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Prozess um Zwangsprostitution: «Loverboys» vor Gericht

Die «Loverboys» versprachen eine gemeinsame Zukunft und viel Geld. Für sieben Frauen endeten die vermeintlichen Liebesbeziehungen in Zwangsprostitution. Es gab Prügel und Todesdrohungen.



Landgericht Wuppertal
Ein Polizeifahrzeug vor dem Landgericht in Wuppertal.   Foto: Jan-Philipp Strobel

Das jüngste Opfer war erst 14. Insgesamt sieben Frauen und Mädchen im Alter bis zu 22 Jahren sollen zwei Männer und ein Jugendlicher in Wuppertal mit der «Loverboy»-Masche in die Zwangsprostitution getrieben haben.

Die älteren Frauen schafften ohne Pause in angemieteten Wohnungen oder Hotels von Dortmund über Wuppertal bis Düsseldorf an. Die Erlöse von mehreren zehntausend Euro kassierten ihre «Loverboys» - und erzählten den Opfern das Märchen von der großen Liebe und einer gemeinsamen Zukunft.

Vor dem Landgericht Wuppertal müssen sich seit Mittwoch ein 22-Jähriger, ein 31-Jähriger und ein 17-Jähriger verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Zuhälterei, gewerbsmäßige Zwangsprostitution, gefährliche Körperverletzung und schweren Raub in mehreren Fällen vor. Für den minderjährigen Angeklagten gilt das Jugendstrafrecht. Den beiden Mitangeklagten drohen Haftstrafen von bis zu zehn Jahren.

Teilweise seien die Opfer schon vorher der Prostitution nachgegangen, einige aber hätten damit nie etwas zu tun gehabt, sagte Staatsanwältin Christina Laibold bei der Verlesung der Anklage. Die zwei Hauptangeklagten mit türkischer und deutscher Staatsbürgerschaft hatten ein perfides System entwickelt, um die Frauen emotional abhängig zu machen. «Für jede Frau war einer der Angeklagten die Bezugsperson, mit der er eine vermeintliche Beziehung führte und falsche Gefühle vorspiegelte», sagte Laibold. Der Jugendliche mazedonischer Herkunft diente als Lockvogel und Helfer.

Den Frauen täuschten die Angeklagten vor, das Geld für sie zu sparen. Tatsächlich aber gaben die Männer das Geld umgehend für teure Leihwagen und die Ausstattung ihrer Shisha-Bar in Wuppertal aus, die zum Dreh- und Angelpunkt des lukrativen Gewerbes wurde. In der Bar wurden auch neue Opfer angeworben.

Die Frauen verdienten laut Anklage 600 bis 1000 Euro am Tag - bis zu 14.000 Euro im Monat. Die «Loverboys» warben Freier mit Internet-Anzeigen an, organisierten die Termine und überwachten den Vollzug, wenn die Frauen heimlich in die eigene Tasche arbeiten wollten.

Wenn die Frauen unerlaubt die Wohnung verließen oder gar nicht mehr anschaffen wollten, wurden sie geschlagen, an den Haaren gezogen, über den Boden geschleift oder mit einer Pistole bedroht. Einer Frau sei ein Kissen ins Gesicht gedrückt worden, so dass sie fast erstickte, sagte der 22 Jahre alte türkische Angeklagte aus. Einer 17-Jährigen wurde angedroht, sie werde ins Ausland verkauft.

Dann wieder hätten die «Loverboys ihnen Geschenke gemacht, sich entschuldigt oder ihnen finanzielle Probleme oder Krankheit vorgetäuscht, so dass die Frauen sich aus Mitleid weiter prostituierten, hieß es in der Anklage. Auch nach Trennungen seien einige von ihnen zurückgekehrt. Eine 18-Jährige, die sich weigerte anzuschaffen, musste einen Kredit über 16.000 Euro aufnehmen und das Geld den Angeklagten in bar geben. Das jüngste Opfer, eine 14-Jährige, überredeten die Angeklagten mit der Aussicht auf das große Geld zur Prostitution. Es blieb bei einem Mal.

Der 22 Jahre alte Angeklagte stellte sich als Mitläufer des 31-Jährigen dar, der seine Bezugsperson und «immer mit viel Geld unterwegs» gewesen sei. «Boah, was macht der denn da?», habe er sich gefragt und sei ins Geschäft eingestiegen. «Er hat mir alles beigebracht.» Den ihm zugeteilten Frauen habe er signalisiert, «dass ich sie gern habe», sagte der 22-Jährige. «Es ging darum, die Frauen unter Kontrolle zu haben.»

Im Juli war in Krefeld ein sogenannter «Loverboy» zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer in dem Bereich aus. Die «Loverboy»-Masche wird in keiner polizeilichen Kriminalstatistik gesondert aufgeführt. Die Opfer erstatten Experten zufolge oft aus Angst und Scham keine Anzeige. Elterninitiativen fordern verstärkt Aufklärung über die Masche bereits in den Schulen.

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dpa

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Veröffentlicht am:
21. 08. 2019
13:59 Uhr

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21. 08. 2019
13:59 Uhr



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