Lade Login-Box.
Topthemen: Video: Hof im Radwege-CheckHof-GalerieStromtrasse durch die RegionGerch

Brennpunkte

Schulleiterin sieht in toter Schülerin kein Mobbing-Opfer

War doch alles ganz anders? Seit Wochen diskutiert Berlin über Mobbing an Schulen. Anlass ist der Tod einer Schülerin. Nun sagt die Schulleiterin, dieser habe andere Ursachen.



Trauer um tote Schülerin
Stofftiere, Blumen und Kerzen liegen Anfang Februar vor dem Eingang der Grundschule in Berlin.   Foto: Paul Zinken

Der Tod einer elfjährigen Schülerin Ende Januar in Berlin geht nach Angaben der Schulleiterin nicht auf Mobbing zurück. «Die Schülerin, die verstorben ist, war kein Mobbing-Opfer», sagte Daniela Walter bei einer Anhörung zum Thema Mobbing im Bildungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses.

Dies hätten zahlreiche Gespräche etwa mit Mitschülern und Eltern aus der betroffenen Klasse bestätigt, ergänzte sie nach der Sitzung auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Sie habe nach dem Tod des Kindes in einem Krankenhaus von Anfang an mit den Eltern in engem Kontakt gestanden, berichtete Walter im Ausschuss. Dies sei der erste Kontakt mit der Familie während ihrer Tätigkeit als Schulleiterin überhaupt gewesen. Bis dahin habe es - etwa in Hinsicht auf mögliche Probleme des Kindes in der Schule - «keinen Gesprächsbedarf in irgendeiner Art» gegeben.

Walter betonte, die Familie des Mädchens habe bis heute nichts zur Todesursache gesagt. «Und das habe ich zu respektieren.» Sie bat darum, den Tod der Elfjährigen von der seither geführten Debatte um Mobbing an Schulen zu trennen: «Dass man nicht jetzt diesen Todesfall als Aufsprung nimmt, und irgendwas daraus macht. Das hat die Familie nicht verdient.» Am Donnerstag sei das Kind beigesetzt worden.

Der Tod des Mädchens, das die Hausotter-Grundschule in Berlin-Reinickendorf besuchte, war Anfang Februar bekanntgeworden. Er hatte viele Menschen erschüttert und eine breite Debatte ausgelöst. Medien gingen der Frage nach, ob Mobbing an ihrer Schule zu einem Suizidversuch der Grundschülerin geführt haben könnte. Elternvertreter berichteten in Medien von einem Mobbing-Problem an der Schule.

Eine offizielle Bestätigung der Todesursache sowie gesicherte Informationen zu möglichen Hintergründen gibt es bis heute nicht. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft, die wie in solchen Fällen üblich ein Todesermittlungsverfahren führt, ergab die Obduktion keine Hinweise auf Gewalteinwirkung durch Dritte.

Aus Sicht von Schulleiterin Walter steht fest: «Dass wir in einem schwierigen Umfeld sind, dass wir mit Sicherheit tagtäglich auch damit zu tun haben, dass es Konflikte gibt.» Sie könne auch bestätigen, dass es während ihrer Zeit als Schulleiterin «vier, fünf Mobbing-Fälle» gegeben habe.

«Aber wichtig ist auch hier, dass die Systeme greifen», so Walter. «Wir haben etwa alle sechs Wochen die Polizei präventiv im Haus.» Alle sechs Wochen säßen Jugendamt, Schulpsychologie, Sonderpädagogen, Schulleitung und Pädagogen an einem Tisch, «um gerade auch diese Schüler aufzufangen, wo es einfach problematisch ist».

Auch die Expertenanhörung im Abgeordnetenhaus war eine Reaktion auf den Todesfall. Fachleute aus Wissenschaft und Beratungsstellen machten dabei deutlich, dass Mobbing an Schulen oft vorkommt. Nötig seien eine Kultur der Offenheit, des Hinsehens, niederschwellige Beratungs- und Hilfsangebote.

