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Sechs Tote beim schlimmsten Zugunglück in Dänemark seit 1988

Ein heftiger Sturm über Skandinavien löst das schwerste Zugunglück in Dänemark seit drei Jahrzehnten aus. Auf einer Brücke schleudert der Wind offenkundig Ladung eines entgegenkommenden Güterzuges gegen einen Passagierzug. Sechs Menschen sterben.



Zugunglück in Dänemark
Ein Zug hält auf der Brücke über den Großen Belt bei Nyborg nach einem Zugunglück. Die dänische Polizei berichtet, dass mehrere Menschen bei dem Zugunglück getötet wurden.   Foto: Tim K. Jensen » zu den Bildern

Der Zug erscheint am Mittwochmorgen vielen Reisenden als das sicherste Verkehrsmittel auf ihrem Weg in Richtung Kopenhagen. Denn zu diesem Zeitpunkt zieht schon seit Stunden ein heftiger Sturm über Dänemark hinweg.

Der Fährverkehr ist eingeschränkt, die beiden großen Brücken des Landes sind für den Autoverkehr gesperrt. Der Zugverkehr an der Brücke über den Großen Belt (Storebælt) läuft indes normal - sie wird erst ab einer Windgeschwindigkeit von 90 Kilometern pro Stunde für alle Verkehrmittel gesperrt. Dann passiert etwas, das sechs Reisenden den Tod bringt: Der Zug macht kurz hinter Nyborg eine Vollbremsung, Gepäck fliegt durch die Waggons, Fahrgäste werden zu Boden geworfen.

«Plötzlich begann der Zug zu wackeln», erzählt Augenzeuge Simon Voldsgaard Tøndering der Zeitung «Politiken». «Ich habe aus dem Fenster geschaut und Funken an den Seiten des Zuges schlagen gesehen. Glasscherben sind auf uns zugeflogen, die Deckenplatten lösten sich. Und dann wurde alles schwarz.»

Etwas hat den Zug getroffen. Zunächst ist unklar, was es war. Der Zug fährt sogar noch ein Stück weiter, bis er im westlichen Bereich der Brücke zum Stehen kommt - mit 131 Passagieren und drei Besatzungsmitgliedern an Bord.

Die Havariekommission vermutet später, dass die Ladung eines entgegenkommenden Güterzuges das Unglück ausgelöst haben könnte. Der Zug der Bahn-Tochter DB Cargo transportierte Leergut der Brauerei Carlsberg. Die Waggons waren mit Bierkisten beladen und hatten teilweise Planen anstelle von festen Wänden.

«Auf einem der Güterwaggons befand sich ein leerer Lastwagenanhänger, der herunterfiel», sagt Bo Haaning von der Havariekommission dem Dänischen Rundfunk. «Entweder hat er den Zug getroffen, oder der Zug ist hineingefahren.» Er könne nicht sagen, ob der Anhänger den Unfall selbst verursacht hat oder ob der Zug auch von anderen Gegenständen getroffen wurde.

Eine Aufarbeitung der Unglücksursache dürfte noch Wochen, möglicherweise auch Monate dauern. Die Deutsche Bahn sagt den dänischen Behörden vor Ort umgehend ihre Unterstützung zu.

Die Bilanz: Sechs Tote, 16 Menschen verletzt. Ob Ausländer unter den Opfern sind, kann eine Polizeisprecherin der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch noch nicht sagen. Auch über Alter und Geschlecht der Opfer wird zunächst nichts bekannt. Die Polizei bittet alle Reisenden des Zuges, sich zu melden.

Die Nachrichtenagentur Ritzau berichtet, es handele sich um das schwerwiegendste Zugunglück in Dänemark seit 1988. Damals waren in Sorø acht Menschen ums Leben gekommen sowie 72 verletzt worden.

Dänemarks Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen reagiert betroffen: «Ganz normale Dänen, auf dem Weg zur Arbeit oder auf der Heimreise von den Weihnachtsferien, haben ihr Leben verloren. Es ist zutiefst unglücklich.» Auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker richtet Familien und Freunden der Opfer sein Beileid aus. Die dänische Königin Margrethe II. erklärte auf der Webseite des Königshauses. «Meine Gedanken und mein tiefstes Mitgefühl gehen sowohl an die Hinterbliebenen und ihre Familien als auch an die Verletzten.»

Die Folgen des Unglücks für den Verkehr sind am Mittwoch enorm. Die 18 Kilometer lange Brücke verbindet die dänischen Inseln Fünen (Fyn) und Seeland (Sjælland) und ist damit einer der wichtigsten Verkehrswege Dänemarks, auf Seeland liegt auch Kopenhagen. Der Zugverkehr ist für den Rest des Tages unterbrochen. Für den Autoverkehr wird die Brücke am Mittag wieder freigegeben. Am Nachmittag muss sie wegen des starken Verkehrs Richtung Fünen aber zeitweise wieder gesperrt werden.

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dpa

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Veröffentlicht am:
02. 01. 2019
17:02 Uhr

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