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Trump verkündet Tod von IS-Anführer Al-Bagdadi

Die Terrormiliz IS hat die Welt in Angst und Schrecken versetzt. Nun ist den USA ein wichtiger Schlag gegen die Terroristen gelungen. Präsident Trump persönlich verkündet, der Kopf der Organisation sei «winselnd und weinend und schreiend» gestorben.



Trump verkündet Tod Al-Bagdadi
Donald Trump gibt den Tod von Abu Bakr al-Bagdadi bekannt.   Foto: Andrew Harnik/AP/dpa » zu den Bildern

Der Chef der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), Abu Bakr Al-Bagdadi, ist nach Angaben von US-Präsident Donald Trump tot.

Al-Bagdadi sei bei einer Operation von US-Spezialkräften in Nordwest-Syrien vor den Soldaten in einen Tunnel geflüchtet und habe eine Sprengstoffweste gezündet, sagte Trump am Sonntag im Weißen Haus. Er habe dabei auch drei Kinder mit in den Tod gerissen. «Er ist wie ein Hund gestorben. Er ist wie ein Feigling gestorben.» Bei der Operation in der Nacht zu Sonntag seien auch zahlreiche IS-Kämpfer getötet worden. US-Soldaten hätten keine Verluste erlitten.

Trump bedankte sich bei Russland, der Türkei, Syrien, dem Irak und den syrischen Kurden für deren Unterstützung. Die US-Spezialkräfte seien mit acht Hubschraubern zum Einsatzort geflogen. Dabei seien auch von Russland und der Türkei kontrollierte Gegenden überflogen worden. «Wir haben mit den Russen gesprochen. Wir haben ihnen gesagt, dass wir reingehen.» Auch die Türkei sei informiert worden. Das Ziel des Einsatzes habe man aber nicht mitgeteilt. Den Kongress habe er nicht informiert, um die Mission geheim zu halten.

Ausgeführt hätten den Einsatz ausschließlich US-Soldaten, sagte der US-Präsident. Die Flüge ins Einsatzgebiet und wieder heraus seien «sehr, sehr gefährlich» gewesen. Trump sagte, Al-Bagdadi sei in einen Tunnel geflüchtet, der keinen Ausgang gehabt habe . Er sei «winselnd und weinend und schreiend» gestorben. Als Al-Bagdadi seine Sprengstoffweste gezündet habe, sei der Tunnel eingestürzt. Experten hätten vor Ort mit DNA-Analysen die Identität Al-Bagdadis bestätigt.

Das Weiße Haus teilte mit, zwei US-Soldaten seien leicht verletzt worden, seien aber bereits wieder im Dienst. In dem Areal, in dem sich Al-Bagdadi aufhielt, seien fünf IS-Kämpfer getötet worden. «Weitere Feinde wurden in der Umgebung getötet.» Der Kommandeur vor Ort habe Al-Bagdadis Tod um 19.15 Uhr (Ostküstenzeit USA/1.15 Uhr MESZ am Sonntag) gemeldet.

Trump sagte, auch zwei von Al-Bagdadis Ehefrauen seien bei der Operation ums Leben gekommen. Sie hätten Sprengstoffwesten getragen, die aber nicht gezündet worden seien. Mehrere IS-Kämpfer seien gefangen genommen worden. Elf Kinder, die sich in dem Areal aufhielten, seien in Obhut genommen worden.

Trump sagte, er habe den Einsatz ab ungefähr 17 Uhr (Ortszeit/23 Uhr MESZ) am Samstag live im Lagezentrum im Weißen Haus verfolgt. Bei ihm seien unter anderem Vizepräsident Mike Pence, Verteidigungsminister Mark Esper, Sicherheitsberater Robert O'Brien und Armeechef Mark Milley gewesen. Kurz danach seien die Helikopter abgeflogen.

Der Präsident betonte, er halte fest an seinem Ziel, die US-Truppen aus Syrien abzuziehen. «Wir wollen nicht für die nächsten 200 Jahre Soldaten zwischen Syrien und der Türkei behalten.» Zunächst würden die US-Truppen aber die Ölfelder im Osten Syriens sichern.

