Lade Login-Box.
Topthemen: Bilder vom WochenendeHofer Filmtage 2019EhrenamtskampagneVER Selb

Brennpunkte

Tödliche Tragödie: Polizei-Azubi erschießt Kollegen

Ein junger Polizei-Azubi wird von einer Kugel tödlich getroffen - erschossen von seinem Kollegen. Nach Darstellung der Polizei ein tragischer Unfall. Die entscheidende Frage bleibt aber unbeantwortet: Wie konnte das passieren?



Würzburger Bereitschaftspolizei
Vor der Einfahrt zur Mainau-Kaserne, dem Sitz der Bereitschaftspolizei III.   Foto: Nicolas Armer

Ein Auszubildender der Bereitschaftspolizei hat in Würzburg einen anderen Polizeischüler wohl versehentlich erschossen.

«Nach momentanem Stand der Dinge sieht es danach aus, dass ein Polizeikollege seine Waffe nicht richtig entladen hat und noch ein Schuss im Lauf war», sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Freitag in München. Aus Sicherheitskreisen hieß es, dass die Kugel den jungen Mann am Kopf traf. Gegen den 19-jährigen Schützen wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt.

Nach Angaben der Polizei befanden sich der Polizeischüler und sein 20-jähriger Kollege kurz vor Dienstbeginn am Donnerstagabend in einem Unterkunftszimmer der Bereitschaftspolizei. «Darin muss es zu der unbeabsichtigten Schussabgabe durch den Jüngeren der beiden gekommen sein», sagte Polizeihauptkommissar Michael Zimmer. Ein anderer Polizist hörte den Schuss und eilte in den Raum, wo er die beiden jungen Männer fand - den einen lebensgefährlich verletzt, den anderen unter Schock. Der angeschossene Azubi erlag kurz darauf im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Wie genau es zu der Tragödie kam, wollte die Polizei am Freitag mit Verweis auf aktuelle Ermittlungen nicht bekanntgeben. Herrmann ging davon aus, dass es sich um menschliches Versagen handelte: «Alle Polizeibeamten lernen, wie man seine Waffe richtig entlädt. Das gehört standardmäßig zum Programm und es ist überaus bedauerlich, wenn klare Vorschriften über das Handling mit der Waffe nicht richtig beachtet werden.»

Bereitschaftspolizisten müssen ihre Waffe nach Dienstende immer entladen. Nur leere Pistolen dürften mitgenommen werden, sagte Herrmann. Das sei auch in diesem Fall so beabsichtigt gewesen. «Es kann passieren, dass ein Kollege zwar das Magazin aus der Waffe nimmt, aber vergisst, dass die Pistole noch geladen ist», sagte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei in Bayern, Peter Schall. Nur so könne er sich erklären, warum sich auf dem Zimmer ein Schuss lösen konnte. «Der Dienstführer hätte in diesem Fall aber bemerken müssen, dass eine Patrone zu wenig abgegeben wurde», sagte Schall.

Einen Zusammenhang mit den neuen Polizeipistolen sah Herrmann nicht. Damit die Beamten in Gefahrensituationen schneller reagieren können, haben die Waffen keine zusätzliche Sicherung mehr - einmal geladen, kann man einfach den Abzug betätigen. Klar sei aber: «Völlig unbeabsichtigt kann sich ein Schuss nicht lösen, es muss jemand den Abzug betätigt haben. Die Waffe kann nicht von alleine losgegangen sein», sagte Herrmann.

«Die geladenen Waffen sind saugefährlich», bestätigte auch Schall. Strengere Regeln brauche es aber nicht: «Die Vorschriften reichen aus, wenn sich alle daran halten.» Er bedauere den «tragischen Fall» sehr, menschliches Versagen könne man aber nie ganz verhindern.

Tatsächlich kommt es immer wieder zu unbeabsichtigt abgegebenen Schüssen. Wie etwa vor rund einer Woche in Würzburg: Dort hatte ein Polizist eine Fensterscheibe durchschossen, weil er dachte, dass seine Waffe nicht geladen sei. Im Dezember 2017 wurde nahe dem Weihnachtsmarkt in Hannover ein Schuss aus einer Maschinenpistole ausgelöst, als ein Polizist die Waffe an einen anderen überreichte. Das Projektil schlug wegen eines Bedienungsfehlers auf dem Boden ein, niemand kam zu Schaden.

