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Tausende Lehrer fehlen - Osten besonders betroffen

Neue Lehrer braucht das Land - und zwar tausende. Am angespanntesten ist die Lage in Berufs- und Grundschulen. Gewerkschaften und Opposition wollen sich mit einem Gegensteuern nur auf lange Sicht nicht abfinden.



Lehrermangel
Eine Lehrerin schreibt in einer Grundschule an die Tafel.   Foto: Caroline Seidel/Illustration

An Deutschlands Schulen fehlen innerhalb von zehn Jahren nach offizieller Prognose 18.000 Lehrer. Im laufenden Jahr liegt der Bedarf an frischen Kräften laut Berechnungen der Kultusministerkonferenz (KMK) um 11 510 über dem Angebot auf dem Arbeitsmarkt.

Die Lücke sinkt auf 2720 im Jahr 2022. Für das Jahr 2027 geht die KMK dann davon aus, dass wieder 3060 mehr ausgebildete Lehrkräfte zur Verfügung stehen als in dem Jahr gebraucht werden.

Für die insgesamt bis 2030 reichende Prognose rechnet die KMK mit im Schnitt jedes Jahr 700 fehlenden Lehrern. Der Mangel ist in den ostdeutschen Ländern laut der am Donnerstag veröffentlichten KMK-Prognose in den kommenden Jahren dramatischer. Im Westen gibt es demnach im Schnitt 900 mehr Absolventen des Vorbereitungsdienstes als benötigte Lehrer. In den Ostländern fehlen hingegen im Schnitt jährlich rund 1500 Lehrer.

Derzeit gibt es deutschlandweit 798.200 hauptberufliche Lehrkräfte. Von 2018 bis 2030 rechnen die Bildungsminister mit einem jährlichen Einstellungsbedarf von rund 31.900 Lehrern im Schnitt. Aber nur 31.200 ausgebildete Lehrkräfte gebe es jedes Jahr. Stellen nicht besetzt werden können laut der Prognose vor allem in Berufsschulen, Grundschulen, Schulen der mittleren Bildung und in der Sonderpädagogik.

KMK-Präsident Helmut Holter sagte, die Zahlen zeigten den akuten Handlungsbedarf für alle Länder. «Wir sind gemeinsam dazu aufgerufen, jede Anstrengung zu unternehmen, um den künftigen Bedarf zu decken», sagte der Bildungsminister Thüringens (Linke). Die Vorausberechnungen dienten den Ländern dazu, zu reagieren. «Es müssen mehr Lehrer ausgebildet werden», sagte Holter der Deutschen Presse-Agentur.

Besonders viele neue Lehrer braucht der Prognose zufolge Sachsen-Anhalt, wo über die Jahre hinweg nur für rund jede zweite offene Stelle ein ausgebildeter Lehrer zur Verfügung steht. Auch in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Brandenburg und Thüringen werden viele Stellen kaum besetzt werden können.

Im Mai hatte die KMK eine Prognose vorgelegt, nach der die Zahl der Schüler bis 2030 um 278.000 auf 11,2 Millionen steigen wird.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warnte vor einem Bildungsnotstand und forderte ein Sofortprogramm. «In diesem Schuljahr fehlen mehrere tausend Lehrkräfte, zudem sind tausende Stellen mit Quer- und Seiteneinsteigern besetzt», sagte GEW-Chefin Marlis Tepe. Während zu viele Gymnasiallehrkräfte ausgebildet worden seien, gebe es an Grund-, Berufs-, Förder- und Sonderschulen einen gravierenden Mangel.

Der Deutsche Philologenverband warf der Politik Versagen vor. Die Vorsitzende Susanne Lin-Klitzing sagte der «Neuen Osnabrücker Zeitung», die Länder hätten die Entwicklung verschlafen. «Wir brauchen eine jährliche Neuberechnung des tatsächlichen Bedarfs und eine entsprechende Anpassung», sagte sie der «Welt».

Linksfraktionschef Dietmar Bartsch sagte: «Wer nicht will, dass für die Bildungsmisere im politischen Nachlass von Angela Merkel künftige Generationen bezahlen müssen, muss jetzt das im Grundgesetz festgeschriebene Kooperationsverbot aufheben.» Dieses Verbot für den Bund, etwa die Schulen grundsätzlich mitzufinanzieren, soll nach dem Willen der Bundesregierung lediglich gelockert werden.

Auch die Grünen-Bildungsexpertin Margit Stumpp sagte: «Der Bund ist hier in der Verantwortung, statt nur in Beton auch in Köpfe und Personal zu investieren.» Die FDP-Bildungsexpertin Nicola Beer sagte: «Wir brauchen eine Qualitätsoffensive, die Kommunen, Bund und Länder gemeinsam angehen.»

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dpa

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Veröffentlicht am:
11. 10. 2018
18:33 Uhr

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11. 10. 2018
18:33 Uhr



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