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Umfrage: Klimaschutz soll sozial fair sein

Im Kampf gegen die Erderhitzung wächst der Druck auf die Politik. Union und SPD wollen den Menschen und der Wirtschaft nicht zu viel zumuten. Die Wähler zeigen sich derweil bereit, auf manches zu verzichten - aber Worte sind noch keine Taten.



Klimaschutz
Ein Flugzeug der Lufthansa fliegt kurz vor der Landung auf dem Stuttgarter Flughafen über einige Sonnenblumen hinweg.   Foto: Christoph Schmidt/Illustration

Kurze Flüge, viel Fleisch, Autofahren in der Stadt: Für den Kampf gegen dem Klimawandel zeigt sich eine Mehrheit der Deutschen gewillt, darauf zu verzichten - jedenfalls auf dem Papier.

Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov für die Deutsche Presse-Agentur sind drei von vier Erwachsenen (74 Prozent) persönlich bereit, auf Kurzstreckenflüge zu verzichten. 63 Prozent würden «deutlich» weniger Fleisch essen, immerhin noch 56 Prozent das Auto in Innenstädten stehenlassen.

Im Flug- und Straßenverkehr sowie in der Tierhaltung entstehen viele Treibhausgase. In den kommenden Monaten will die Koalition aus Union und SPD Grundsatzentscheidungen treffen, die Deutschland beim Klimaschutz wieder auf Kurs bringen sollen, denn derzeit werden die Ziele klar verfehlt.

«Es wäre unehrlich zu sagen, dass von den Maßnahmen zum Klimaschutz niemand etwas spüren wird», sagte CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer der «Bild am Sonntag». Ganz ohne Umstellung des Lebensstils werde es nicht gehen. Die Belastungen müssten aber «sozial ausgewogen» sein, zudem sollten die Maßnahmen wirtschaftlich sinnvoll und «anreizend» sein. SPD-Politiker äußern sich ähnlich.

Bei aller Bereitschaft zum Verzicht: Wenn es ums Geld geht, fallen die Ergebnisse unterschiedlich aus. Die Hälfte der Deutschen fände es demnach akzeptabel, wenn Tickets für Flugreisen deutlich mehr kosteten. Bei den Spritpreisen sieht das aber nur gut jeder Vierte (27 Prozent) so. Deutlich höhere Preise für Fleisch fände gut jeder Zweite (52 Prozent) in Ordnung, wenn es der effektiven Begrenzung des Klimawandels und einer nachhaltigen Agrarpolitik dient.

Besonders wenig Toleranz zeigen die Bürger bei Strompreisen: Deutlich mehr Geld für Ökostrom etwa aus Wind oder Sonne würden der Umfrage zufolge nur 20 Prozent bereitwillig zahlen.

Es ist ein bekanntes Phänomen, dass Befragte tendenziell «sozial erwünscht» antworten, weil sie von anderen und sich selbst auf eine bestimmte Weise gesehen werden wollen. Aber handeln sie auch danach?

Ein Blick auf die Statistik des Agrarministeriums etwa zeigt, dass der Fleischkonsum in den vergangenen Jahren nur leicht rückläufig war und zuletzt sogar etwas stieg. Der geschätzte Pro-Kopf-Verzehr lag 2018 bei 60,1 Kilo. Der Anteil der Inlandsflüge sinkt, allerdings vor allem statistisch, weil die Gesamtzahl aller Flüge wächst und wächst. 2018 flogen laut Statistischem Bundesamt 23,5 Millionen Passagiere im Inland. 2017 waren es 23,7 Millionen, das macht ein Minus von 0,8 Prozent. Der Pkw-Verkehr hat laut Umweltbundesamt zwischen 1995 und 2017 um knapp 18 Prozent zugenommen.

Union und SPD streiten derzeit über den richtigen Weg, Deutschland beim Klimaschutz wieder auf Kurs zu bringen. Im Gespräch ist ein sogenannter CO2-Preis, der den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) verteuert - und damit einerseits klimafreundliche Technologien fördert und andererseits die Konsumenten zum CO2-Sparen bringen soll, indem sie etwa weniger Auto fahren oder eine modernere Heizung einbauen. Unter anderem Benzin und Heizöl würden damit teurer werden.

Die Befürworter so eines CO2-Preises wollen, dass das Geld den Bürgern wieder zugute kommt, etwa als Rückzahlung pro Kopf oder über Entlastungen an anderer Stelle. Das SPD-geführte Bundesumweltministerium hat ein Konzept in Arbeit, die Union will im September eines vorlegen, wie die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» berichtete. Experten glauben, dass das Instrument sogar der Umverteilung dienen könnte, weil Reiche einen größeren «CO2-Fußabdruck» haben - Menschen mit kleinem Einkommen könnten also weniger draufzahlen, aber ebenso viel zurückbekommen wie reichere.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sagte der «Welt am Sonntag»: «Wir müssen es schaffen, den dazu nötigen großen Umbau einer Industriegesellschaft so zu organisieren, dass die Folgen für die direkt Betroffenen erträglich bleiben.» Klimaschutz brauche auch Zustimmung. «Wir müssen es schaffen, den dazu nötigen großen Umbau einer Industriegesellschaft so zu organisieren, dass die Folgen für die direkt Betroffenen erträglich bleiben.» Nordrhein-Westfalens SPD-Chef Sebastian Hartmann mahnte, eine CO2-neutrale Energie- und Wärmeerzeugung und Mobilität müsse für alle bezahlbar bleiben.

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dpa

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Veröffentlicht am:
09. 06. 2019
14:13 Uhr

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09. 06. 2019
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