Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Jubiläumsgewinnspiel "75 Jahre Frankenpost"WohnzimmerkunstBlitzerwarnerCoronavirus

Brennpunkte

Sudans Ex-Präsident Al-Baschir wegen Korruption verurteilt

30 Jahre war Omar al-Baschir im Sudan unantastbar. Dann wurde er als Staatschef gestürzt. Zwar wirft ihm das Weltstrafgericht Völkermord vor. Aber in seiner Heimat ist er nun nur wegen Korruption verurteilt worden. Muss er sich bald für schwerwiegendere Taten verantworten?



Omar al-Baschir
Der sudanesische Ex-Präsident Omar al-Bashir ist wegen Korruption, Devisenvergehen und der illegalen Anhäufung von Vermögen verurteilt worden.   Foto: Burhan Ozbilici/AP/dpa

Ein Gericht im Sudan hat den früheren Langzeitmachthaber Omar al-Baschir wegen Korruption zu zwei Jahren Arrest verurteilt. Darüber hinaus ist der Ex-Präsident, der im April vom Militär gestürzt worden war, für Devisenvergehen und die illegale Anhäufung von Vermögen für schuldig befunden worden.

Der 75-Jährige soll wegen seines Alters nicht in einem Gefängnis, sondern in einer besonderen Strafanstalt für ältere Menschen untergebracht werden. Der Korruptions- und Geldwäscheprozess gegen ihn hatte Mitte August unter hohen Sicherheitsvorkehrungen in der Hauptstadt Khartum begonnen.

Ein Mitglied des Verteidigerteams sagte der dpa, man ziehe in Betracht, gegen das Urteil in Berufung zu gehen. Mit harter Hand hatte Al-Baschir den Sudan fast 30 Jahre lang regiert, bis er im April dieses Jahres gestürzt wurde. Dem Putsch waren monatelange Massenproteste vorausgegangen, gegen die Sicherheitskräfte teilweise brutal vorgingen.

Im Juli einigten sich dann das Militär und die zivile Opposition auf eine Übergangsregierung, die den Weg für Wahlen in drei Jahren ebnen soll. Das Land wird nun von einem Souveränen Rat - der aus Militärs und Zivilisten besteht - sowie einem Kabinett regiert. Der Sudan im Nordosten Afrikas mit seinen 42 Millionen Einwohnern gehört zu den 25 ärmsten Ländern der Welt. Al-Baschir verfolgte die Urteilsverkündung in einem Maschendrahtkäfig, gekleidet in ein traditionelles weißes Gewand und einen Turban. Der früher stets selbstbewusst wirkende Ex-Machthaber schien nervös. Eine Reihe von Anhängern unterbrach die Urteilsverkündung zwischenzeitlich mit Sprechchören, Sicherheitsleute führten sie schließlich aus dem Saal.

Solange noch andere Strafverfahren gegen ihn laufen, soll Al-Baschir zunächst weiter im Kobar-Gefängnis in Khartum bleiben. Dort hatte er in den Jahren zuvor viele seiner politischen Gegner inhaftieren lassen. Nach Angaben seiner Anwälte soll der Ex-Präsident im Rahmen der weiteren Ermittlungen Fragen zu seiner Machtübernahme 1989 beantworten, sowie über die Tötung von Demonstranten Anfang dieses Jahres.

Zudem wird Al-Baschir wegen Verbrechen im Darfur-Konflikt vom Internationalen Strafgerichtshof per Haftbefehl gesucht. Es ist aber unwahrscheinlich, dass er nach Den Haag ausgeliefert wird.

Nach Al-Baschirs Sturz waren in seinem Anwesen Bargeld in Millionenhöhe beschlagnahmt worden. Der Ex-Präsident hatte angegeben, 25 Millionen Dollar (22,5 Mio. Euro) aus Saudi-Arabien erhalten zu haben. Richter Al Sadik Abdel Rahman sagte nun, Autos und Gelder, die mit den Vergehen in Verbindung stünden, seien eingezogen worden.

