Lade Login-Box.
Topthemen: HitzewelleHofer Volksfest 2019Bilder vom WochenendeGerch

Brennpunkte

Spahn begrüßt Debatte über Bluttests vor der Geburt

Es ist eine sensible Frage, über die der Bundestag grundsätzlich diskutieren will: Wie weit soll man mit Gen-Untersuchungen zur Gesundheit ungeborener Kinder gehen? Erste Positionen werden klar.



Schwangerschaft
Eine Hebamme tastet den Bauch einer schwangeren Frau ab.   Foto: Caroline Seidel/Illustration

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat eine grundlegende ethische Debatte über Bluttests für Schwangere etwa auf ein Down-Syndrom des Kindes begrüßt.

«Die Frage, welche Entscheidung aus einem solchen Ergebnis kommt, die können wir als Gesellschaft mit beeinflussen», sagte er am Montag in einem «Bild»-Interview. «Das wünsche ich mir, dass wir sagen: Es ist völlig ok, wie ihr Euch entscheidet, wir helfen bei jeder Entscheidung.» Vor einer für diesen Donnerstag geplanten Bundestagsdebatte sprach sich die CDU-Spitze für intensive Begleitung und Aufklärung mit Blick auf die Tests aus.

Zur Frage, ob Bluttests künftig von den Krankenkassen bezahlt werden sollen, wurden bereits unterschiedliche Positionen deutlich. Spahn zeigte sich offen dafür und verwies auf höhere Risiken bei ebenfalls möglichen Fruchtwasseruntersuchungen, die bereits Kassenleistung sind. «Allein schon um Risiko zu minimieren, kann man dann eben auch sagen, müssen die Kassen es zahlen.» Dies entscheide aber nicht die Politik, sondern der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken. Hierzu läuft derzeit ein Verfahren.

Seit 2012 werden Schwangeren vorgeburtliche Bluttests angeboten, die unter anderem untersuchen, ob das Kind mit Down-Syndrom auf die Welt kommen würde. Lange hatte sich dies zuvor während der Schwangerschaft nur mit einer Fruchtwasseruntersuchung abschätzen lassen. Bisher sind die rund 130 Euro teuren Bluttests meist selbst zu zahlen.

Auch CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak sagte, er persönlich sei für eine Kassenfinanzierung. Zugleich betonte er nach einer Diskussion über das Thema im CDU-Präsidium, Beratung und Betreuung von Eltern, die diesen Test machen, müssten «immer Ja sagen zu Leben». Jedes Leben sei gleich viel Wert und besitze die gleiche Würde, «egal ob mit Down-Syndrom oder mit einer anderen Beeinträchtigung». Kanzlerin Angela Merkel und CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hätten in der Sitzung nicht zu erkennen gegeben, zu welcher Option sie tendierten, sagte Ziemiak. Die CDU wolle in ihrer Debatte über ein neues Grundsatzprogramm darüber weiter offen diskutieren - eine Parteivorgabe solle es nicht geben.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident und CDU-Bundesvize Armin Laschet sagte: «Ich finde, die Kassen sollten das nicht finanzieren. Das Signal, dass man im Vorfeld über die Wertigkeit von Leben urteilt, halte ich für falsch.» Er sprach aber von einer «sehr persönlichen Gewissensentscheidung», die jeder Bundestagsabgeordnete fällen müsse. Es sei gut, diese Debatte nun öffentlich zu führen.

Die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) begrüßten ebenfalls eine gesellschaftliche Diskussion über die Bluttests. «Diese grundlegende ethische Debatte gehört in den Deutschen Bundestag, dort muss entschieden werden», sagte die Chefin des GKV-Spitzenverbands, Doris Pfeiffer. Das Parlament will sich am Donnerstag in einer offenen «Orientierungsdebatte» ohne Fraktionsvorgaben mit den Tests befassen. Konkrete Anträge zur Sache könnten dann in nächsten Schritten folgen.

