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Saudi-Arabien zweitbester Kunde deutscher Rüstungskonzerne

Das Verschwinden des saudi-arabischen Journalisten Khashoggi hat die Debatte über deutsche Rüstungsexporte in das Königreich angeheizt. Jetzt gibt es neue brisante Zahlen dazu. Der Unmut darüber beschränkt sich nicht auf die Opposition.



Küstenschutzboot für Saudi-Arabien
Ein Küstenschutzboot für Saudi-Arabien wird im Hafen Mukran in Mecklenburg-Vorpommern auf ein Transportschiff verladen.   Foto: Stefan Sauer

Trotz der Kriegsbeteiligung Saudi-Arabiens und der Menschenrechtslage dort war der ölreiche Wüstenstaat in diesem Jahr bisher der zweitbeste Kunde der deutschen Rüstungsindustrie.

Bis zum 30. September erteilte die Bundesregierung Exportgenehmigungen im Wert von 416,4 Millionen Euro für das Königreich, das derzeit wegen des Verschwindens des Journalisten Jamal Khashoggi unter massivem internationalen Druck steht. Nur in das nordafrikanische Algerien wurden mit 741,3 Millionen Euro Rüstungslieferungen in größerem Umfang genehmigt.

Das geht aus einer Antwort des Wirtschaftsministeriums auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Omid Nouripour hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Grüne und Linke forderten einen sofortigen Stopp der Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien. Die Bundesregierung will zunächst einmal die Aufklärung des Falls Khashoggi abwarten. In der SPD wächst aber der Unmut.

Die neuen Zahlen sind unter anderem wegen einer Klausel aus dem Koalitionsvertrag von Union und SPD brisant. Die Sozialdemokraten hatten in den Verhandlungen einen Exportstopp für alle Länder durchgesetzt, die «unmittelbar» am Jemen-Krieg beteiligt sind. Allerdings hatten sie auch Ausnahmen für bereits erteilte Vorgenehmigungen zugelassen.

Saudi-Arabien nimmt in dem Krieg eine führende Rolle ein. Ein von dem Königreich geführtes Bündnis von neun Staaten bekämpft seit 2015 die vom Iran unterstützten schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen. Der Krieg hat zu einer humanitären Katastrophe geführt, die von den Vereinten Nationen als derzeit schlimmste weltweit eingestuft wird.

Für weitaus größeres internationales Aufsehen sorgt derzeit aber der Fall Khashoggi. Der Journalist war am 2. Oktober in das saudi-arabische Konsulat in Istanbul gegangen, um dort Papiere für seine geplante Hochzeit abzuholen. Seitdem ist er verschwunden. Die türkischen Behörden gehen nach Medienberichten davon aus, dass Khashoggi im Konsulat von einem aus Saudi-Arabien angereisten Spezialkommando getötet wurde. Das saudische Königshaus beteuert aber seine Unschuld.

Das Verschwinden Khashoggis hatte die Forderungen nach einem Stopp der Rüstungslieferungen an Saudi-Arabien bereits in den vergangenen Tagen wieder lauter werden lassen. Linksfraktionschefin Sahra Wagenknecht verschärfte ihre Kritik an der Genehmigungspraxis der schwarz-roten Koalition noch einmal. «Die Bundesregierung trägt an den Kriegsverbrechen im Jemen und dem Mord- und Foltersystem Riads durch die massiven Genehmigungen für deutsche Rüstungsexporte ein hohes Maß an Mitverantwortung», sagte sie der dpa.

Auch die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock forderte einen sofortigen Exportstopp. Grünen-Rüstungsexpertin Katja Keul sprach von einem «politischen und moralischen Offenbarungseid» der Bundesregierung. Die Exporte demonstrierten Unterstützung für eine Politik, «die nach innen und nach außen brutal auf kurzfristigen Machterhalt statt auf langfristige Stabilität setzt».

Unter den für Saudi-Arabien genehmigten Lieferungen sind acht Patrouillenboote, für die noch die alte Bundesregierung Anfang des Jahres grünes Licht gegeben hat. Die neue Regierung hat erst kürzlich die Ausfuhr eines Radarsystems zur Ortung gegnerischer Artillerie erlaubt. Die anderen Exportgenehmigungen sind nicht im Einzelnen bekannt.

Die Bundesregierung will zunächst weiter die Ermittlungen im Fall Khashoggi abwarten. Deutschland wolle wissen, was geschehen sei, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts. «Und wenn wir das wissen, werden wir auch die nötigen Schlussfolgerungen daraus ziehen.»

Der Obmann der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Auswärtigen Ausschuss, Roderich Kiesewetter (CDU) sagte «Stuttgarter Zeitung» und «Stuttgarter Nachrichten» (Samstag): «Sollten sich die Erkenntnisse in dem Fall weiter verdichten, spreche ich mich für eine europäisch abgestimmte Korrektur unserer Saudi-Arabien-Politik aus.» Denn die Berücksichtigung der Menschenrechtslage «ist in unseren Exportrichtlinien vorgeschrieben - und der einzige wirkliche Hebel, der uns als Europäer bleibt, ist wirtschaftlicher Natur».

In der SPD wächst das Unverständnis. Die jüngsten Ausfuhrgenehmigungen machten deutlich, «dass wir das Thema Rüstungsexporte von Grund auf überdenken müssen», sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete Thomas Hitschler. «Bei Ausfuhrgenehmigungen muss das Parlament besser informiert werden, etwa über einen Unterausschuss.» Bisher muss die Bundesregierung ihre Rüstungsexportentscheidungen den Abgeordneten nicht begründen. Alle heiklen Fälle werden vom Bundessicherheitsrat behandelt, dem mehrere Bundesminister angehören.

Insgesamt wurden in den ersten neun Monaten dieses Jahres Rüstungsexporte für 3,62 Milliarden Euro genehmigt. Damit zeichnet sich für das Gesamtjahr ein deutlicher Rückgang der Ausfuhrgenehmigungen ab. 2017 wurden noch Genehmigungen im Wert von 6,24 Milliarden Euro erteilt. Drittwichtigstes Empfängerland nach Algerien und Saudi-Arabien waren in den ersten drei Quartalen 2018 die USA (376,8 Millionen Euro). Dahinter folgen Pakistan (149,2 Millionen Euro) und Großbritannien (132,9 Millionen Euro).

Die deutschen Rüstungsexport-Richtlinien sind so restriktiv wie in kaum einem anderen Land der Welt. Sie untersagen unter anderem Waffenlieferungen in Konfliktgebiete. Auch die Berücksichtigung der Menschenrechtslage ist in den Exportrichtlinien vorgeschrieben.

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dpa

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Veröffentlicht am:
19. 10. 2018
15:30 Uhr

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Veröffentlicht am:
19. 10. 2018
15:30 Uhr



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