Lade Login-Box.
Topthemen: VER SelbFotos: Erstklässler in der RegionBlitzerwarnerBilder vom Wochenende

Brennpunkte

Startschuss für die umstrittene Operation Zucker-Reduktion

Im Kampf gegen Dickmacher mit vielen Kalorien hat die Bundesregierung die Lebensmittelbranche grundsätzlich ins Boot bekommen. Erste konkrete Ziele liegen nun auf dem Tisch. Kritikern reicht das nicht.



Julia Klöckner
Julia Klöckner (CDU), Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, setzt sich für gesunde Ernährung ein.   Foto: Christian Charisius

Weniger Zucker im Kinder-Müsli, nicht mehr so viel Salz in der Tiefkühlpizza: Für den Kampf gegen Übergewicht sollen viele Fertigprodukte bis 2025 allmählich neue Rezepturen bekommen.

Das Bundeskabinett verabschiedete am Mittwoch eine «Reduktions- und Innovationsstrategie» von Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU), die dafür umstrittene Vereinbarungen mit den Herstellern vorsieht. Laut ersten Zusagen sollen zum Beispiel Kinder-Joghurts mit mindestens 10 Prozent weniger Zucker auskommen. Von Verbraucherschützern kam teils scharfe Kritik an dem Modell auf freiwilliger Basis.

Klöckner sagte, sie setze bewusst auf Selbstverpflichtungen und nicht auf starre gesetzliche Maßnahmen und «Einheitsrezepte». Dabei gelte für die Zielvereinbarungen mit den beteiligten Branchen: «Jeder muss liefern, und jeder wird auch liefern.» Nachdem ein erster Anlauf in der vergangenen Wahlperiode angesichts massiver Widerstände der Wirtschaft gescheitert war, ziehe die nun mit. Es werde sogar einen «Positivwettbewerb» der Anbieter geben, prophezeite die Ministerin.

Erreicht werden soll die schrittweise Reduzierung über Vereinbarungen bis 2025. Dafür liegen nun erste konkrete Ziele vor, die Hersteller erfüllen wollen. So soll der Zuckergehalt in Erfrischungsgetränken wie Limonaden und Cola um 15 Prozent herunter, in Frühstückscerealien für Kinder um mindestens 20 Prozent. Brot mit besonders hohem Salzgehalt soll mit weniger davon auskommen, auch Fertigpizzen sollen nach und nach weniger Salz enthalten - konkret beziffert ist dies noch nicht.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisierte, Klöckner belasse es trotz massiver Gesundheitsprobleme dabei, bei der Industrie lieb «Bitte-bitte» zu sagen. Die nun nur freiwillig gesetzten Ziele seien viel zu lasch, sagte Geschäftsführer Martin Rücker: «Überzuckerte Frühstücksflocken mit 20 Prozent weniger Zucker bleiben immer noch überzuckerte Frühstücksflocken.» Der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller, sagte, der Versuch verdiene eine Chance, mit Selbstverpflichtungen schnelle Fortschritte zu erzielen. Bisherige Erfahrungen gäben aber Anlass zu Skepsis. Vieles sei noch vage und müsse konkreter werden - nicht nur für Kinderlebensmittel.

Starten soll die Umsetzung ab Anfang 2019, wie das Ministerium plant. Fortschritte sollen dann regelmäßig beobachtet und auch über eine Internetplattform transparent gemacht werden. Inwiefern Kunden dort konkret nach «ihrer» Pizza suchen können oder nur allgemeinere Angaben gemacht werden, steht noch nicht fest. Eine erste Bilanz soll im Herbst kommen. Ausgangsbasis sind dabei Daten des bundeseigenen Max-Rubner-Instituts für Ernährung und Lebensmittel mit Stand 2016. Es hat eine Datenbank zum Energie- und Nährstoffgehalt von 12 500 oft gekauften und vorgefertigten Produkten. Zudem wurde in diesem Jahr der Zuckergehalt von 1750 Erfrischungsgetränken registriert.

