Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimJubiläumsgewinnspiel "75 Jahre Frankenpost"BlitzerwarnerCoronavirus

Brennpunkte

Rettungsschiff in Italien beschlagnahmt

Dieses Mal ging alles ganz schnell. Die vor Libyen geretteten Migranten müssen nicht lange an Bord des Schiffs ausharren, das sie im Mittelmeer aufgelesen hat. Doch den Helfern drohen nun Konsequenzen.



«Mare Jonio»
Das Schiff "Mare Jonio" mit 49 Migranten an Bord dockt im Hafen der Insel Lampedusa an.   Foto: Elio Desiderio/ANSA/AP

Nach der Rettung von 49 Migranten im Mittelmeer haben die italienischen Behörden die Beschlagnahme des Schiffs «Mare Jonio» angeordnet.

Das Rettungsschiff wurde in den Hafen von Lampedusa eskortiert, wo die Migranten an Land gehen sollten. In Kreisen des Innenministeriums wurden erste Befragungen der Besatzung noch am gleichen Abend für möglich gehalten. Die Staatsanwaltschaft von Agrigent auf Sizilien ermittele gegen unbekannt wegen Begünstigung illegaler Migration, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa.

«In Italien gibt es jetzt eine Regierung, die die Grenzen verteidigt und die dafür sorgt, dass die Gesetze eingehalten werden, vor allem von den Menschenhändlern. Wer einen Fehler macht, bezahlt», erklärte Innenminister Matteo Salvini am Abend.

Der Chef der rechten Lega hatte dem Schiff der Organisation Mediterranea Saving Humans zuvor die Einfahrt in den Hafen der Mittelmeer-Insel verwehrt. Zudem veröffentlichte sein Ministerium neue Richtlinien für die Seenotrettung. Ein Verstoß gegen diese Regeln könne als Begünstigung von Menschenhandel gelten.

Das italienische Seenotrettungsprojekt Mediterranea, an dem auch die deutsche Sea-Watch und andere NGOs beteiligt sind, hatte die Migranten vor der libyschen Küste aufgenommen. Sie seien auf einem Schlauchboot gewesen, in das schon Wasser gelaufen sei. Ein Mann sei nach Lampedusa gebracht worden, um dort von einem Arzt behandelt zu werden, sagte eine Sprecherin.

Die «Mare Jonio» fährt unter italienischer Flagge. Salvini ist der Ansicht, dass sich die Seenotretter Weisungen der libyschen Küstenwache widersetzt und sich unerlaubt Italien genähert haben, statt nach Libyen oder Tunesien zu fahren.

Die populistische Regierung in Rom blockierte seit vergangenem Sommer mehrfach Rettungsschiffe mit Migranten an Bord, um die Ankunft der Menschen in Italien zu verhindern. Mehrfach harrten die Helfer mit den Geretteten tagelang auf dem Meer aus, bis sich die europäischen Regierungen auf die Verteilung der Menschen auf unterschiedliche Staaten geeinigt hatten.

Salvini selbst wird im Fall des Schiffs «Diciotti» unter anderem Freiheitsberaubung vorgeworfen, weil er gerettete Migranten nicht an Land gehen lassen wollte. Ein Prozess kann aber nur stattfinden, falls der Aufhebung seiner Immunität zugestimmt wird. Am Mittwoch soll es dazu eine Abstimmung im Senat geben.

Vor der Küste Libyens ereignete sich derweil erneut ein Schiffsunglück mit möglicherweise Dutzenden Toten. Die libysche Marine sprach von 30 Vermissten. Ein Kind sei tot geborgen worden, 16 Menschen hätten überlebt, als das Holzboot nahe der Küste gegen Felsen geprallt sei, erklärte ein Sprecher.

Für Migranten wird die Überfahrt nach Europa immer gefährlicher, zumal auf dem Mittelmeer kaum noch Rettungsschiffe unterwegs sind. Italien unterstützt mit Hilfe der EU die libysche Küstenwache, die die Migranten wieder zurück in das Bürgerkriegsland bringt.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
19. 03. 2019
21:21 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Fehler Häfen Küstenwache Lampedusa Matteo Salvini Meeresküsten Migranten Rettung Schiffsunglücke Seerettung
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Seenotrettung im Mittelmeer

24.11.2019

Rettungsschiff «Ocean Viking» erreicht italienischen Hafen

Glückliches Ende für die Menschen auf der «Ocean Viking»: Der Hafen ist erreicht und ihre Verteilung geregelt. Vor Lampedusa hingegen sterben Migranten bei einem Schiffsunglück. » mehr

«Louise Michel»

30.08.2020

«Sea-Watch 4» übernimmt Migranten von «Louise Michel»

Lange reagierten die Behörden nicht auf die Hilferufe der «Louise Michel» im Mittelmeer. Dann übernehmen die italienische Küstenwache und die «Sea-Watch 4» zahlreiche Migranten. Der Künstler Banksy kritisiert die EU scha... » mehr

Überfülltes Holzboot vor der Küste Libyens

10.03.2020

Seenotrettung vor Libyen: Kapitäne in rechtlicher Grauzone

Abgeschreckt von brutalen Erpressern und Bürgerkriegs-Chaos in Libyen versuchen inzwischen auch mehr Afrikaner, über die Türkei in die EU zu gelangen. Wer als Kapitän vor Libyens Küste Schiffbrüchige aufnimmt, steht vor ... » mehr

Migration über das Mittelmeer

27.07.2020

Wieder Hunderte Bootsmigranten täglich auf dem Mittelmeer

In Italien und Malta kommen wieder vermehrt Flüchtlinge in Booten über das Mittelmeer an. In einigen Unterkünften spitzt sich die Lage zu. » mehr

Ölkatastrophe vor Mauritius

10.08.2020

Öldesaster auf Mauritius: Behörden im Wettlauf mit der Zeit

Es ist ein Kampf gegen Zeit und Meer. Nach dem Frachterunglück vor Mauritius wird so viel Treibstoff wie möglich abgepumpt. Doch schon jetzt ist klar: Das Urlaubsparadies wird Jahre brauchen, sich davon zu erholen. » mehr

Deutsche Fregatte

27.03.2019

Sophia rettet nicht mehr: EU stoppt Marineeinsatz vor Libyen

Zehntausende Migranten sind in den vergangenen Jahren im Mittelmeer von europäischen Marineschiffen vor dem Ertrinken bewahrt worden. Doch bis heute gibt es keine Einigung, wie die Menschen verteilt werden könnten. Itali... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Scherbenmeer auf der Autobahn A 70/Unterbrücklein

Scherbenmeer auf der A 70 | 28.09.2020 A 70/Unterbrücklein
» 5 Bilder ansehen

Premierenfeier Theater Hof

Premierenfeier Theater Hof | 26.09.2020 Hof/Selb
» 14 Bilder ansehen

Trainingslager der Faustball-Nationalmannschaft

Trainingslager der Faustball-Nationalmannschaft | 24.09.2020
» 19 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
19. 03. 2019
21:21 Uhr



^