Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom WochenendeHofer Filmtage 2019EhrenamtskampagneVER Selb

Brennpunkte

Schulleiterin sieht in toter Schülerin kein Mobbing-Opfer

War doch alles ganz anders? Seit Wochen diskutiert Berlin über Mobbing an Schulen. Anlass ist der Tod einer Schülerin. Nun sagt die Schulleiterin, dieser habe andere Ursachen.



Trauer um tote Schülerin
Stofftiere, Blumen und Kerzen liegen Anfang Februar vor dem Eingang der Grundschule in Berlin.   Foto: Paul Zinken

Der Tod einer elfjährigen Schülerin Ende Januar in Berlin geht nach Angaben der Schulleiterin nicht auf Mobbing zurück. «Die Schülerin, die verstorben ist, war kein Mobbing-Opfer», sagte Daniela Walter bei einer Anhörung zum Thema Mobbing im Bildungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses.

Dies hätten zahlreiche Gespräche etwa mit Mitschülern und Eltern aus der betroffenen Klasse bestätigt, ergänzte sie nach der Sitzung auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Sie habe nach dem Tod des Kindes in einem Krankenhaus von Anfang an mit den Eltern in engem Kontakt gestanden, berichtete Walter im Ausschuss. Dies sei der erste Kontakt mit der Familie während ihrer Tätigkeit als Schulleiterin überhaupt gewesen. Bis dahin habe es - etwa in Hinsicht auf mögliche Probleme des Kindes in der Schule - «keinen Gesprächsbedarf in irgendeiner Art» gegeben.

Walter betonte, die Familie des Mädchens habe bis heute nichts zur Todesursache gesagt. «Und das habe ich zu respektieren.» Sie bat darum, den Tod der Elfjährigen von der seither geführten Debatte um Mobbing an Schulen zu trennen: «Dass man nicht jetzt diesen Todesfall als Aufsprung nimmt, und irgendwas daraus macht. Das hat die Familie nicht verdient.» Am Donnerstag sei das Kind beigesetzt worden.

Der Tod des Mädchens, das die Hausotter-Grundschule in Berlin-Reinickendorf besuchte, war Anfang Februar bekanntgeworden. Er hatte viele Menschen erschüttert und eine breite Debatte ausgelöst. Medien gingen der Frage nach, ob Mobbing an ihrer Schule zu einem Suizidversuch der Grundschülerin geführt haben könnte. Elternvertreter berichteten in Medien von einem Mobbing-Problem an der Schule.

Eine offizielle Bestätigung der Todesursache sowie gesicherte Informationen zu möglichen Hintergründen gibt es bis heute nicht. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft, die wie in solchen Fällen üblich ein Todesermittlungsverfahren führt, ergab die Obduktion keine Hinweise auf Gewalteinwirkung durch Dritte.

Aus Sicht von Schulleiterin Walter steht fest: «Dass wir in einem schwierigen Umfeld sind, dass wir mit Sicherheit tagtäglich auch damit zu tun haben, dass es Konflikte gibt.» Sie könne auch bestätigen, dass es während ihrer Zeit als Schulleiterin «vier, fünf Mobbing-Fälle» gegeben habe.

«Aber wichtig ist auch hier, dass die Systeme greifen», so Walter. «Wir haben etwa alle sechs Wochen die Polizei präventiv im Haus.» Alle sechs Wochen säßen Jugendamt, Schulpsychologie, Sonderpädagogen, Schulleitung und Pädagogen an einem Tisch, «um gerade auch diese Schüler aufzufangen, wo es einfach problematisch ist».

Auch die Expertenanhörung im Abgeordnetenhaus war eine Reaktion auf den Todesfall. Fachleute aus Wissenschaft und Beratungsstellen machten dabei deutlich, dass Mobbing an Schulen oft vorkommt. Nötig seien eine Kultur der Offenheit, des Hinsehens, niederschwellige Beratungs- und Hilfsangebote.

