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Tattoo-Entfernung künftig nur noch beim Arzt möglich

Als Ende der 90er Jahre die «Arschgeweihe» aufkamen, galten Tätowierungen plötzlich als schick. Der Trend hielt sich lange, doch irgendwann wollten viele Menschen ihre Tattoos wieder loswerden. Auch das machen Tätowierer - bis jetzt. Künftig dürfen nur noch Ärzte die Jugendsünden weglasern.



Tattoo-Entfernung
In der Universitätsklinik Bochum entfernt ein Arzt mit einem Laser ein Tattoo auf der Brust eines Mannes.   Foto: Marcus Simaitis

In Deutschland dürfen bald nur noch Ärzte per Laser Tätowierungen entfernen. Das hat der Bundesrat am Freitag in Berlin entschieden. Bisher bieten beispielsweise auch private Kosmetikstudios solche Eingriffe an.

Der Regierungsentwurf der betreffenden Strahlenschutzverordnung hatte ursprünglich noch eine strengere Regel vorgesehen. Der Bundesrat beschloss nun, dass alle Ärzte mit entsprechender Fachkunde in Zukunft Tattoos entfernen dürfen. Damit sie ausreichend Zeit bekommen, sich die Fachkenntnisse anzueignen, tritt die Neuregelung erst Ende 2020 in Kraft.

DIE VERORDNUNG: 542 Seiten stark ist der Entwurf von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD). In allen möglichen Bereichen sollen die Menschen besser vor Strahlung geschützt werden, unter anderem vor dem Edelgas Radon, das aus dem Boden treten kann und als die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs nach Rauchen gilt. Aber keine geplante Regelung hat so viel Wirbel verursacht, wie ein Satz auf Seite 259 des Entwurfs: Tattoo-Entfernungen per Laser sollten Hautärzten und plastischen Chirurgen vorbehalten werden.

REAKTIONEN: Der CDU-Gesundheitspolitiker Alexander Krauß warnte, jeder vierte Deutsche über 18 Jahre sei tätowiert. Davon sei jeder Zehnte mit seinem Tattoo unzufrieden. 1,2 Millionen Patienten nähmen jedes Jahr eine Laserbehandlung zur Tattoo-Entfernung in Anspruch. «Von heute auf morgen müssten wir die Zahl der Hautärzte um die Hälfte erhöhen», so Krauß. Ohne viele zusätzliche Hautärzte müssten diese im Schnitt jeweils 22 Wochen im Jahr durchgängig Tätowierungen entfernen, um der geplanten Verordnung gerecht zu werden, so Krauß. Nachdem im Bundesrat schließlich überlegt wurde, den Passus zu streichen, warnten wiederum Dermatologen, «dass leistungsstarke Laser durch unqualifiziertes Personal schwere Schäden an Patienten hervorrufen».

RISIKEN DER TATTOO-ENTFERNUNG: Das Bundesamt für Strahlenschutz warnt vor Verbrennungen, vorübergehenden oder bleibenden Pigmentveränderungen, Entzündungen und Narbenbildung, wenn der Laser nicht richtig eingesetzt wird. Auch andere Krankheiten könnten die Folge sein.

WIE DIE TATTOO-ENTFERNUNG FUNKTIONIERT: Die Energie der optischen Strahlung wird von den Farbpigmenten des Tattoos aufgenommen. Dafür muss die Wellenlänge der Laserstrahlung zum aufnehmenden Farbstoff passen. Die Farbstoffpartikel werden in kleine Teile zerschossen. Die entstehenden Bruchstücke sollen vom Körper abtransportiert oder abgebaut werden. Bei der Zerstörung mancher Pigmente können - so das Bundesamt für Strahlenschutz - giftige und krebserregende Verbindungen wie Blausäure oder Benzol entstehen. Vor allem bei komplexen, mehrfarbigen Tattoos müssen sich Kundinnen und Kunden auf eine Reihe von Behandlungen einstellen.

RECHTSLAGE BISHER: Im Prinzip kann die Dienstleistung jeder anbieten, der einen Laser und einen Gewerbeschein hat. Die Laser kosten ab 10.000 Euro aufwärts. Um so ein Gerät betreiben zu können, braucht es bisher nur einen Laserschutzkurs. Der lässt sich an ein bis zwei Wochenenden absolvieren und kostet nicht mehr als ein paar hundert Euro. Tattoo-Entferner berichten davon, dass sie selbst überrascht waren, wie viele Kunden zu ihnen kommen, nachdem sie ihr Geschäft begonnen haben.

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dpa

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19. 10. 2018
16:42 Uhr

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