Lade Login-Box.
Topthemen: 30 Jahre GrenzöffnungBilder vom WochenendeHofer Filmtage 2019VER Selb

Brennpunkte

Verbände kritisieren Stillstand beim sozialen Wohnungsbau

Mit Sozialmietwohnungen sollen die negativen Folgen steigender Mieten abgefedert werden. Doch stehen seit Jahren immer weniger davon zur Verfügung, wie ein Verbändebündnis kritisiert. Das liegt nicht nur an mangelndem politischen Willen.



Baustelle
Beim sozialen Wohnungsbau kommt die Politik bislang deutlich langsamer voran als beim Bau gewöhnlichen Wohnraums.   Foto: Bernd von Jutrczenka

Die Politik kommt aus Sicht eines Bündnisses mehrerer Verbände beim Bau von sozialen und bezahlbaren Wohnungen nicht voran.

«Es ist trotz aller Ankündigungen im Grunde genommen nichts passiert», sagte Matthias Günther vom hannoverschen Forschungsinstitut Pestel am Donnerstag in Berlin mit Blick auf die Aktivitäten der Bundesregierung.

Das Institut hat im Auftrag der Verbände ermittelt, wie viele Sozialwohnungen pro Jahr gebaut werden müssten, um ein Minimalziel von zwei Millionen Einheiten im Jahr 2030 zu erreichen - dem Stand von 2007. Hinter der Auftragsstudie stehen die Baugewerkschaft IG BAU, der Deutsche Mieterbund, die Caritas, der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel sowie die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau.

Günther hält dafür 155.000 neue Sozialwohnungen im Jahr für notwendig - 80.000 Neubauten und 75.000 weitere Wohnungen durch Modernisierungsförderung und den Ankauf von Belegrechten im Bestand. Bei dieser Förderung wird den Wohnungseigentümern ein Teil des für die Modernisierung genutzten Darlehens bezuschusst, wenn diese dabei sozialen Wohnraum schaffen.

Die Autoren schätzen den aktuellen Bestand von Sozialwohnungen für Ende 2019 auf 1,13 Millionen Einheiten, Tendenz sinkend. Seit 2011 fielen demnach rund 500.000 Wohnungen mehr aus dem Sozialwohnungsbestand als neue geschaffen wurden, heißt es in der Untersuchung. «Dabei haben in Großstädten zwischen 40 und 50 Prozent der Haushalte theoretisch Anspruch auf eine Sozialwohnung», sagte der Chef der Gewerkschaft IG BAU, Robert Feiger.

«Die Bundesregierung darf diesen Notruf nicht ignorieren», teilte die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, mit. «Wir brauchen eine Neue Wohngemeinnützigkeit, die dafür sorgt, dass in den nächsten zehn Jahren eine Million zusätzliche, dauerhaft bezahlbare Wohnungen geschaffen werden.»

Auch die Linke-Fraktion forderte ein «Rettungsprogramm für den sozialen Wohnungsbau». Vor allem müsse gelten: «Einmal Sozialwohnung immer Sozialwohnung. Es darf nicht sein, dass in öffentlich geförderten Wohnungen nach zwanzig oder dreißig Jahren die Mieten explodieren und dadurch Mieterinnen und Mieter verdrängt werden», teilte die wohnungspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion, Caren Lay, am Donnerstag mit. Sie kritisiert den Umstand, dass Sozialwohnungen nach dieser Zeit häufig aus der sogenannten Sozialbindung herausfallen und dann zu normalen Marktpreisen vermietet werden dürfen.

Die FDP kritisierte hingegen die Forderung des Bündnisses. «Statt zwei Millionen Sozialwohnungen brauchen wir eher mehr Wohngeld in Form eines liberalen Bürgergeldes», teilte Fraktionsmitglied Daniel Föst mit. «Sozialwohnungen führen zu einer Ghettoisierung mit den bekannten sozialen Folgen für die Bewohner.»

