Lade Login-Box.
Topthemen: Live-Ticker "Rock im Park"Mit Video: HöllentalbrückenSchlappentag

Brennpunkte

Rätselraten um Pompeos Absage des Deutschland-Besuchs

Die Absage erfolgte sehr kurzfristig: Keine vier Stunden vor der geplanten Ankunft von US-Außenminister Pompeo in Berlin wurde bekannt, dass er es sich anders überlegt hat. Mit den angeschlagenen deutsch-amerikanischen Beziehungen soll das aber nichts zu tun haben.



Mike Pompeo
US-Außenminister Mike Pompeo hat in seiner Amtszeit Deutschland noch kein einziges Mal besucht.   Foto: Mandel Ngan/AFP Pool

US-Außenminister Mike Pompeo hat mit der völlig überraschenden Absage seines Deutschland-Besuchs großes Rätselraten ausgelöst.

Klar war bis zum Dienstagnachmittag lediglich, dass er sich nach seinem Aufenthalt in Finnland kurzfristig für ein anderes Reiseziel als Berlin entschieden hatte - mutmaßlich ein Krisengebiet, in das Spitzenpolitiker wie Pompeo aus Sicherheitsgründen nur ohne Ankündigung reisen. Spekulationen gingen in Richtung Irak oder Afghanistan.

Es wurde auch für möglich gehalten, dass die Absage etwas mit dem Iran zu tun haben könnte. Am Mittwoch wird eine Rede des iranischen Präsidenten Hassan Ruhani erwartet, die mit dem von den USA gekündigten Vertrag zur Verhinderung einer iranischen Atombombe zu tun haben soll.

Aber mehr als Mutmaßungen gab es zunächst nicht. Das US-Außenministerium schwieg zu den neuen Reiseplänen. Pompeos Termine in London am Mittwoch und in Grönland am Donnerstag wurden beibehalten. Bedeutet: Das Zeitfenster für das neue Reiseziel war nicht allzu groß. Auch das sprach für ein Land in der Nähe Europas.

Der Besuch Pompeos in Berlin war lange erwartet worden. Der 55-Jährige ist bereits seit mehr als einem Jahr im Amt. Trotzdem hat er zwar bereits mehr als 420.000 Flugkilometer zurückgelegt und 38 Länder besucht. Der wirtschaftsstärkste und bevölkerungsreichste europäische Partner war aber noch nicht dabei.

Auf eine Teilnahme an der Münchner Sicherheitskonferenz hatte der frühere CIA-Chef im Februar verzichtet, obwohl er zu der Zeit tagelang in Europa unterwegs war und Polen, die Slowakei, Ungarn, Belgien und sogar Island besuchte.

Aber am Dienstag sollte es dann endlich so weit sein. Um 14.45 Uhr sollte Pompeo auf dem militärischen Teil des Flughafens Tegel in Berlin landen. Als Erstes war ein Termin bei Heiko Maas im Auswärtigen Amt geplant, inklusive Pressekonferenz. Ein Novum, denn bei den bisherigen Treffen der beiden in Washington hat sich Pompeo bisher vor gemeinsamen Auftritten vor Journalisten gedrückt.

Pompeo sollte auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Kanzleramt empfangen werden. Kurz nach 11.00 Uhr teilte die US-Botschaft aber mit: «Leider müssen wir die Treffen in Berlin wegen dringender Angelegenheiten neu terminieren.»

Kurze Zeit später telefonierte Pompeo mit Maas, um ihm sein Bedauern über die Absage mitzuteilen. «Beide Seiten vereinbarten, schnell einen neuen Termin zu finden. Außenminister Maas drückte sein Verständnis für die Terminverschiebung aus», hieß es in einer knappen Mitteilung des Auswärtigen Amts. Mit Merkel telefonierte der US-Außenminister wohl nicht.

Mit den deutsch-amerikanischen Beziehungen hat die Absage zwar offensichtlich nicht direkt etwas zu tun. Trotzdem passt sie in das ziemlich desolate Bild, das das Verhältnis derzeit abgibt. «Selbst wenn es sich um unabweisbare Gründe für die Absage handeln sollte, passt sie leider in das aktuelle Klima im Verhältnis der beiden Regierungen», sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Norbert Röttgen (CDU), dem Bonner «General-Anzeiger» und der «Rheinischen Post».