Dass Handlungsbedarf besteht, bestreitet kam jemand. In Deutschland gelten laut Ministerium 47 Prozent der Frauen, 62 Prozent der Männer und 15 Prozent der Kinder als übergewichtig. Zu viel Zucker, Fett und Salz erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Mediziner und Verbraucherschützer fordern seit langem ein stärkeres Gegensteuern etwa mit Werbebeschränkungen oder Extra-Steuern.

Der Spitzenverband der Lebensmittelwirtschaft (BLL) wies darauf hin, dass die Reduktion eine enorme Herausforderung sei, damit Qualität und vor allem der Geschmack erhalten bleiben. Dass das Ministerium bei nicht zufriedenstellenden Ergebnissen weitere Schritte ins Auge fasst, sehe man «sehr kritisch». Grünen-Ernährungsexpertin Renate Künast sprach von einem «Geschenk der Bundesministerin an die Lebensmittelkonzerne». Dagegen nannte FDP-Fraktionsvize Frank Sitta freiwillige Selbstverpflichtungen «durchaus den richtigen Weg».

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
19. 12. 2018
17:35 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bundeskabinett CDU Deutsche Presseagentur Erfrischungsgetränke Foodwatch Julia Klöckner Klaus Müller Kritiker Kämpfe Lebensmittelkonzerne Lebensmittelwirtschaft Renate Künast Ziele Zucker
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Nährwert-Logo

14.08.2019

Wahlkampf um das neue Nährwert-Logo

In welchem Joghurt sind weniger «Dickmacher»? Welche Tiefkühlpizza hat mehr Fett? Verbraucher sollen das leichter auf der Packung sehen können - doch wie? Ein von vielen favorisiertes Siegel bekommt durch das Ergebnis ei... » mehr

Mehrwertsteuer auf Fleisch

07.08.2019

Streit über höhere Mehrwertsteuer auf Fleisch

Die Haltungsbedingungen für Schweine, Geflügel und Rinder stehen seit längerem in der Kritik - gerade in Riesenställen. Sollte der Staat Fleisch für einen maßvolleren Konsum und mehr Tierwohl teurer machen? » mehr

Fertigpizza. Symbolfoto.

16.10.2018

Weniger Fett und Salz: Fertiggerichte sollen gesünder werden

Im Kampf gegen «Dickmacher» mit vielen Kalorien will die Bundesernährungsministerin die Lebensmittelbranche ins Boot bekommen. Nun liegt ein Plan vor. Kritiker sind davon aber nicht begeistert. » mehr

Currywurst mit Pommes frites

09.01.2019

Genuss und Gewissen: Wie die Deutschen essen (wollen)

Was gesund ist und was nicht, davon haben die meisten zumindest eine Idee. Stolze 91 Prozent der Deutschen sagen, beim Essen sei ihnen die Gesundheit wichtig. Und was kommt wirklich auf den Teller? Die Bundesregierung lä... » mehr

Söder und Scholz im Kanzleramt

20.09.2019

Koalition einigt sich auf CO2-Preis und Pendler-Entlastung

Rund 20 Stunden ringen Union und SPD um einen Plan, der die deutschen Klimaziele erfüllen soll. Parallel machen auch Tausende Demonstranten dafür mobil. Nun ist das Konzept da - nicht allen reicht das aber. » mehr

Glyphosat-Verbot ab Ende 2023

04.09.2019

Groko will Glyphosat-Aus Ende 2023 und neues Tierwohl-Logo

Ohne Bienen und andere Insekten läuft in der Landwirtschaft wenig. Aber viel, was Bauern auf Feldern versprühen, schadet den Nützlingen. Die Regierung will gegensteuern - und beschließt ein ganzes Paket für eine schonend... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Weltkindertag im Wittelsbacher Park Hof

Weltkindertag im Wittelsbacher Park Hof | 22.09.2019 Hof
» 90 Bilder ansehen

Bowlingbahn Kirchenlamitz Opening

Bowlingbahn Kirchenlamitz Opening | 22.09.2019 Kirchenlamitz
» 61 Bilder ansehen

SpVgg Bayern Hof - TSV Abtswind 3:2 Hof

SpVgg Bayern Hof - TSV Abtswind 3:2 | 21.09.2019 Hof
» 115 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
19. 12. 2018
17:35 Uhr



^