Auch die Bundesregierung sieht die Herausforderungen. «Wir brauchen mehr Sozialwohnungen in Deutschland», teilte Innenminister Horst Seehofer (CSU) am Donnerstag mit und verwies unter anderem darauf, dass der Bund bis 2021 dafür fünf Milliarden Euro zur Verfügung stellt. «Jetzt müssen auch die Länder ihrer Verantwortung nachkommen und eigene Mittel bereitstellen.»

Der Rücklauf beim Ausbau sozialen Wohnraums hat verschiedene Gründe - etwa auch Kapazitätsengpässe in der Bauindustrie, wie der Wohnungsmarktexperte Claus Michelsen vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin meint. Darüber hinaus führten hohe Grundstückspreise dazu, dass dort vor allem hochpreisig gebaut wird. «Es ist schwierig, mit den klassischen Förderinstrumenten Investoren dazu zu bringen, in den sozialen Wohnungsbau zu investieren.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
22. 08. 2019
16:14 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bau Baubranche Bundestagsfraktionen CSU Caritas Deutscher Bundestag Deutscher Mieterbund Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung FDP Gewerkschaften Horst Seehofer IG Bauen-Agrar-Umwelt Katrin Göring-Eckardt Mieten Sozialer Wohnungsbau Wohngeld Wohnungen Wohnungsbau Wohnungseigentümer
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Obdachlosigkeit

11.11.2019

Zahl der Menschen ohne Wohnung auf 678.000 gestiegen

Einen Mietvertrag für eine eigene Wohnung zu haben - das ist in einem Land wie Deutschland keine Selbstverständlichkeit. Neue Schätzungen zur Wohnungslosigkeit zeigen das Ausmaß. » mehr

Mietwohnungen in Frankfurt

20.08.2019

Kein Schutz für Wucher: Karlsruhe billigt Mietpreisbremse

Vor allem in Großstädten wird Wohnen immer teurer. Die Politik steuert mit der Mietpreisbremse gegen - mit Fug und Recht, sagt nun Karlsruhe. Ist das auch ein Freibrief für die geplante Verschärfung? » mehr

Postkasten

14.08.2019

Sozialwohnungen verschwinden trotz Milliarden-Förderung

Es gibt Großstädte, in denen geschätzt jeder dritte Haushalt Anspruch auf eine Sozialwohnung hätte. Doch solche Wohnungen mit niedrigen Mieten gibt es immer seltener - obwohl sie inzwischen wieder mehr gebaut werden. » mehr

Mietwohnung

05.06.2019

Mieterbund will Grundgesetzänderung für bezahlbares Wohnen

In vielen Städten steigen die Mieten rasant, die Menschen finden nur schwer eine bezahlbare Wohnung. Der Mieterbund bringt jetzt eine Verfassungsänderung ins Spiel. Löst das die Probleme? » mehr

Wohngeld

08.05.2019

Geringverdiener sollen künftig mehr Wohngeld bekommen

Wer zu wenig Geld für die Miete hat, kann Wohngeld beantragen. Von dieser staatlichen Hilfe sollen künftig mehr Menschen profitieren als bisher. Und angesichts explodierender Mieten wird das Wohngeld künftig alle zwei Ja... » mehr

Wohnungsbau

15.06.2019

2018 entstanden nur 27.000 neue Sozialwohnungen

In großen Städten müssen die Menschen immer mehr Geld für ihre Miete ausgeben. Vor allem bei ärmeren Familien könnten Sozialwohnungen für Entspannung sorgen. Doch die Bautätigkeit bleibt vielerorts hinter dem Bedarf zurü... » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Rathaussturm in Naila Naila

Rathaussturm in Naila | 11.11.2019 Naila
» 72 Bilder ansehen

Wunsiedel

20. Wunsiedler Kneipennacht | 09.11.2019 Wunsiedel
» 98 Bilder ansehen

Kickers Selb - FC Vorwärts Röslau

Kickers Selb - FC Vorwärts Röslau | 09.11.2019 Selb
» 5 Bilder ansehen

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
22. 08. 2019
16:14 Uhr



^