Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Jubiläumsgewinnspiel "75 Jahre Frankenpost"WohnzimmerkunstBlitzerwarnerCoronavirus

Brennpunkte

Türkei startet massive Vergeltungsangriffe in Syrien

Mit dem Tod von drei Dutzend türkischen Soldaten erreichte der Konflikt mit Syrien eine neue Stufe der Eskalation. Die Türkei greift nun erneut in dem Bürgerkriegsland an. Auch eine direkte militärische Konfrontation mit Russland scheint nicht mehr ausgeschlossen.



Türkisches Militär
Gepanzerte Militärfahrzeuge der türkischen Streitkräfte auf der syrischen Seite der Grenze zur Türkei.   Foto: Maya Alleruzzo/AP/dpa

Nach dem Tod von 36 türkischen Soldaten in Syrien hat die Türkei in dem Nachbarland massive Vergeltungsangriffe gestartet. Beim Einsatz «Operation Frühlingsschild» schoss die Türkei nach eigenen Angaben zwei syrische Kampfflugzeuge ab, die türkische Jets angegriffen hätten.

Zudem habe die Türkei eine Drohne, acht Helikopter und mehr als 100 Panzer der Regierung von Präsident Baschar al-Assad zerstört, sagte der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar am Sonntag. Damit wuchs auch die Gefahr einer direkten Konfrontation der Türkei mit Assads Verbündetem Russland.

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell hat am Sonntag ein EU-Außenministertreffen in dieser Woche angekündigt, um die anhaltenden Kämpfe in der syrischen Provinz Idlib zu beraten. Die andauernden Kämpfe in und um Idlib seien eine ernsthafte Bedrohung für den internationlen Frieden und die Sicherheit. Sie lösten auch ein unendliches Leid in der Bevölkerung aus. Borrell rief die beteiligten Parteien dazu auf, wieder zu einem politischen Prozess zurückzukehren. Nach den Worten von Borrell verfolgt die EU außerdem die Migration an ihren Außengrenzen.

Bei den beiden syrischen Kampfjets handelt es sich nach Angaben aus Ankara um Flugzeuge des Typs SU-24 aus russischer Produktion. Auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und die syrische Staatsagentur Sana berichteten von dem Abschuss zweier syrischer Kampfflugzeuge in der Provinz Idlib. Das Verteidigungsministerium in Moskau wies unterdessen die Berichte über einen Abschuss des Suchoi-Kampfjets vom Typ SU-24 der russischen Luftstreitkräfte in Idlib zurück. Es handele sich um «Fake»-News.

 

Lesen Sie dazu den Standpunkt unseres Chefredakteurs Marcel Auermann: "In der Zwickmühle" >>>

 

Die Regierung in Damaskus sperrte im Zuge der türkischen Angriffe den Luftraum im Nordwesten des Landes. Flugzeuge und Drohnen dürften dort und insbesondere über Idlib nicht mehr fliegen, teilte die syrische Armee der Agentur Sana zufolge mit. «Jedes Flugzeug, das unseren Luftraum verletzt, wird als feindlich eingestuft und abgeschossen.»

Über die genaue Zahl der Todesopfer durch die Angriffe herrschte am Sonntag Unklarheit. Der türkische Verteidigungsminister Akar sagte, es seien mehr als 2000 syrische Soldaten «außer Gefecht gesetzt worden». Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte dagegen mit, dass insgesamt etwa 70 Soldaten der syrischen Regierung und deren verbündeter Milizen getötet worden seien.

Eine militärische Konfrontation der Türkei und Russland rückte in greifbare Nähe. Kommende Woche ist ein Treffen zwischen dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und Kremlchef Wladimir Putin geplant. Die Außenminister beider Länder telefonierten in Vorbereitung auf dieses Treffen miteinander. Ziel sei, die Atmosphäre für einen «ergebnisorientierten Dialog» beider Staatschefs zur Lösung des Konflikts zu schaffen, teilte das russische Außenministerium mit.

Der türkische Verteidigungsminister Akar betonte, die Türkei habe kein Interesse an einem Konflikt mit Russland. Sie wolle vielmehr das «Massaker» der syrischen Regierung beenden und eine neue Migrationswelle verhindern. Er appellierte erneut an Russland, für ein Ende der Angriffe auf Damaskus einzuwirken.

