurückgegeben werden. Bei Rückrufen prüfen Apotheker zudem ihre Lagerbestände, so dass beanstandete Chargen nicht mehr ausgegeben werden.

Der Rückruf macht sich laut dem Vorsitzenden der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK), Martin Schulz, bereits in Apotheken bemerkbar - die AMK bekomme Verärgerung zu spüren. Die Apotheken seien zwar von Pfizer zum Zurücksenden der betroffenen Arzneimittelpackungen aufgefordert worden - «Portokosten würden aber nicht erstattet werden und zur Erstattung der Arzneimittel wurden von der Firma uns gegenüber bisher auch keine Angaben gemacht». Pfizer kündigte am Montagabend «eine Rückerstattung für die betroffenen Packungen» an.

Für «Trigoa» ist nun ein Lieferengpass bis voraussichtlich April 2019 gemeldet. Für betroffene Frauen heiße das, dass sie sich ein neues Rezept über ein vergleichbares Präparat ausstellen lassen müssen, hieß es von der AMK.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
10. 12. 2018
17:56 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Anti-Baby-Pille Apotheken Apotheker Fehler Großhandel Gynäkologinnen und Gynäkologen Martin Schulz Pfizer Schwangerschaft und Geburt Universität Bremen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Pfizer

08.12.2018

Rückruf für Antibabypille «Trigoa»: Schwangerschaft droht

Der Pharmahersteller Pfizer ruft Antibabypillen zurück: Möglich sei das Risiko einer unerwünschten Schwangerschaft - wenn man sie falsch einnimmt. » mehr

19.11.2019

Zwilling im Mutterleib totgespritzt: Frauenärzte verurteilt

Nur das gesunde Kind sollte zur Welt kommen. So war es mit der Mutter vereinbart. Zwei Ärzte töteten den anderen Zwilling mit Kaliumchlorid. » mehr

Impfung

14.11.2019

Masern-Impfpflicht für Kitas und Schulen kommt

Um gefährliche Infektionen rigoroser einzudämmen, besiegelt der Bundestag eine Impfpflicht gegen Masern. Der staatliche Druck soll dosiert eingesetzt werden. Nicht alle finden das aber gerechtfertigt. » mehr

Kristina Hänel

03.07.2019

Urteil gegen Ärztin wegen Werbung für Abtreibung aufgehoben

Der Fall der Ärztin Kristina Hänel, die auf ihrer Homepage unerlaubt für Schwangerschaftsabbrüche geworben haben soll, kommt erneut vor Gericht. Die Medizinerin spricht aber nicht von einem Erfolg. Sie sieht sich in ihre... » mehr

Debatte um Ausschuss-Vorsitzenden der AfD

12.11.2019

Rechtsausschuss-Vorsitz: AfD will keinen Ersatz vorschlagen

Nach umstrittenen Äußerungen unter anderem zum Anschlag in Halle wird der AfD-Politiker Stephan Brandner als Vorsitzender des Rechtsausschusses im Bundestag wohl abgewählt. Er und seine Partei geben sich trotzig. » mehr

Maas in Japan

22.11.2019

Maas gegen einseitigen Abzug der Atomwaffen aus Deutschland

Mehr als 200.000 Menschen kamen 1945 durch die Atombombenabwürfe auf Japan ums Leben. Außenminister Maas gedenkt bei einem Besuch in Hiroshima der Opfer und wirbt für eine atomwaffenfreie Welt. Über den richtigen Weg dah... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

töpfermarkt

töpfermarkt | 06.12.2019
» 16 Bilder ansehen

2000er-Party Susi Weißenstadt

2000er-Party Susi Weißenstadt | 30.11.2019 Weißenstadt
» 49 Bilder ansehen

Selber Wölfe - EV Lindau

Selber Wölfe - EV Lindau | 06.12.2019 Selb
» 31 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
10. 12. 2018
17:56 Uhr



^