Die Vorsitzende des Landesschülerausschusses, Eileen Hager, sagte: «Mobbing ist an den Schulen ein tagtägliches Phänomen.» Die Hemmschwelle sei unter anderem aufgrund der sozialen Medien gesunken. Vielfach werde das Problem nicht offen angesprochen.

«Das Thema Gewalt an Berliner Schulen ist für uns ein sehr relevantes Thema», versicherte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Mobbing sei eine schlimme Form von Gewalt, verbunden mit seelischen oder körperlichen Verletzungen. Dem müsse man konsequent entgegengetreten. Der Senat habe dazu in der Vergangenheit einiges angeschoben. Als Beispiele nannte sie Beratungsstellen und die Einstellung von 500 Schulsozialarbeitern.

Am Mittwoch hatte Scheeres ein weiteres Maßnahmepaket angekündigt. Unter anderem will sie einen Schüler als eine Art Anti-Mobbing- Beauftragten benennen. Geplant seien zudem verpflichtende Fortbildungen für Schulleitungen, eine Überarbeitung des Meldeverfahrens für Gewalt- und Mobbingvorfälle und ein Ausbau der Anti-Mobbing-Kurse für Eltern und pädagogisches Personal.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
28. 02. 2019
17:27 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Abgeordnetenhaus von Berlin Beratungsstellen Deutsche Presseagentur Gewalt Grundschulkinder Heilpädagogen Mobbing Mädchen Polizei SPD Sandra Scheeres Schulrektoren Schülerinnen und Schüler Senat von Berlin Todesursachen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Mahnwache

04.02.2019

Mobbing-Debatte nach ungeklärtem Tod einer Elfjährigen

Der Tod einer elfjährigen Schülerin schockiert die Hauptstadt. Wurde sie gemobbt? Viele Fragen sind noch offen. » mehr

Schule

28.03.2019

Privatschule darf Kind von AfD-Politiker ablehnen

Die Entscheidung einer Berliner Waldorfschule, das Kind eines AfD-Politikers abzulehnen, ist nach Einschätzung des Berliner Senats rein rechtlich völlig in Ordnung. » mehr

Johannes-Wilhelm Rörig, Franziska Giffey

21.04.2019

Kaum Interesse der Länder an eigenen Missbrauchsbeauftragten

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung hat die Länder aufgefordert, eigene Stellen nach seinem Vorbild einzurichten. Die Reaktionen dürften ihn nicht zufrieden stellen. » mehr

Gebäudesanierung

06.04.2019

Zehntausende protestieren in Städten gegen «Mietenwahnsinn»

Die Mietenentwicklung vor allem in den großen Städten kennt nur noch eine Richtung - aufwärts. Viele Menschen fürchten, sich ihre Wohnungen nicht mehr leisten zu können. In Berlin startet ein bislang einmaliges Vorhaben. » mehr

Gewalttat an Flensburger Schule vereitelt

03.04.2019

Schüler räumt bei Polizei geplante Gewalttat an Schule ein

Schock in Flensburg am letzten Schultag vor den Osterferien: Ein 17-Jähriger kündigt in einem Chat an, an seiner Schule Menschen töten zu wollen. Die Polizei kann den jungen Mann stoppen. » mehr

Spurensicherung

12.03.2019

Ali B. gesteht Tötung von Susanna vor Gericht

Der gewaltsame Tod der Schülerin Susanna sorgte mitten in der Flüchtlingskrise deutschlandweit für Aufsehen. Ein irakischer Asylbewerber soll das Mädchen vergewaltigt und umgebracht haben. Vor Gericht bittet Ali B. die E... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Eiersuche im Marktredwitzer Auenpark

Eiersuche im Marktredwitzer Auenpark | 22.04.2019 Marktredwitz
» 18 Bilder ansehen

Ü30-Osterparty Susi Weißenstadt

Ü30-Osterparty Susi Weißenstadt | 21.04.2019 Weißenstadt
» 23 Bilder ansehen

SpVgg Bayern Hof - TSV Aubstadt 2:0 Hof

SpVgg Bayern Hof - TSV Aubstadt 2:0 | 22.04.2019 Hof
» 60 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
28. 02. 2019
17:27 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".