Die Vorsitzende des Landesschülerausschusses, Eileen Hager, sagte: «Mobbing ist an den Schulen ein tagtägliches Phänomen.» Die Hemmschwelle sei unter anderem aufgrund der sozialen Medien gesunken. Vielfach werde das Problem nicht offen angesprochen.

«Das Thema Gewalt an Berliner Schulen ist für uns ein sehr relevantes Thema», versicherte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Mobbing sei eine schlimme Form von Gewalt, verbunden mit seelischen oder körperlichen Verletzungen. Dem müsse man konsequent entgegengetreten. Der Senat habe dazu in der Vergangenheit einiges angeschoben. Als Beispiele nannte sie Beratungsstellen und die Einstellung von 500 Schulsozialarbeitern.

Am Mittwoch hatte Scheeres ein weiteres Maßnahmepaket angekündigt. Unter anderem will sie einen Schüler als eine Art Anti-Mobbing- Beauftragten benennen. Geplant seien zudem verpflichtende Fortbildungen für Schulleitungen, eine Überarbeitung des Meldeverfahrens für Gewalt- und Mobbingvorfälle und ein Ausbau der Anti-Mobbing-Kurse für Eltern und pädagogisches Personal.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
28. 02. 2019
17:27 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Abgeordnetenhaus von Berlin Beratungsstellen Deutsche Presseagentur Gewalt Grundschulkinder Heilpädagogen Mobbing Mädchen Polizei SPD Sandra Scheeres Schulrektoren Schülerinnen und Schüler Senat von Berlin Todesursachen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Mahnwache

04.02.2019

Mobbing-Debatte nach ungeklärtem Tod einer Elfjährigen

Der Tod einer elfjährigen Schülerin schockiert die Hauptstadt. Wurde sie gemobbt? Viele Fragen sind noch offen. » mehr

Ferienverkehr auf der Autobahn

16.10.2019

Länder streiten über Sommerferienregelung

Für viele sind sie die schönste Zeit des Jahres: Doch wann genau sich Schüler auf die Sommerferien freuen können, ändert sich in den meisten Bundesländern von Jahr zu Jahr. Nun wollen einige neue Wege gehen. » mehr

Gewalt in der Schule

03.07.2019

Viele Schüler erleben Ausgrenzung und Gewalt

Viele Kinder und Jugendliche fühlen sich in ihrer Schule nicht sicher, sagen sie selbst in einer bundesweiten Befragung. Weiteres ernüchterndes Ergebnis: Hänseleien und Gewalt kennen die meisten. » mehr

Ölheizung

20.09.2019

Koalition einigt sich auf CO2-Preis und Pendler-Entlastung

Rund 20 Stunden ringen Union und SPD um einen Plan, der die deutschen Klimaziele erfüllen soll. Parallel machen auch Tausende Demonstranten dafür mobil. Nun ist das Konzept da - nicht allen reicht das aber. » mehr

Mietendeckel in Berlin

19.10.2019

Mietenrevolution in Berlin: Staat packt Deckel drauf

In Berlin sollen Mieten zeitweise vom Staat gedeckelt werden. Damit betritt die Hauptstadt politisch und vor allem rechtlich Neuland. Wie soll das funktionieren? » mehr

Schule

28.03.2019

Privatschule darf Kind von AfD-Politiker ablehnen

Die Entscheidung einer Berliner Waldorfschule, das Kind eines AfD-Politikers abzulehnen, ist nach Einschätzung des Berliner Senats rein rechtlich völlig in Ordnung. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Leerstände in Helmbrechts

Leerstände in Helmbrechts | 21.10.2019 Helmbrechts
» 18 Bilder ansehen

2000er-Party Weißenstadt

2000er-Party Susi Weißenstadt | 19.10.2019 Weißenstadt
» 46 Bilder ansehen

Fightnight Plauen mit Etem Bayramoglu Plauen

Fightnight Plauen mit Etem Bayramoglu | 19.10.2019 Plauen
» 69 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
28. 02. 2019
17:27 Uhr



^