«Der Präsident hat kein Geld für seinen persönlichen Nutzen erhalten», sagte dagegen Ahmed Ibrahim al-Tahir von Al-Baschirs Verteidigungsteam der dpa. «Der Prozess hat unter komplizierten politischen Umständen stattgefunden», fügte dieser hinzu.

Für den 37-jährigen Al-Baschir-Kritiker Nadschi al-Dschili, der eigens zur Urteilsverkündung gekommen war, fiel der Richterspruch zu mild aus. «Er hätte zum Tode verurteilt werden sollen - so wie er es denjenigen angetan hat, die während seiner Herrschaft wegen Devisenhandels verurteilt wurden.»

«Dieses Urteil stellt eine politische und moralische Verurteilung des Besiegten und seines Regimes dar», teilte dagegen das sudanesische Gewerkschaftsbündnis SPA mit, das die Proteste zum Sturz Al-Baschirs mitorganisiert hatte.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
14. 12. 2019
16:32 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Darfur-Konflikt Demonstranten Deutsche Presseagentur Haftbefehle In Berufung gehen Internationaler Strafgerichtshof Massenproteste Sozialer oder politischer Protest Strafgerichtshöfe Todesurteile Völkermord Übergangsregierungen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Omar al-Baschir

11.02.2020

Sudan will Al-Baschir an Strafgerichtshof ausliefern

Jahrelang schien Al-Baschir unantastbar. Als Sudans Präsident saß er fest im Sattel, das Weltstrafgericht konnte ihn wegen mutmaßlicher Verbrechen in Darfur nicht belangen. Doch der Putsch hat alles verändert - womöglich... » mehr

US-Präsident Donald Trump

11.06.2020

Trump verhängt Sanktionen gegen Weltstrafgericht in Den Haag

Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag will wegen möglicher Kriegsverbrechen in Afghanistan auch gegen US-Sicherheitskräfte ermitteln. Die Regierung von US-Präsident Trump läuft dagegen Sturm. » mehr

Präsidentschaftswahl in Burundi

20.05.2020

Wahlen in Burundi trotz Covid-19

Burundi steckt seit Jahren in der Krise. Das autoritär geführte Land hat sich immer mehr von der Außenwelt abgeschottet. Nun findet inmitten der Corona-Pandemie eine Präsidentenwahl statt. Wird sie ein neues Kapitel eröf... » mehr

Internationaler Strafgerichtshof

05.03.2020

USA rügen Ermittlungen an Weltstrafgericht gegen Amerikaner

Nach langem Hin und Her ermöglicht der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag Ermittlungen zu mutmaßlichen Kriegsverbrechen in Afghanistan. Auch US-Bürger sind im Visier der Ankläger. Die Regierung in Washington wäh... » mehr

Awad Ibn Auf

12.04.2019

Nach Putsch im Sudan: Chef des Militärrats tritt zurück

Nach dem Sturz des Langzeitmachthabers Al-Baschir im Sudan hat dessen Verteidigungsminister die Fäden in die Hand genommen - zum Unmut von Demonstranten. Jetzt zieht er nach nur einem Tag im Amt Konsequenzen. » mehr

Pierre Nkurunziza

09.06.2020

Burundis scheidender Präsident Pierre Nkurunziza gestorben

Er regierte das ostafrikanische Burundi 15 Jahre lang mit harter Hand. Kurz vor seinem Ausscheiden aus dem Amt ist Präsident Nkurunziza gestorben. Kann Burundi nun ein neues Kapitel aufschlagen? » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Zugunglück in Tschechien Johanngeorgenstadt

Zugunglück in Tschechien | 07.07.2020 Johanngeorgenstadt
» 4 Bilder ansehen

Mini-Stadtfest am Wochenmarkt in Rehau

Mini-Stadtfest in Rehau | 05.07.2020 Rehau
» 52 Bilder ansehen

20200516_143430

4. Bratwurstlauf 2020 |
» 17 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
14. 12. 2019
16:32 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.