Mehr als 100 Bundestagsabgeordnete haben sich für eine Klärung grundlegender ethischer Fragen stark gemacht. Sie verweisen auch auf weitere Fortschritte von Gendiagnosen - deswegen sei in der Gesellschaft zu klären, wie mit solchen Erkenntnissen umzugehen sei. Menschen mit Down-Syndrom würden mit ihrer Sicht auf ihr Leben und die Tests bisher zu wenig in die Diskussion einbezogen, hieß es in einem Papier, das Parlamentarier von Union, SPD, Grünen, Linken und FDP im Oktober vorgelegt hatten.

Bei einem Down-Syndrom haben Menschen in jeder Zelle ein Chromosom mehr als andere Menschen. Das Chromosom 21 ist dreifach vorhanden, daher auch die Bezeichnung Trisomie 21. Folgen sind körperliche Auffälligkeiten und eine verlangsamte motorische, geistige und sprachliche Entwicklung. Die Ausprägungen sind aber sehr unterschiedlich.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
08. 04. 2019
17:15 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Annegret Kramp-Karrenbauer Armin Laschet Bundeskanzlerin Angela Merkel Bundestagsabgeordnete Bundestagsdebatten CDU CDU-Generalsekretär Chromosomen Deutscher Bundestag Down-Syndrom Ethik und Moral FDP Gesetzliche Krankenversicherung Jens Spahn Krankenkassen Nordrhein-Westfälische Ministerpräsidenten SPD
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Annegret Kramp-Karrenbauer

11.06.2019

Brinkhaus-Äußerungen zu Kanzlerkandidatur sorgen für Wirbel

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Unionsfraktionschef Brinkhaus will die angeschlagene CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer offensichtlich stützen - und löst damit eine heftige Debatte aus. » mehr

Andrea Nahles

27.05.2019

Nahles stellt sich Neuwahl als Fraktionschefin

Andrea Nahles tritt nach den SPD-Wahlniederlagen die Flucht nach vorne an. Personalquerelen will sie beenden - und stellt sich an der Fraktionsspitze zur Neuwahl. » mehr

CDU

01.11.2018

Spahn verspricht «Neustart» - Kramp-Karrenbauer wartet noch

Wie regelt die CDU die Nachfolge von Angela Merkel? Per Urabstimmung, so wie es die SPD schon vorgemacht hat? Oder sollen allein die Delegierten auf dem Parteitag entscheiden? Die meiste Aufmerksamkeit haben bislang die ... » mehr

Annegret Kramp-Karrenbauer

02.06.2019

CDU-Spitze will Desaster bei der Europawahl aufarbeiten

Die Europawahl als erster Stimmungstest für die neue Parteichefin wurde zum Desaster. Nun will die CDU-Spitze um Annegret Kramp-Karrenbauer die Lage aufarbeiten. Aber auch wegen eines anderen Themas dürfte AKK dabei krit... » mehr

Annegret Kramp-Karrenbauer

24.06.2019

CDU-Spitze will Zusammenarbeit mit AfD mit Härte verhindern

Immer wieder gibt es gerade in der ostdeutschen CDU Gedankenspiele einer Öffnung hin zu den Rechtspopulisten von der AfD. Die Parteiführung versucht nun erneut, dem einen Riegel vorzuschieben. » mehr

Solarkraft-Komplex in Marokko

29.04.2019

Koalitionsstreit um den Klimaschutz: Kommt die CO2-Steuer?

Um beim Klimaschutz voranzukommen, könnte es eine neue Steuer auf den Ausstoß von Treibhausgasen geben - und eine Rückzahlung an die Bürger. Doch der CO2-Preis spaltet die Koalition: Die SPD will ihn, die CSU sagt nein, ... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Unfall mit Rettungswagen in Weißenstadt

Unfall mit Rettungswagen | 26.06.2019 Weißenstadt
» 27 Bilder ansehen

Rock im Hof 2019

Rock im Hof 2019 | 20.06.2019 Hof
» 98 Bilder ansehen

FC Vorwärts Röslau - SpVgg Bayern Hof 4:5

FC Vorwärts Röslau - SpVgg Bayern Hof 4:5 | 23.06.2019 Röslau
» 84 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
08. 04. 2019
17:15 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".