Doch sind auch schon Menschen verletzt und getötet worden. Im August 2014 etwa löste sich bei einer Fahrzeugkontrolle im brandenburgischen Cottbus versehentlich ein Schuss. Der Fahrer wurde am Kopf getroffen und fiel ins Koma. Der Polizist wurde wegen fahrlässiger Körperverletzung im Amt zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. In Hamburg wiederum wurde im März 2010 ein Zivilfahnder vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen, nachdem sich bei einem Einsatz unbeabsichtigt ein Schuss löste und einen 27-Jährigen tötete.

Nach Informationen des bayerischen Innenministeriums kommt es allein in der Bereitschaftspolizei bis zu sieben Mal pro Jahr zu unbeabsichtigten Schüssen. Bei Tausenden Beamten und dem täglichen Umgang mit Munition sei dies aber generell nicht überraschend. Trotzdem wolle man mögliche Konsequenzen genau überprüfen, betonte Herrmann am Freitag. Entscheidend sei, dass auch scheinbar entladene Waffen noch einmal überprüft werden und in dieser Situation nie auf Menschen gerichtet sein dürfen.

In der Unterkunft, in der sich das Unglück abspielte, sind insgesamt einige Hundert Polizisten untergebracht. «Nachvollziehbarerweise sind die anderen Kolleginnen und Kollegen ganz erheblich von den Geschehnissen betroffen», sagte Zimmer. Bereits in der Nacht sei eine Betreuung der Kollegen und Angehörigen organisiert worden.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
01. 03. 2019
17:06 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bereitschaftspolizei CSU Erschießungen Joachim Herrmann Joachim Herrmann (CSU) Menschliches Versagen Polizei Polizeigewerkschaft Polizistinnen und Polizisten Schall und Schallwellen Tragik Tragödien
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Trauer an Synagoge

18.10.2019

Bundesländer wollen jüdische Einrichtungen besser schützen

«Ihr könnt uns nicht schützen», dieser Zuruf eines Bürgers nach dem Terroranschlag in Halle habe ihn betroffen gemacht, sagt Seehofer. Ihm sei es wichtig, dass auf die vielen Worte jetzt Taten folgten. » mehr

Kennzeichnung für Polizisten

26.09.2019

Kennzeichnungspflicht für Polizisten ist rechtmäßig

Generalverdacht gegen Polizisten oder Transparenz des Staatsapparates - eine Kennzeichnungspflicht für Polizisten ist heftig umstritten. Jetzt hat das Bundesverwaltungsgericht über die Rechtmäßigkeit entschieden. » mehr

Smart Home

13.06.2019

Mehr Polizei für Abschiebungen - Keine Afghanistan-Einigung

Abschiebungen nach Afghanistan und der schwierige Kampf gegen Clan-Kriminalität - die Innenminister ringen in Kiel um Kompromisse. Doch vor allem beim Thema Abschiebung hakt es. » mehr

Der Attentäter von Halle

16.10.2019

Attentäter von Halle wollte 2018 als Soldat zur Bundeswehr

Eine Woche nach dem Anschlag von Halle werden neue Details über den Attentäter bekannt. Sein perfides Internet-«Manifest» führt zudem zu Ermittlungen in Nordrhein-Westfalen. » mehr

Synagoge

10.10.2019

Seehofer garantiert Juden nach Anschlag Sicherheit

Vier Schusswaffen, Sprengsätze, Bekennervideo und ein «Manifest». Für die Ermittler gibt es keinen Zweifel: Der rechtsextremistische Schütze von Halle plante ein Massaker in der Synagoge mit weltweiter Wirkung. Und die B... » mehr

Drohschreiben

09.10.2019

Razzien in vier Ländern wegen rechtsextremer Drohschreiben

Sie drohten per E-Mail mit Sprengstoffanschlägen. Gegen Moscheen, Flüchtlingsunterkünfte und andere Einrichtungen. Jetzt schlugen die Ermittler im Morgengrauen gegen sieben rechtsextreme Beschuldigte zu. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Leerstände in Helmbrechts

Leerstände in Helmbrechts | 21.10.2019 Helmbrechts
» 18 Bilder ansehen

2000er-Party Weißenstadt

2000er-Party Susi Weißenstadt | 19.10.2019 Weißenstadt
» 46 Bilder ansehen

Fightnight Plauen mit Etem Bayramoglu Plauen

Fightnight Plauen mit Etem Bayramoglu | 19.10.2019 Plauen
» 69 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
01. 03. 2019
17:06 Uhr



^