Lade Login-Box.
Topthemen: BlitzerwarnerHofer Volksfest 2019Video: Lagerleben Collis Clamat

Brennpunkte

Sechs Jahre Haft für Kardinal Pell wegen Missbrauchs

Als Finanzchef war Kardinal Pell die Nummer drei des Vatikans. Wegen sexuellen Missbrauchs von zwei Chorknaben bekommt der 77-Jährige nun sechs Jahre Haft. Er hofft auf die Berufung.



Sechs Jahre Haft
Demonstranten stehen vor dem County Court, nachdem das Urteil gegen Kardinal Pell verkündet wurde. Der ehemalige Finanzchef des Vatikans ist wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen zu sechs Jahren Haft verurteilt worden.   Foto: Daniel Pockett/AAP

Wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen ist der ehemalige Finanzchef des Vatikans, Kardinal George Pell, zu sechs Jahren Haft verurteilt worden.

Der 77-jährige Australier nahm die Entscheidung eines Gerichts in Melbourne ohne sichtbare Regung zur Kenntnis. Er streitet alle Vorwürfe bis heute ab. Der ehemalige Vertraute von Papst Franziskus geht gegen das Urteil in Berufung und hofft auf einen Freispruch.

Pell ist in der Geschichte der katholischen Kirche der ranghöchste Geistliche, der jemals wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen verurteilt wurde. Als Finanzchef war er praktisch die Nummer drei des Vatikans. Der Kirchenstaat will nun abwarten, was die Berufung bringt, bevor er über weitere Konsequenzen entscheidet. Möglich wäre, dass Pell seine Titel verliert und auch nicht Priester bleiben darf.

Der Kurienkardinal war bereits im Dezember von einem Geschworenengericht in Melbourne für schuldig befunden worden, 1996/97 zwei damals 13 Jahre alte Chorknaben missbraucht zu haben. Einen der Jungen zwang er nach Überzeugung des Gerichts zum Oralsex. Zu jener Zeit war Pell Erzbischof der australischen Millionenmetropole. Später machte er dann Karriere im Vatikan.

Mit seinem Urteil blieb der Vorsitzende Richter Peter Kidd deutlich unter der möglichen Höchststrafe von 50 Jahren. Strafmindernd wertete er unter anderem Pells Alter, seine Gesundheit und seine Lebensleistung. Er legte jedoch fest, dass der Geistliche frühestens nach drei Jahren und acht Monaten aus dem Gefängnis entlassen werden darf - also Ende 2023. Zudem wurde sein Name ins australische Register für Sexualstraftäter eingetragen.

Richter Kidd hielt Pell vor, seine einflussreiche Stellung missbraucht und Vertrauen gebrochen zu haben. Wörtlich sprach er von «atemberaubender Arroganz». Zugleich wies er Vorwürfe zurück, Australiens prominentester Katholik solle zum «Sündenbock» für Verfehlung der gesamten Kirche gemacht werden. In den vergangenen Jahrzehnten hatte es in Australien Zehntausende Missbrauchsfälle gegeben, was erst nach und nach ans Licht kam.

Die Verlesung des Urteils ließ der Richter über eine Kamera im Gerichtssaal live übertragen. Während des Prozesses hatte er eine extrem strike Nachrichtensperre verhängt, die praktisch jede Berichterstattung unmöglich machte. Anschließend wurde Pell von sechs Polizeibeamten aus dem Saal geführt und zurück ins Gefängnis gebracht. Dort sitzt er bereits seit Ende Februar. Der Kardinal und seine Anwälte gaben keinerlei Kommentar ab.

Von den beiden Chorknaben ist nur noch einer am Leben. Der heute 35 Jahre alte Mann - dessen Name vom Gericht nicht genannt wurde - war in dem Prozess der entscheidende Belastungszeuge. Er ließ am Mittwoch eine Erklärung verbreiten. Darin heißt es: «Alles wird überschattet von der bevorstehenden Berufung. Ich warte wie jeder Andere darauf, wie sie ausgeht.»

Als Finanzchef war Pell praktisch die Nummer drei des Vatikans. Der Australier gehörte auch zu den engsten Beratern des Papstes. Wegen der Vorwürfe ließ er sich 2017 beurlauben. Offiziell war er als Finanzchef jedoch noch bis Februar im Amt. Der Vatikan hatte im vergangenen Monat erklärt, auf sofortige Konsequenzen zu verzichten. Der Kirchenstaat will das Berufungsverfahren abwarten. Pell ist also immer noch Priester und Kardinal.