Erdogan hatte der syrischen Regierung mit einem Militäreinsatz bis Ende Februar gedroht, sollte sich deren Truppen in der Provinz Idlib nicht zurückziehen. Am Samstag verkündete er dann die neuen Angriffe in Istanbul. Dabei seien Anlagen zum Bau von Chemiewaffen sowie Luftabwehrsysteme und Landebahnen zerstört worden, sagte Erdogan. Mehr als 300 Militärfahrzeuge seien zerstört worden, darunter mehr als 90 Panzer. Die syrische Regierung stritt die Behauptungen umgehend ab und warf Erdogan «irreführende» Aussagen und Übertreibung vor.

Die Türkei hatte zuvor schon drei Mal militärisch in Nordsyrien eingegriffen. Im Oktober hatte sie östlich des Flusses Euphrat eine international umstrittene Militäroffensive gegen die Kurdenmiliz YPG begonnen, die die Türkei als Terrororganisation ansieht. Russland als Schutzmacht al-Assads und die Türkei hatten sich anschließend darauf verständigt, nordsyrische Grenzgebiete zur Türkei gemeinsam zu kontrollieren. Die YPG sollte sich zudem aus dem Grenzgebiet zurückziehen.

Im Jahr 2016 hatte die Türkei mit der Offensive «Schutzschild Euphrat» in der Umgebung des syrischen Orts Dscharabulus die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) von der Grenze vertrieben, aber auch die Kurdenmiliz YPG bekämpft. Anfang 2018 hatte die türkische Armee mit von ihr unterstützten Rebellen in einer Offensive gegen die YPG die kurdisch geprägte syrische Grenzregion Afrin eingenommen.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
01. 03. 2020
17:14 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Außenminister Baschar al-Assad Islamischer Staat Militärfahrzeuge Militärische Offensiven Präsidenten Russlands Recep Tayyip Erdogan Regierungschefs Russisches Außenministerium Soldaten Syrische Regierungen Syrische Soldaten Türkische Soldaten Türkische Staatspräsidenten Verteidigungsminister Wladimir Wladimirowitsch Putin
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Konflikt in Syrien

28.02.2020

Nato berät nach Angriff auf türkische Soldaten in Idlib

Politiker warnen vor einem Krieg des Nato-Partners Türkei mit Syrien. Die Nato erklärt sich solidarisch mit Ankara. Spielt die Türkei mit dem Flüchtlingspakt, um mehr Hilfe zu bekommen? Und was kommt auf die EU-Außengren... » mehr

Flucht aus Idlib

04.02.2020

Mehr als 500.000 Menschen durch Kämpfe in Syrien vertrieben

Immer dramatischer wird die Lage in der syrischen Provinz Idlib. Mehr als eine halbe Million Menschen wurden vertrieben. Der türkische Präsident Erdogan warnt die syrische Regierung vor Folgen. » mehr

Erdogan

12.02.2020

Erdogan droht Syrien mit Vergeltungsangriffen «überall»

«Massaker» an Zivilisten wirft der türkische Präsident Syrien und Russland in Idlib vor. Er verschärft seine Drohungen gegen Damaskus und verhandelt erneut mit Syriens Schutzmacht Moskau. Aber dort verteidigt man den Vor... » mehr

Konflikt in Syrien

10.02.2020

Drohende Eskalation zwischen Syrien und der Türkei in Idlib

Die ursprünglich vereinbarte Deeskalationszone für das Rebellengebiet Idlib in Syrien scheint zu zerfallen. Syrische Truppen rücken vor, die Türkei bereitet sich mit Verbündeten auf Kämpfe vor. Können Gespräche die Spann... » mehr

Treffen von Erdogan und Putin in Sotschi

22.10.2019

Erdogan und Putin verkünden längere Waffenruhe in Nordsyrien

Knapp zwei Wochen nach dem Einmarsch türkischer Truppen im Norden Syriens trifft Kremlchef Putin seinen türkischen Amtskollegen Erdogan zu Krisengesprächen. Nach stundenlangen Unterredungen scheint festzustehen: Erdogan ... » mehr

Konflikt in Syrien

27.02.2020

Putin dämpft Hoffnung auf Syrien-Gipfel

Die Lage in der letzten großen Rebellenhochburg Idlib wird immer dramatischer. Fast einen Million Menschen sind auf der Flucht. Mit Hilfe der Türkei versetzen Rebellen der Regierung einen Schlag. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

n5_200710_ID18289_1.jpeg Zell

Vermisstensuche bei Zell | 10.07.2020 Zell
» 16 Bilder ansehen

Mini-Stadtfest am Wochenmarkt in Rehau

Mini-Stadtfest in Rehau | 05.07.2020 Rehau
» 52 Bilder ansehen

20200516_143430

4. Bratwurstlauf 2020 |
» 17 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
01. 03. 2020
17:14 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.