Der FDP-Außenexperte Alexander Graf Lambsdorff äußerte sich deutlicher. Eine solche Absage sei «hochgradig unüblich», sagte er im Radioprogramm SWR Aktuell. «Wenn er seinen Europabesuch jetzt in Grönland fortsetzt, hieße das, dass den Amerikanern zurzeit Grönland wichtiger ist als Deutschland.»

Die Liste der Streitpunkte zwischen den USA und Deutschland ist seit dem Amtsantritt von US-Präsident Trump Anfang 2017 länger und länger geworden. Die US-Regierung wirft dem Nato-Partner Deutschland mangelnde Militärausgaben vor, kritisiert das deutsch-russische Pipeline-Projekt Nord Stream 2 scharf und droht mit Strafzöllen wegen des deutschen Handelsüberschusses.

Gerade deswegen hatte sich Außenminister Maas aber einiges von dem Treffen mit Pompeo versprochen. «Wir brauchen den engen Draht nach Washington», hatte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland noch vor der Absage gesagt. «Deshalb haben wir ein vitales Interesse daran, bei den dringenden internationalen Fragen eng mit den Amerikanern zusammenzuarbeiten und die europäische Position zu vertreten.» Jetzt heißt es erstmal wieder: abwarten.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
07. 05. 2019
17:16 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Alexander Graf Lambsdorff Auswärtiges Amt Außenhandelsüberschuss Außenminister Bundeskanzler der BRD Bundeskanzleramt Bundeskanzlerin Angela Merkel Bundespresseamt CDU CIA-Chefs Deutsch-amerikanische Beziehungen Deutsche Presseagentur Deutscher Bundestag Donald Trump Heiko Maas Mike Pompeo Münchner Sicherheitskonferenz Nato Norbert Röttgen Omid Nouripour Präsidenten der USA SPD Strafzölle Südwestrundfunk US-Außenminister US-Außenministerium US-Botschaften US-Regierung
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
US-Außenminister Pompeo

31.05.2019

Berlin-Besuch mit Verspätung: Pompeo trifft Merkel und Maas

US-Außenminister Mike Pompeo holt heute seinen vor gut drei Wochen kurzfristig abgesagten Deutschlandbesuch nach. Damals zog er es vor, wegen der Iran-Krise in den Irak zu reisen und sorgte damit für Irritationen in der ... » mehr

Präsident Ruhani

08.05.2019

Iran setzt Atomdeal teilweise aus und setzt Partnern Frist

Ein Jahr hat der Iran nach dem Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen gewartet. Nun geht auch die Geduld von Präsident Ruhani zu Ende. Vom Westen kommen dringende Appelle. Die USA hoffen, dass es keinen Krieg gibt. » mehr

Trump und Putin

03.02.2019

Streit über Abrüstung: Russland will neue Raketen bauen

Russland und die USA setzen einen der wichtigsten Abrüstungsverträge aus. In Teilen der Welt wächst die Angst vor einem neuen atomaren Wettrüsten. Kremlchef Putin setzt ein Signal. » mehr

Merkel und Pompeo

31.05.2019

Pompeo in Berlin: Differenzen bleiben, Ton wird moderater

Es gibt viel zu tun für die US- und die Bundesregierung angesichts der zahlreichen Konflikte in der Welt. Darin sind sich beide Partner einig. Dann hört es aber oft auch schon auf mit der Einigkeit. » mehr

Hassan Ruhani

12.05.2019

Irans Präsident lehnt Trumps Gesprächsangebot ab

Die Iraner sollten ihn anrufen, man könne einen «Deal» machen, sagte US-Präsident Trump zuletzt. Lässt sich der gefährliche Konflikt zwischen Washington und Teheran so simpel lösen? Nein, sagt Irans Präsident - nicht ohn... » mehr

Maas auf Krisen-Mission

08.06.2019

Maas hält Anti-IS-Einsatz für «absolut unabdingbar»

Vier Tage lang reist Außenminister Maas durch die Region mit der wohl größten Dichte an Krisen weltweit. Die Spannungen zwischen dem Iran und den USA stehen im Vordergrund. Im Irak und in Jordanien geht es aber auch um e... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Brand im Ängerlein in Kulmbach

Brand im Ängerlein in Kulmbach | 18.06.2019 Kulmbach
» 4 Bilder ansehen

IndieMusik Festival 2019 Hof

In.Die.Musik-Festival | 15.06.2019 Hof
» 233 Bilder ansehen

14. Thonberglauf in Schauenstein

14. Thonberglauf in Schauenstein | 01.06.2019 Schauenstein
» 67 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
07. 05. 2019
17:16 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".