Der Vatikan hat jedoch ein Verfahren eingeleitet. Der Fall wird nun von der Kongregation für die Glaubenslehre geprüft, einer Zentralbehörde der römisch-katholischen Kirche. Im Fall von Missbrauchsvorwürfen kann sie Untersuchungen einleiten, die im äußersten Fall zum Ausschluss eines Beschuldigten aus dem Priesterstand führen können. Dies ist die Höchststrafe in der katholischen Kirche.

Der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller kritisierte Pells Verurteilung. «Ich weiß auch nicht mehr als das, was in den Medien berichtet wird. Es ist aber schlimm, wenn nicht die Wahrheit die Reaktion der Menschen bestimmt, sondern die Parteilichkeit der Ideologie, der einer folgt», sagte Müller der Deutschen Presse-Agentur in Rom. «Wie kann jemand für eine nicht bewiesene Tat verurteilt werden gerade auch mit Blick darauf, dass schon viele Menschen im Gefängnis waren, deren Unschuld sich später herausstellte.»

Wegen weltweiter Missbrauchsskandale steht Papst Franziskus derzeit stark unter Druck, hart gegen Täter in den eigenen Reihen vorzugehen. Ein historisches Gipfeltreffen im Vatikan mit den Spitzen der Bischofskonferenzen der Welt ging Ende Februar allerdings ohne konkrete Maßnahmen zu Ende. Diese Woche beschäftigt sich auch die Deutsche Bischofskonferenz mit dem Thema Missbrauch.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
13. 03. 2019
13:52 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Chorknaben Deutsche Presseagentur George Pell Gerhard Ludwig Müller Justizvollzugsanstalten Kardinäle Ludwig Müller Papst Franziskus I. Römisch-katholische Kirche Sexueller Missbrauch Vatikan
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Theodore McCarrick

16.02.2019

Papst entlässt früheren Erzbischof von Washington

Er war einer der einflussreichsten Kirchenmänner der USA: Nun ist der frühere Erzbischof von Washington wegen sexuellen Missbrauchs aus dem Klerikerstand verbannt worden. Nächste Woche steht zu diesem dunklen Kapitel in ... » mehr

Katholische Kirche

22.02.2019

Kirche ringt um Antworten auf Missbrauchsskandal

Wie will die katholische Kirche herausfinden aus der Krise um den massenhaften Missbrauch von Kindern? Auf dem Gipfeltreffen im Vatikan gibt es Vorschläge, Diskussionen, klare Schuldeingeständnisse. Doch gefordert wird n... » mehr

Papst Franziskus

18.02.2019

Die Stunde der Wahrheit: Das Missbrauchstreffen im Vatikan

Seit Jahren verspricht die katholische Kirche, Missbrauchsskandale aufzuarbeiten. Reue alleine reicht nicht mehr. Der Papst lädt nun zu einem noch nie da gewesenen Gipfel in den Vatikan. Für Franziskus steht nicht nur se... » mehr

George Pell

26.02.2019

Früherer Papst-Vertrauter Pell wegen Missbrauchs verurteilt

Als Finanzchef war der australische Kardinal George Pell einer der höchsten Männer im Vatikan. Jetzt ist der einstige Papst-Vertraute wegen Kindesmissbrauchs verurteilt worden. Ihm drohen viele Jahre Haft - doch der Vati... » mehr

Deutsche Bischofskonferenz

13.03.2019

Kirche will mit unabhängigen Beratungsstellen kooperieren

Die Erwartungen an die katholische Kirche zum Umgang mit den Missbrauchsfällen sind hoch. Missbrauchsbeauftragter Ackermann verkündete am Mittwoch aus Kritikersicht nur wenig Neues. » mehr

Papst Franziskus

23.02.2019

Missbrauchsskandale: Druck auf den Papst wächst

Für Papst Franziskus und die katholische Kirche steht viel auf dem Spiel. Was kann die beispiellose Anti-Missbrauchskonferenz in Bewegung setzen? Vorschläge und Appelle gibt es viele, wie Missbrauch verhindert und aufgea... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Bauarbeiten an der Radarstation der Bundeswehr am Döbraberg

Bauarbeiten an der Radarstation der Bundeswehr am Döbraberg | 20.08.2019 Döbraberg
» 11 Bilder ansehen

SonneMondSterne Saalfeld

SonneMondSterne-Festival | 10.08.2019 Saalburg
» 122 Bilder ansehen

SpVgg Bayern Hof - Viktoria Kahl 2:0

SpVgg Bayern Hof - Viktoria Kahl 2:0 | 17.08.2019 Hof
» 120 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
13. 03. 2019
13:52 Uhr



^