Die Kommandoaktion erfolgte nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte im Ort Barischa in der Provinz Idlib, dem letzten großen Rebellengebiet in Syrien. Der Ort liegt wenige Kilometer von der türkischen Grenze entfernt. Die US-Streitkräfte haben in der Region keine Präsenz.

Der Kommandeur der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), Maslum Abdi, schrieb auf Twitter, Bagdadis Tod sei das Ergebnis einer über fünf Monate andauernden Geheimdienstzusammenarbeit gewesen. Die von der Kurdenmiliz YPG dominierten SDF waren bisher der wichtigste Verbündete der US-Streitkräfte im Kampf gegen den IS.

Zuletzt geriet dieses Bündnis allerdings unter erheblichen Druck. Trump steht seit Wochen in der Kritik, weil er die US-Truppen aus dem nordsyrischen Grenzgebiet zur Türkei abgezogen hat. Damit ebnete er den Weg für eine türkische Offensive gegen die YPG in der Region. Trump wurde auch aus seiner eigenen Republikanischen Partei vorgeworfen, die verbündete Kurdenmiliz im Stich gelassen zu haben.

Die irakische Armee teilte mit, bei dem US-Einsatz habe hat der irakische Geheimdienst entscheidende Hinweise geliefert. Dieser habe das Versteck des IS-Chefs in der syrischen Provinz Idlib ausfindig gemacht. Das russische Verteidigungsministerium forderte Beweise für die US-Operation. Es gebe von den mutmaßlich beteiligten Seiten in Details widersprüchliche Angaben, sagte Generalmajor Igor Konaschenkow nach einer Mitteilung des Ministeriums.

Großbritannien und Israel begrüßten den Tod Al-Bagdadis. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte nach Angaben seines Büros: «Ich möchte dem Präsidenten Trump zu dem beeindruckenden Erfolg gratulieren, der zur Tötung des IS-Chefs Al-Bagdadi führte.» Der britische Verteidigungsminister Ben Wallace erklärte: «Die Welt wird Al-Bagdadi nicht vermissen.» Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sprach von einem «Wendepunkt» im gemeinsamen Kampf gegen den Terrorismus.

Mit dem von den USA ausgesetzten Kopfgeld von 25 Millionen Dollar (rund 22 Millionen Euro) war Al-Bagdadi einer der meistgesuchten Terroristen der Welt. Zuletzt hatte der IS im April ein Video verbreitet, in dem Al-Bagdadi dem Westen mit Angriffen drohte. Immer wieder gab es Gerüchte, er sei bei Angriffen verletzt oder sogar getötet worden.

Al-Bagdadi wurde 1971 in der irakischen Stadt Samarra geboren. An der Universität Bagdad machte er einen Abschluss in Islamischen Studien. Nach dem Sturz des Langzeitherrschers Saddam Hussein im Jahr 2003 saß er eine Zeit lang in einem US-Gefängnis im Irak.

Im Jahr 2010 übernahm Al-Bagdadi die Führung des Al-Kaida-Ablegers im Irak, der damals noch Islamischer Staat im Irak hieß. Nach und nach dehnte sich die Gruppe nach Syrien aus. Darüber brach Al-Bagdadi mit Al-Kaida, weil er die Forderung der Führung des Terrornetzes nicht akzeptieren wollte, sich auf den Irak zu beschränken.

Mit Ausrufung des Kalifats Ende Juni 2014 benannte sich die Terrormiliz in Islamischer Staat um. Damit verbunden war der Anspruch, alle Muslime weltweit zu vereinen und zu führen. Nach und nach verlor der IS jedoch sein Herrschaftsgebiet im Irak und in Syrien wieder. Offiziell galt der IS mit dem Fall seines letztes Rückzugsorts im ostsyrischen Baghus als besiegt.

Noch vor wenigen Monaten ging die von den USA geführte Anti-IS-Koalition aber in einem Bericht davon aus, dass sich noch 14 000 bis 18 000 IS-Angehörige im früheren Herrschaftsgebiet der Extremisten in Syrien und dem Irak aufhalten sollen. Zudem sind IS-Ableger in zahlreichen anderen Ländern aktiv.

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dpa

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Veröffentlicht am:
27. 10. 2019
20:19 Uhr

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27. 10. 2019
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